Die Elektromobilität gewinnt im Nutzfahrzeugsektor zunehmend an Bedeutung. Trotz eines leichten Rückgangs der Gesamtzulassungen in Europa verzeichneten batterieelektrische Nutzfahrzeuge im Jahr 2025 einen Aufwärtstrend. Besonders auffällig ist das starke Wachstum bei Elektrobussen und leichten Elektro-Lkw, die den Weg für eine emissionsärmere Logistik und den öffentlichen Nahverkehr ebnen.
Wichtige Erkenntnisse
- Elektrobusse machen fast jeden vierten neuen Bus in Europa aus.
- Leichte Elektro-Lkw (3,5 bis 16 Tonnen) verzeichneten ein Wachstum von 87 Prozent.
- Deutschland ist führend bei der Zulassung von Elektrobussen und leichten Elektro-Lkw.
- Insgesamt gingen die Lkw-Zulassungen in Europa um 6,2 Prozent zurück.
- Die Schweiz ist Vorreiter bei schweren Elektro-Lkw.
Elektrobusse als Vorreiter der Nutzfahrzeug-Elektrifizierung
Der Markt für Nutzfahrzeuge mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, doch er liefert wichtige Hinweise auf die Zukunft der Elektromobilität. Hier entscheiden finanzielle Vorteile und Praxistauglichkeit. Im Jahr 2025 zeigte sich, dass Elektrobusse besonders erfolgreich sind.
In der gesamten EU stiegen die Zulassungen von Bussen um 7,5 Prozent auf 38.238 Einheiten. Deutschland spielte dabei eine Schlüsselrolle mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs von 28 Prozent. Batterieelektrische Busse erreichten 2025 einen Marktanteil von 23,8 Prozent aller Neuzulassungen in der EU. Betrachtet man die EFTA-Staaten (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) und Großbritannien, so steigt dieser Anteil sogar auf 25,9 Prozent. Das bedeutet: Jeder vierte neue Bus in Europa fährt elektrisch.
"Die Entwicklung bei Elektrobussen zeigt, dass Kommunen und Transportunternehmen die Vorteile emissionsfreier Antriebe erkennen und in die notwendige Infrastruktur investieren", so ein Branchenexperte.
Faktencheck: Elektrobusse
- EU-Marktanteil 2025: 23,8 % aller Buszulassungen
- Europaweit (inkl. EFTA & UK): 25,9 %
- Größtes Wachstum: Schweden (+262,1 %), Belgien (+233,5 %), Deutschland (+106,4 %)
- Beliebtestes Land (absolute Zahlen): Großbritannien mit 2.856 Neuzulassungen
Starker Aufwind bei leichten Elektro-Lkw
Auch im Segment der leichten Elektro-Lkw, genauer gesagt in der Gewichtsklasse zwischen 3,5 und 16 Tonnen, gab es bemerkenswerte Fortschritte. Obwohl die Gesamtzulassungen in dieser Klasse um 9,9 Prozent auf 52.972 Einheiten zurückgingen, stieg die Zahl der Elektrofahrzeuge um 7.867 Stück. Das entspricht einem beeindruckenden Zuwachs von 87 Prozent.
Im Jahr 2025 waren bereits 14,8 Prozent der Nutzfahrzeuge in diesem Segment (teil-)elektrisch unterwegs. Deutschland trug hier maßgeblich bei: Mit 3.368 elektrifizierten Fahrzeugen entfielen 43 Prozent aller EU-weiten Zulassungen dieser Klasse auf Deutschland. Dies unterstreicht die Rolle Deutschlands als wichtiger Markt für elektrifizierte Verteilfahrzeuge.
Regionale Unterschiede im Wachstum
Das Wachstum bei den leichten Elektro-Lkw zeigt deutliche regionale Unterschiede. Die Niederlande verzeichneten mit 1.147 Stück ein enormes Plus von 523 Prozent im Jahresvergleich. Schweden erreichte 619 Neuzulassungen, was einem Zuwachs von 407 Prozent entspricht, und Italien legte mit 521 Stück um 174 Prozent zu. Auch Frankreich (+33 % auf 852 Einheiten) und Dänemark (+122 % auf 470 Einheiten) zeigten starke Entwicklungen. Außerhalb der EU stach das Vereinigte Königreich mit 2.562 verkauften Einheiten hervor, ein Plus von 56 Prozent gegenüber 2024.
Hintergrund: Warum leichte Elektro-Lkw?
Leichte Elektro-Lkw werden hauptsächlich im Verteilerverkehr eingesetzt. Kurze Tagesfahrleistungen, die Möglichkeit, in emissionsbeschränkte Zonen zu fahren, und viele Lieferstopps machen sie ideal für diese Anwendung. Diese Bedingungen sind in dicht besiedelten Gebieten wie Deutschland besonders häufig anzutreffen, was den hohen Anteil hierzulande erklärt.
Schwere Elektro-Lkw noch selten, aber mit Potenzial
Bei Lkw über 16 Tonnen ist der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge noch gering. Von insgesamt 254.488 verkauften Schwerlastern im Jahr 2025 waren nur 4.991 elektrisch angetrieben, was einem Gesamtanteil von lediglich zwei Prozent entspricht. Der Gesamtmarkt für schwere Lkw schrumpfte um 5,4 Prozent.
Trotz des geringen Anteils gab es in einigen Ländern beachtliche Zuwächse. Deutschland verzeichnete einen Anstieg von 38 Prozent bei schweren Elektro-Lkw auf 1.398 Stück. Österreich zeigte mit 405 Einheiten sogar ein Wachstum von 143 Prozent, und die Niederlande legten mit 878 Stück um 83 Prozent zu. Die Schweiz, als EFTA-Land, ist hier der absolute Vorreiter: 524 schwere E-Lkw wurden dort verkauft, was einem Wachstum von 71 Prozent entspricht und einen Marktanteil von 21,3 Prozent ausmacht.
- Marktanteil schwere Elektro-Lkw (EU): 2 %
- Größtes Wachstum (EU): Österreich (+143 %), Niederlande (+83 %), Deutschland (+38 %)
- Spitzenreiter (EFTA): Schweiz mit 21,3 % Marktanteil und 71 % Wachstum
Herausforderungen und Ausblick
Der Verband der europäischen Kraftfahrzeughersteller (Acea) sieht den Fortschritt der Elektromobilität im Nutzfahrzeugbereich durch verschiedene Faktoren gebremst. Dazu gehören eine unzureichende Ladeinfrastruktur, hohe Energiepreise, ungünstige Gesamtbetriebskosten und inkonsequente politische Rahmenbedingungen.
Besonders interessant ist der Rückgang bei Hybridbussen. EU-weit sanken deren Zulassungen um 25 Prozent auf einen Marktanteil von 6,9 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass die rein elektrischen Lösungen in puncto Kosten und Leistungsfähigkeit aufholen und Kommunen vermehrt in die Ladeinfrastruktur investieren. Der Immissionsschutz in Städten treibt die Umstellung des Personennahverkehrs maßgeblich voran, auch wenn die Anfangsinvestitionen hoch sind.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Elektromobilität im Nutzfahrzeugbereich zwar noch am Anfang steht, aber in bestimmten Segmenten bereits eine beachtliche Dynamik entwickelt. Die Entwicklung der Ladeinfrastruktur und weitere politische Unterstützung werden entscheidend sein, um diesen Trend fortzusetzen und die Ziele zur Reduzierung von Emissionen im Verkehrssektor zu erreichen.





