Algenprodukte werden oft als gesunde Nahrungsergänzung beworben, doch eine aktuelle Analyse zeigt: Viele enthalten bedenkliche Mengen an Jod und können mit Schwermetallen sowie PFAS belastet sein. Dies stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, insbesondere für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen. Verbraucher sollten beim Kauf dieser Produkte äußerste Vorsicht walten lassen und auf klare Kennzeichnungen achten.
Wichtige Erkenntnisse
- Viele Algenprodukte überschreiten empfohlene Jodhöchstwerte deutlich.
- Unzureichende Kennzeichnung und fehlende Warnhinweise sind häufig.
- Produkte können mit Schwermetallen wie Blei, Cadmium und Arsen sowie PFAS belastet sein.
- Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten Algenprodukte meiden.
- Zuchtalgen aus geschlossenen Systemen sind in der Regel sicherer.
Gefährlich hoher Jodgehalt in Meeresalgen
Meeresalgen sind bekannt für ihren hohen Jodgehalt, da sie das Element aus dem Meerwasser aufnehmen und speichern. Diese Eigenschaft, die Algen zu einer potenziellen Jodquelle macht, birgt jedoch auch Risiken. Untersuchungen zeigen, dass der Jodgehalt in getrockneten Algenprodukten extrem schwanken kann, von fünf bis zu 6.000 Milligramm pro Kilogramm. Solche Mengen können schnell zur Gefahr werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Deutschland eine maximale tägliche Jodzufuhr von 0,5 Milligramm aus allen Quellen. Schon eine geringe Menge eines stark jodhaltigen Algenprodukts kann diesen Wert um ein Vielfaches überschreiten. Ein plötzliches Überangebot an Jod kann die Schilddrüsenfunktion massiv stören.
„Eine übermäßige Zufuhr von Jod kann zu Störungen der Schilddrüsenfunktion führen“, warnt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
Jod in Zahlen
- Tägliche Empfehlung: 200 Mikrogramm Jod.
- BfR-Höchstmenge: 500 Mikrogramm pro Tag aus allen Quellen.
- Gefundene Werte: Bis zu 5.800 Mikrogramm pro Gramm in getrockneten Algen.
- Risiko: Bereits 0,03 Gramm eines stark jodhaltigen Produkts können die Tagesempfehlung überschreiten.
Fehlende Kennzeichnung und Warnhinweise
Trotz der potenziellen Risiken fehlen auf vielen Algenprodukten wichtige Informationen. Angaben zum genauen Jodgehalt sind oft nicht vorhanden, obwohl dies bei Produkten, die als „jodhaltig“ oder „reich an Jod“ beworben werden, gesetzlich vorgeschrieben ist. Zudem werden erforderliche Warnhinweise häufig weggelassen.
Eine Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Stuttgart (CVUA Stuttgart) aus dem Jahr 2024 ergab, dass fast alle getesteten Algenproben Jodgehalte von über 20 Milligramm pro Kilogramm aufwiesen. Bei fast einem Drittel dieser Proben fehlten jedoch die notwendigen Warnhinweise. Ähnliche Ergebnisse zeigte das Monitoring des BVL, bei dem 75 von 82 untersuchten Algenprodukten über 20 mg Jod pro Kilogramm enthielten, zehn davon ohne Warnhinweis.
Konsequenzen für Verbraucher
Produkte ohne korrekte Kennzeichnung dürfen eigentlich nicht in den Verkehr gebracht werden, da sie die Gesundheit schädigen können. Im Europäischen Schnellwarnsystem RASFF werden regelmäßig Produkte mit extrem hohen Jodgehalten, oft aus Asien, gemeldet. Ein Produkt enthielt sogar über 25.000 Milligramm Jod pro Kilogramm – das 1.000-fache der als kritisch eingestuften Menge.
Schilddrüsenrisiko
Deutschland gilt als Jodmangelgebiet. Dies verleitet dazu, Algen als einfache Lösung zu sehen. Doch ein Überangebot an Jod kann gerade bei älteren Menschen mit autonomen Schilddrüsenknoten zu einer lebensbedrohlichen Schilddrüsenüberfunktion führen. Bei gesunden Menschen kann eine hohe Jodzufuhr die Hormonbildung hemmen und eine Schilddrüsenunterfunktion mit Kropfbildung verursachen.
Belastung mit Schwermetallen und PFAS
Neben dem Jodproblem sind Algenprodukte oft mit anderen schädlichen Substanzen belastet. Wildwachsende Meeresalgen fungieren wie ein Filter und reichern Schwermetalle aus dem Meerwasser an. Regelmäßige Kontrollen zeigen, dass getrocknete Meeresalgen beträchtliche Mengen an Blei, Cadmium, Aluminium und Arsen enthalten können. Das BVL-Monitoring bestätigte diese anhaltende Problematik.
Zehn Prozent der untersuchten Proben wiesen Bleigehalte über 0,4 mg/kg, Cadmiumgehalte über 3,3 mg/kg und Kupferwerte über 8,52 mg/kg auf. Auch der Arsengehalt überschritt bei zehn Prozent der Proben 37,6 mg/kg. Diese Werte sind nur unwesentlich niedriger als bei früheren Untersuchungen im Jahr 2018.
Die Gefahr von PFAS
Ein weiteres Problem sind Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS), oft als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Bei Nori-Algen-Flocken wurden erhöhte Gehalte an diesen Chemikalien festgestellt. Eine Untersuchung von 86 Nori-Algen-Produkten zeigte, dass:
- 5,8 % der Proben den PFOS-Richtwert von 0,010 Mikrogramm pro Kilogramm überschritten.
- 5,8 % der Proben den PFNA-Richtwert von 0,005 Mikrogramm pro Kilogramm überschritten.
- 17,4 % der Proben den PFOA-Richtwert von 0,010 Mikrogramm pro Kilogramm überschritten.
- Eine Probe den PFHxS-Richtwert von 0,015 Mikrogramm pro Kilogramm überschritt.
Diese Chemikalien sind langlebig und können sich im Körper anreichern, mit potenziell negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.
Sichere Alternativen und Empfehlungen
Verbraucher sollten beim Kauf von Algenprodukten äußerst vorsichtig sein. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte nur Produkte erwerben, die transparente Angaben zum Jodgehalt und zur maximalen Verzehrmenge machen. Getrocknete Algen sollten nicht mehr als 20 mg/kg Jod enthalten. Bei Überschreitung dieses Wertes ist ein klarer Warnhinweis erforderlich.
Personen mit Schilddrüsenerkrankungen, wie Hashimoto-Thyreoiditis, sollten auf den Verzehr von Meeresalgenprodukten verzichten und dies mit ihrem Arzt besprechen. Für eine sichere Jodversorgung eignen sich jodiertes Speisesalz (in normalen Mengen), Meeresfisch, Milch und Eier. Veganer können auf standardisierte Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen, die eine kontrollierte Jodzufuhr gewährleisten.
Zuchtalgen als sicherere Option
Produkte aus Zuchtalgen, die in geschlossenen Systemen wie großen Behältern mit künstlichem Meerwasser wachsen, sind in der Regel weniger von Schadstoffen betroffen. Dazu gehören beispielsweise Mikromeeresalgen wie Schizochytrium (zur DHA-Gewinnung) oder Süßwasseralgen wie Chlorella und Spirulina. Diese werden geschützt vor Umwelteinflüssen angebaut.
Jodhaltige Algenöle stellen übrigens keine Jodquelle dar, da sie kein Jod enthalten. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu den getrockneten Algenprodukten.





