Der Volkswagen-Konzern hat angekündigt, eigene KI-Chips für autonomes Fahren in China zu entwickeln. Diese strategische Entscheidung soll die Abhängigkeit von externen Chip-Lieferanten reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit auf dem weltweit größten Automobilmarkt stärken. Die Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partner.
Wichtige Erkenntnisse
- Volkswagen investiert über 200 Millionen Euro in die Entwicklung eigener KI-Chips in China.
- Die Chips sollen Daten von Kameras und Sensoren für autonomes Fahren verarbeiten.
- Die Entwicklung ist ein Gemeinschaftsprojekt von VWs Softwaretochter Cariad und Horizon Robotics.
- Ziel ist es, innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre Fahrassistenzsysteme der Stufe 3 zu ermöglichen.
- Diese Initiative soll VWs Position im chinesischen Markt gegen lokale Konkurrenz festigen.
Strategischer Schritt in die Chip-Eigenentwicklung
Volkswagen unternimmt einen bedeutenden Schritt im Bereich des autonomen Fahrens. Der Konzern hat seine Pläne zur Entwicklung eigener KI-Chips in China bekannt gegeben. Diese Chips sind entscheidend für die Verarbeitung von Daten, die von Kameras und Sensoren erfasst werden, um autonome Fahrfunktionen zu ermöglichen. Die Ankündigung erfolgte durch Konzernchef Oliver Blume während der Internationalen Importmesse (CIIE) in Shanghai.
Die Initiative wird durch ein Gemeinschaftsunternehmen namens Carizon vorangetrieben. Carizon ist eine Kooperation zwischen VWs Softwaretochter Cariad und Horizon Robotics, einem chinesischen Spezialisten für Computing im autonomen Fahren. Peter Bosch, Vorstand von Cariad, betonte, dass Carizon damit nicht nur Software, sondern erstmals auch einen KI-Chip entwickeln wird.
Faktencheck
- Investition: Über 200 Millionen Euro.
- Zeitrahmen: Lieferung der Chips innerhalb der nächsten 3 bis 5 Jahre.
- Ziel: Ermöglichung von Fahrassistenzsystemen der Stufe 3.
Antwort auf globale Chip-Sorgen
Die Entscheidung von Volkswagen kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Automobilindustrie weltweit mit Engpässen und geopolitischen Spannungen im Chip-Sektor zu kämpfen hat. Jüngste Exportstopps von Chips, wie jene des niederländischen Unternehmens Nexperia, haben die Abhängigkeit europäischer Hersteller von Hightech-Produkten aus Asien deutlich gemacht.
Mit der Eigenentwicklung in China will Volkswagen diese Abhängigkeit reduzieren. Oliver Blume bezeichnete dies als Übernahme der Kontrolle über eine Schlüsseltechnologie, die die Zukunft des intelligenten Fahrens maßgeblich bestimmen wird. Dies ist Teil eines Fünfjahresplans, um ein Vorreiter in der Automobiltechnologie zu werden.
"Heute ist ein besonderer Moment. Die Strategie der Volkswagengruppe ist unser Fünfjahresplan. Die Mission ist, ein Vorreiter in Automobiltechnologie zu werden."
Wettbewerb im chinesischen Markt
China ist der größte Automarkt der Welt. Dort schmilzt das Geschäft deutscher Marken zunehmend ab. Lokale Hersteller drängen mit innovativen Fahrassistenzsystemen stark nach vorne. Bekannte Tech-Konzerne, wie der Smartphone-Hersteller Xiaomi, sind bereits selbst im Autogeschäft aktiv oder unterstützen große Marken bei der Entwicklung.
Mit dem hauseigenen China-Chip will sich VW direkt mit dieser starken chinesischen Konkurrenz messen. Die Investition von über 200 Millionen Euro unterstreicht die Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens. Volkswagen will nicht nur aufholen, sondern eine führende Rolle einnehmen.
Hintergrund: Fahrassistenzsysteme
Fahrassistenzsysteme werden in fünf Stufen eingeteilt:
- Stufe 1: Tempomat, Spurhalteassistent.
- Stufe 2: Kombinierte Systeme, die Lenken und Beschleunigen/Bremsen übernehmen.
- Stufe 3: Bedingt automatisiertes Fahren, bei dem der Fahrer in bestimmten Situationen die Kontrolle abgeben kann.
- Stufe 4: Hochautomatisiertes Fahren, das unter bestimmten Bedingungen vollständig autonom agiert.
- Stufe 5: Vollautomatisiertes Fahren, das in allen Situationen ohne menschliches Eingreifen funktioniert.
Fokus auf Stufe 3 des autonomen Fahrens
Die von VW angestrebte Chip-Entwicklung zielt auf Fahrassistenzsysteme der Stufe 3 ab. Bei dieser Stufe kann der Mensch hinter dem Steuer zeitweise und in bestimmten Situationen dem Auto das Fahren überlassen. Dies könnte bedeuten, dass der Fahrer in bestimmten Verkehrslagen andere Aktivitäten ausüben kann, wie beispielsweise das Lesen einer Zeitung.
In China arbeiten sich viele Marken derzeit ebenfalls auf diese Stufe vor. Die Technologie verspricht mehr Komfort und Sicherheit, bringt aber auch Fragen zur Sicherheit mit sich. Tödliche Unfälle im Zusammenhang mit Fahrassistenzsystemen haben in der Vergangenheit zu Diskussionen geführt. Chinas Regulierungsbehörden mahnten die Hersteller bereits, keine zu großen Versprechungen bezüglich der Technologie zu machen.
Volkswagen positioniert sich mit dieser Entwicklung als wichtiger Akteur im globalen Wettlauf um autonomes Fahren. Die Kontrolle über Schlüsseltechnologien wie KI-Chips wird als entscheidender Faktor für den Erfolg in diesem dynamischen Markt angesehen.





