BMW hat einen langfristigen Liefervertrag mit dem Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG geschlossen. Der Vertrag sichert die Weiterentwicklung und Lieferung der bewährten 8-Stufen-Wandlerautomatik von ZF bis in die späten 2030er-Jahre. Das Volumen des Auftrags beläuft sich auf mehrere Milliarden Euro.
Wichtige Punkte
- BMW und ZF haben einen langfristigen Liefervertrag über mehrere Milliarden Euro abgeschlossen.
- Der Vertrag sichert die Weiterentwicklung der ZF 8-Stufen-Wandlerautomatik bis in die späten 2030er-Jahre.
- Ein Hauptfokus liegt auf der Integration der Getriebe in elektrifizierte Hybridantriebe.
- Die modulare Bauweise des 8HP-Getriebes ermöglicht eine hohe Anpassungsfähigkeit für verschiedene Motoren.
- Der Auftrag ist für ZF in einer herausfordernden wirtschaftlichen Phase von großer Bedeutung.
Fokus auf elektrifizierte Antriebe
Die Vereinbarung zwischen BMW und ZF legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Anpassung der 8-Stufen-Wandlerautomatik für elektrifizierte Antriebe. Dies bedeutet, dass das Getriebe speziell für den Einsatz in zukünftigen Hybridfahrzeugen von BMW weiterentwickelt wird. Die Grundkonstruktion des Getriebes ermöglicht dabei den Längseinbau des Verbrennungsmotors.
Eine entscheidende Rolle spielt die Integration einer Elektromaschine. Diese kann konzentrisch zur Getriebewelle platziert werden. Der Einbau ist entweder mit der Wandlerkupplung oder einem automatisierten Anfahrelement in der Getriebeglocke oder im Getriebegehäuse möglich. Auch eine Kombination beider Einbaupositionen ist vorgesehen.
Faktencheck
- Vertragslaufzeit: Bis in die späten 2030er-Jahre
- Volumen: Mehrere Milliarden Euro
- Getriebetyp: ZF 8HP 8-Stufen-Wandlerautomatik (weiterentwickelte Version „8HP evo“)
- Hauptziel: Optimierung für Hybridantriebe
Technologische Basis des 8HP-Getriebes
Das ZF 8HP-Getriebe ist bereits in mehreren Fahrzeuggenerationen bewährt. Es zeichnet sich durch einen konventionellen, modularen Aufbau aus. Die aktuelle Ausbaustufe kommt mit nur fünf Schaltelementen aus, obwohl sie vier Radsätze besitzt. Dies minimiert die Schleppverluste im Getriebe erheblich, da pro Gang lediglich zwei Schaltelemente geöffnet sind.
ZF hat die Anzahl der Lamellenkupplungen auf drei und die der Bremsen auf zwei reduziert. Diese konsequente Reibungsminimierung trägt zu einem höheren Wirkungsgrad der angeschlossenen Verbrennungsmotoren bei. Eine achsparallele Flügelzellenpumpe unterstützt diese Effizienz zusätzlich.
„Die herkömmliche Bauform reduziert die Notwendigkeit von Einbau-Anpassungen und die damit verbundenen Investitionen für den Kunden auf ein Minimum.“
Modularität und breite Anwendung
Die Modularität des 8HP-Baukastens ist ein großer Vorteil. Sie ermöglicht es bereits heute, ein Plug-in-Hybridgetriebe mit integrierter E-Maschine zu realisieren. Diese E-Maschine kann bis zu 160 kW Leistung und ein maximales Drehmoment von 450 Nm liefern. Dabei werden weitestgehend konventionelle Bauteile verwendet.
Das Getriebe ist in verschiedenen Ausführungen für Motoren mit einem Drehmoment von 220 bis 1000 Nm erhältlich. Es wird nicht nur von BMW, sondern auch von anderen namhaften Autoherstellern, wie beispielsweise Audi, eingesetzt. Diese breite Anwendung unterstreicht die Flexibilität und Leistungsfähigkeit des ZF-Systems.
Bedeutung für ZF
Für ZF kommt dieser Milliardenauftrag in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit. Das Unternehmen ist einer der größten Zulieferer der Autobranche und beschäftigt weltweit etwa 161.600 Mitarbeiter in 161 Werken in 30 Ländern. Aktuell befindet sich ZF jedoch in einer Krise, verstärkt durch die Schwäche der deutschen Autoindustrie.
Zuletzt plante ZF, in Deutschland bis Ende 2028 bis zu 14.000 Arbeitsplätze abzubauen. Viele Mitarbeiter in Deutschland sind bereits in Kurzarbeit. Die Umsatzentwicklung zeigt ebenfalls eine Herausforderung: Nach 46,6 Milliarden Euro im Jahr 2023 sank der Umsatz 2024 auf rund 41,4 Milliarden Euro. Für 2025 wird eine weitere Verschlechterung des Ergebnisses erwartet.
Hintergrundinformationen
ZF Friedrichshafen AG ist ein weltweit führender Technologiekonzern und liefert Systeme für Pkw, Nutzfahrzeuge und Industrietechnik. Das Unternehmen ist bekannt für seine Getriebe, Fahrwerktechnik und aktive Sicherheitssysteme. Der Wandel in der Automobilindustrie hin zu Elektromobilität stellt traditionelle Zulieferer wie ZF vor große Herausforderungen, aber auch neue Chancen.
Dieser langfristige Vertrag mit BMW sichert ZF eine wichtige Einnahmequelle und stärkt die Position des Unternehmens im Bereich der Hybridantriebstechnologien. Er sendet auch ein positives Signal an die Belegschaft und den Markt, dass ZF weiterhin eine zentrale Rolle in der Entwicklung moderner Antriebslösungen spielen wird. Die Zahlen für 2025 will ZF im März präsentieren.
Zukunft der Antriebstechnologie
Die Entscheidung von BMW, auf eine weiterentwickelte Version der ZF 8-Stufen-Wandlerautomatik zu setzen, zeigt die anhaltende Bedeutung von Hybridlösungen. Obwohl der Trend zur reinen Elektromobilität stark ist, bleiben Übergangstechnologien wie Plug-in-Hybride für viele Hersteller und Kunden relevant. Sie bieten eine Brücke zwischen Verbrennungsmotor und vollelektrischem Fahren.
Die Investition in die Weiterentwicklung bestehender, bewährter Technologien für den Hybridbereich ist ein strategischer Schritt. Er ermöglicht es BMW, flexibel auf die unterschiedlichen Marktanforderungen und regulatorischen Vorgaben in verschiedenen Regionen zu reagieren. Gleichzeitig sichert es ZF eine Schlüsselposition als Innovationspartner in diesem dynamischen Sektor der Automobilindustrie.





