Der estnische Mobilitätsanbieter Bolt plant, autonomes Fahren der Stufe 4 in Europa einzuführen. Dafür hat das Unternehmen eine Partnerschaft mit dem chinesischen Entwickler Pony.ai geschlossen. Erste Tests sollen bereits 2026 beginnen, der Regelbetrieb ist für 2027 geplant.
Wichtige Punkte
- Bolt und Pony.ai bringen Level-4-Technologie nach Europa.
- Tests der Robotaxis starten 2026, Regelbetrieb 2027.
- Fokus liegt auf Sicherheit und Integration in das Bolt-Ökosystem.
- Pony.ai hat bereits umfangreiche Erfahrung in China.
- Mehrere Unternehmen planen Robotaxi-Dienste in Europa ab 2026.
Autonomes Fahren erreicht Europa
Während autonome Fahrdienste in den USA und China bereits weit verbreitet sind, ist der europäische Markt in diesem Bereich noch unterentwickelt. Bolt will diesen Zustand ändern und die fortschrittliche Technologie des autonomen Fahrens nach Europa bringen. Die Kooperation mit Pony.ai ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
Pony.ai ist ein führender Entwickler von autonomen Fahrsystemen mit umfangreicher Erfahrung. Das Unternehmen betreibt bereits fahrerlose Robotaxi-Dienste in mehreren chinesischen Großstädten. Dazu gehören Peking, Guangzhou, Shanghai und Shenzhen.
Fakten zum autonomen Fahren
- Level 4: Das Fahrzeug kann in den meisten Situationen selbstständig fahren, ohne menschliches Eingreifen. Ein Fahrer ist jedoch weiterhin für Notfälle vorgesehen.
- Level 5: Das Fahrzeug fährt vollständig autonom unter allen Bedingungen, ohne dass ein menschlicher Fahrer benötigt wird.
Start der Tests ab 2026
Bolt plant einen mehrphasigen Anlauf für die Einführung der Robotaxis. Die erste Phase soll 2026 beginnen. In dieser Zeit konzentriert sich Bolt auf umfassende Tests unter realen Bedingungen. Auch die Sicherheitsvalidierung und das Design der Nutzererfahrung stehen im Vordergrund.
Markus Villig, Gründer und CEO von Bolt, betonte die Bedeutung dieser Phase. Sie soll den Grundstein für einen vollständig autonomen, fahrerlosen Betrieb legen. Ein Jahr später, also ab 2027, soll dann der reguläre Betrieb der Robotaxis starten.
„Autonome Fahrzeuge werden die Art und Weise, wie sich Menschen und Güter bewegen, grundlegend verändern“, sagte Markus Villig. „Unser Ziel ist es, eine der ersten Plattformen zu sein, die vollständig fahrerlose autonome Fahrzeuge in der EU anbietet.“
Standorte der ersten Einsätze noch geheim
Bolt hat bisher noch nicht bekannt gegeben, in welchen europäischen Ländern die autonomen Fahrzeuge zuerst auf die Straße kommen sollen. Das Unternehmen erklärte lediglich, dass die Zielstädte sowohl in EU-Mitgliedstaaten als auch in europäischen Nicht-EU-Ländern liegen werden. Diese Strategie deutet auf eine breite Einführung über den gesamten Kontinent hin.
Hintergrund: Bolt und Pony.ai
Bolt ist ein estnischer Mobilitätsanbieter, der in über 45 Ländern und mehr als 500 Städten aktiv ist. Das Unternehmen bietet Fahrtenvermittlung, Essenslieferungen und Mikromobilität an.
Pony.ai ist ein chinesisches Unternehmen, das sich auf autonome Fahrsysteme spezialisiert hat. Es wurde 2016 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Fremont, Kalifornien, sowie Niederlassungen in China.
Bolts Anspruch und europäische Standards
Bolt ist davon überzeugt, als einzige unabhängige, in Europa gegründete Ride-Hailing-Plattform eine einzigartige Position zu haben. Dies ermögliche es dem Unternehmen, autonome Fahrzeuge verantwortungsbewusst und effizient zu skalieren. Dabei sollen alle europäischen Sicherheits- und Datenstandards vollständig eingehalten werden.
Die Kombination der Technologie von Pony.ai mit Bolts regulatorischer Expertise und breiter europäischer Präsenz soll die Verbreitung der Technologie für autonomes Fahren auf dem gesamten Kontinent weiter stärken. Dies ist ein wichtiger Aspekt für die Akzeptanz und Sicherheit der neuen Dienste.
Weitere Partnerschaften von Pony.ai
Pony.ai beschränkt seine Aktivitäten in Europa nicht nur auf die Partnerschaft mit Bolt. Im Oktober unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit Stellantis. Ziel dieser Zusammenarbeit ist die gemeinsame Entwicklung von autonomen Fahrzeugen nach SAE-Level 4.
Der Fokus liegt zunächst auf vollelektrischen, mittelgroßen Transportern. Diese Fahrzeuge eignen sich ideal als Robotaxis. Stellantis will durch diese Partnerschaft die Entwicklung und den Einsatz von Robotaxi-Lösungen in Europa beschleunigen.
Pony.ai Flottenstärke
Pony.ai verfügt nach eigenen Angaben über eine Flotte von 961 Robotaxis. Das Ziel ist, bis Ende des Jahres 1.000 Fahrzeuge zu erreichen.
Das Jahr der Robotaxis in Europa?
Nicht nur Bolt und Pony.ai sehen das Jahr 2026 als Wendepunkt für Robotaxis in Europa. Auch andere große Akteure planen ihren Markteintritt. Der US-Marktführer Waymo etwa plant, ab 2026 Robotaxis in London anzubieten. Lyft will zusammen mit Baidu Robotaxis unter anderem auch in Deutschland einführen.
Uber hat ebenfalls angekündigt, in Deutschland vollständig fahrerlose Autos zu testen. Der US-Fahrdienstleister setzt dabei auf die Technik des chinesischen Softwareunternehmens Momenta. Dara Khosrowshahi, CEO von Uber, betonte die Bedeutung Deutschlands:
„Deutschland hat die globale Automobilindustrie seit mehr als einem Jahrhundert geprägt, und jetzt wird München mit autonomen Fahrzeugen die Zukunft mitgestalten.“
Auch Volkswagen ist aktiv. Der deutsche Automobilhersteller testet seit einigen Jahren autonome Fahrzeuge in Deutschland. Kürzlich kündigte Volkswagen an, im Jahr 2026 einen eigenen Robotaxi-Dienst in Hamburg anzubieten. Dies zeigt, dass der Wettbewerb um den europäischen Robotaxi-Markt intensiv wird und viele Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie schnell sich diese Technologie in Europa etabliert und welche Auswirkungen sie auf die Mobilität der Menschen haben wird. Die Weichen für eine autonome Zukunft scheinen gestellt zu sein.





