Kokosöl wird oft als Superfood gefeiert und soll zahlreiche gesundheitliche Vorteile bieten, von der Unterstützung beim Abnehmen bis zur Vorbeugung von Krankheiten. Doch eine genaue Betrachtung der wissenschaftlichen Fakten zeigt ein anderes Bild: Viele dieser Behauptungen entbehren einer fundierten Grundlage.
Wichtige Erkenntnisse
- Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für besondere gesundheitliche Vorteile von Kokosöl.
- Kokosöl hilft nicht beim Abnehmen.
- Es enthält einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren.
- Andere Öle wie Raps-, Walnuss- und Olivenöl sind ernährungsphysiologisch vorteilhafter.
- Der Anbau und Transport von Kokosöl haben eine erhebliche Umweltbelastung.
Was ist der Unterschied zwischen Kokosöl und Kokosfett?
Der Begriff Kokosöl und Kokosfett wird oft synonym verwendet, es gibt aber feine Unterschiede. Natives Kokosöl wird direkt aus dem frischen Fruchtfleisch der Kokosnuss gewonnen oder aus Kokosmilch gepresst. Es wird nicht weiterverarbeitet.
Die Konsistenz von Kokosöl ist temperaturabhängig. Bei Temperaturen unter etwa 23 Grad Celsius ist es fest oder cremig. Erst darüber wird es flüssig. Daher ist die Bezeichnung Kokosfett in vielen Haushalten geläufig.
Im Gegensatz dazu steht das handelsübliche Kokos-Plattenfett. Für dieses Produkt wird getrocknetes Kokos-Fruchtfleisch gepresst oder extrahiert. Das so gewonnene Öl durchläuft dann eine intensive Verarbeitung. Dabei gehen der typische Kokosgeruch und -geschmack verloren, was es geschmacksneutral für Braten und Frittieren macht.
Interessanter Fakt
Kokosöl ist erst ab etwa 23 Grad Celsius flüssig. Darunter nimmt es eine feste oder cremige Konsistenz an, weshalb es oft auch als Kokosfett bezeichnet wird.
Gesundheitsversprechen: Mythen und Fakten
Besonders in bestimmten Ernährungsphilosophien, wie der Paleo-Diät, genießt Kokosöl große Beliebtheit. Es wird oft behauptet, Kokosöl könne die Blutfettwerte positiv beeinflussen, beim Abnehmen helfen, Demenzerkrankungen und Krebs vorbeugen sowie Bakterien, Viren und Pilze bekämpfen. Diese Behauptungen stützen sich auf den Gehalt an Fettsäuren wie Laurin-, Capryl- und Caprinsäure sowie verschiedenen Polyphenolen.
Doch diese vermeintlichen Heilwirkungen sind wissenschaftlich nicht belegt. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sogenannte „Health-Claims“, also Gesundheitsversprechen, für Kokosöl-Produkte nicht zugelassen. Es ist daher ratsam, Berichte über wundersame Heilwirkungen kritisch zu hinterfragen.
„Viele der verbreiteten Gesundheitsversprechen zu Kokosöl entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage. Verbraucher sollten sich nicht von Marketing-Aussagen blenden lassen.“
Kokosöl und Abnehmen: Eine kritische Betrachtung
Eine weit verbreitete Theorie besagt, dass die im Kokosöl enthaltenen mittelkettigen Fettsäuren (MCTs) leichter verdaulich sind und möglicherweise nicht vom Körper gespeichert werden. Dies soll Kokosöl zu einem Wundermittel zum Abnehmen machen. Allerdings fehlen für diese Theorie Langzeitstudien, die diese Effekte bestätigen könnten. Die derzeitige Forschung bietet keine eindeutigen Beweise dafür, dass Kokosöl effektiver beim Abnehmen hilft als andere Fette.
Hintergrundinformation
Die Paleo-Ernährung orientiert sich an der mutmaßlichen Ernährungsweise der Steinzeitmenschen. Sie setzt auf unverarbeitete Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen, während Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte gemieden werden.
Fettsäurezusammensetzung und Alternativen
Ein wesentlicher Punkt bei der Bewertung von Kokosöl ist seine Fettsäurezusammensetzung. Es enthält nur wenige ungesättigte Fettsäuren. Stattdessen besteht es zu etwa 90 Prozent aus gesättigten Fettsäuren. Eine gesunde Ernährung sollte jedoch möglichst viele ungesättigte Fettsäuren enthalten, da diese als vorteilhafter für die Herz-Kreislauf-Gesundheit gelten.
Im Vergleich dazu bieten andere Pflanzenöle eine deutlich günstigere Fettsäurebilanz. Rapsöl, Walnussöl und Olivenöl enthalten einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, die als essentiell für eine ausgewogene Ernährung gelten. Diese Öle sind nicht nur ernährungsphysiologisch vorteilhafter, sondern oft auch regionaler verfügbar.
Vergleich der Öle
- Kokosöl: ca. 90% gesättigte Fettsäuren
- Rapsöl: Hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren, reich an Omega-3
- Olivenöl: Reich an einfach ungesättigten Fettsäuren
- Walnussöl: Hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren
Umweltaspekte und Kosten
Kokospalmen wachsen ausschließlich in tropischen Regionen. Dies bedeutet, dass Kokosöl weite Transportwege zurücklegen muss, bevor es in unseren Supermärkten landet. Diese langen Transportwege tragen zu einer erheblichen Umweltbelastung bei, insbesondere durch CO2-Emissionen.
Auch der Preis für Kokosöl ist oft höher als der für heimische Öle. Ein Liter Kokosöl in Bioqualität kostet zwischen 9 und 25 Euro. Raps-, Walnuss- und Olivenöl sind in der Regel günstiger und bieten gleichzeitig einen besseren gesundheitlichen Nutzen.
Wenn man Kokosöl dennoch verwenden möchte, beispielsweise wegen seines Geschmacks in asiatischen Gerichten, empfiehlt es sich, auf fair gehandelte und biologisch zertifizierte Produkte zurückzugreifen. Dies kann zumindest einen Teil der negativen Umweltauswirkungen und sozialen Ungleichheiten im Anbau abmildern.
Nachhaltigkeitsgedanken beim Öl-Kauf
Verbraucher haben die Möglichkeit, durch ihre Kaufentscheidung einen Beitrag zu leisten. Produkte mit Fair-Trade-Siegel stellen sicher, dass die Bauern faire Löhne erhalten und unter besseren Bedingungen arbeiten können. Bio-Siegel garantieren zudem, dass beim Anbau keine synthetischen Pestizide oder Düngemittel verwendet wurden, was sowohl der Umwelt als auch der Gesundheit zugutekommt.
Der bewusste Griff zu regionalen Ölen wie Rapsöl oder Sonnenblumenöl kann nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch die lokale Wirtschaft unterstützen.
Fazit: Kokosöl in Maßen genießen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kokosöl kein „Superfood“ im Sinne einer umfassenden Gesundheitsförderung ist. Seine gesundheitlichen Vorteile sind weit weniger ausgeprägt als oft behauptet, und es enthält einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, die in großen Mengen nicht empfohlen werden.
In Maßen und aufgrund seines einzigartigen Geschmacks kann Kokosöl jedoch eine passende Zutat für bestimmte Gerichte, insbesondere in der asiatischen Küche, sein. Hierbei sollte man bewusst auf Bio-Qualität und fairen Handel achten, um die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen zu minimieren.
Für die tägliche Küche und eine gesunde Ernährung sind Öle wie Raps-, Walnuss- und Olivenöl aufgrund ihres günstigeren Fettsäureprofils und ihrer oft kürzeren Transportwege die bessere Wahl.





