Der deutsche Industrieriese Schaeffler hat in China eine neue Tochtergesellschaft für intelligente Robotik gegründet. Das Unternehmen mit dem Namen Schaeffler Embodied Intelligent Robotics (Taicang) Co., Ltd. wurde am 27. Februar 2026 in Suzhou offiziell ins Leben gerufen. Dieser Schritt markiert eine wichtige strategische Neuausrichtung für Schaeffler, weg vom reinen Komponentenlieferanten hin zu einem umfassenden Anbieter von physischer KI-Technologie.
Wichtige Punkte
- Schaeffler gründet eine spezialisierte Roboter-Tochtergesellschaft in Taicang, China.
- Das Unternehmen konzentriert sich auf die gesamte Wertschöpfungskette humanoider Roboter.
- Produktion von Hardware und Entwicklung digitaler KI-Infrastruktur sind zentrale Aufgaben.
- Strategie: Roboter werden in eigenen Produktionslinien eingesetzt, um Daten zu sammeln und Hard-/Software zu verbessern.
- Taicang wurde wegen seiner starken deutschen Unternehmenspräsenz und Lieferketten gewählt.
Ein neues Zentrum für Roboter-Intelligenz
Die neue Gesellschaft in der Hightech-Zone Taicang hat eine doppelte Aufgabe. Sie soll sowohl die Produktion von Kernhardware als auch den Aufbau einer digitalen Infrastruktur für Roboterintelligenz vorantreiben. Schaeffler plant, die gesamte Wertschöpfungskette humanoider Roboter abzudecken, von hochdrehmomentstarken Aktuatoren bis hin zu den datengesteuerten „Gehirnen“, die diese Roboter antreiben.
Das Werk in Taicang wird eine Reihe von Schlüsseltechnologien herstellen und entwickeln. Dazu gehören Präzisionshardware wie die auf der CES 2026 vorgestellten Planetengetriebe-Aktuatoren. Auch Wälzlager, Planetenrollengewindetriebe und spezielle Sensoren für Robotergelenke gehören dazu. Außerdem sollen modulare Subsysteme entwickelt werden, die integrierte Drehantriebe und Linearbewegungssysteme umfassen. Diese sollen den Integrationszyklus für Hersteller humanoider Roboter verkürzen.
Faktencheck
- 560+ deutsche Unternehmen sind in Taicang ansässig.
- Diese Unternehmen erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von über 67 Milliarden Yuan (ca. 9,75 Milliarden US-Dollar).
- Schaeffler hat seine Präsenz in Taicang von 30 Mitarbeitern vor drei Jahrzehnten auf heute 19.000 Mitarbeiter ausgebaut.
KI-Modelltraining und digitale Zwillinge
Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Computing Power Hub. Hier entsteht eine spezielle Einrichtung für das Training von KI-Modellen, die Datenerfassung und die Simulation von „digitalen Zwillingen“. Dies festigt die Partnerschaft des Unternehmens mit NVIDIA und Microsoft. Ziel ist es, das Verhalten von Robotern in virtuellen Umgebungen zu verfeinern, bevor sie in der realen Welt eingesetzt werden.
Hintergrund: Taicang als deutscher Industriestandort
Taicang, eine Stadt im Jangtse-Delta, hat sich zu einem wichtigen Standort für deutsche Unternehmen entwickelt. Sie wird oft als „Heimat deutscher Unternehmen in China“ bezeichnet. Die Stadt bietet eine ausgeprägte Lieferkettenresilienz. Etwa 70% der Fahrzeugkomponenten können lokal bezogen werden. Diese Infrastruktur wird nun für die Robotik-Ära genutzt.
Die „User-Supplier“-Strategie in der Praxis
Die Gründung der Tochtergesellschaft in Taicang ermöglicht Schaeffler die Umsetzung seiner „User-Supplier“-Strategie. Das Unternehmen plant, humanoide Roboter direkt in seinen eigenen Produktionslinien in Taicang einzusetzen. Diese Roboter dienen dann sowohl als „Kernproduktionselemente“ als auch als „Datensammler“. Dadurch kann Schaeffler seine eigene Hardware kontinuierlich verbessern und weiterentwickeln.
Diese Strategie folgt auf erfolgreiche industrielle Tests. Dazu gehören Versuche zur Behälterentnahme mit dem britischen Startup Humanoid. Außerdem hat sich Schaeffler verpflichtet, bis 2035 Tausende von Neura Robotics-Einheiten in sein globales Netzwerk zu integrieren. Durch die Konzentration dieser Bemühungen in China positioniert sich Schaeffler im Zentrum des weltweit schnellsten Robotik-Rollouts.
„Taicang verbindet Effizienz mit Gastfreundschaft“, sagte Li Youmei, eine Führungskraft bei Schaeffler China. „Die tiefe Lieferkettenresilienz der Stadt, wo 70% der Fahrzeugkomponenten lokal beschafft werden können, wird nun für die Robotik-Ära genutzt.“
Geopolitische Bedeutung und der IPO-Welle
Die Ankündigung fällt in eine Zeit erhöhter diplomatischer und wirtschaftlicher Aktivität. Am 26. Februar 2026 besuchte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz Hangzhou. Dort besichtigte er den Hauptsitz von Unitree Robotics. Begleitet von 30 Führungskräften deutscher Unternehmen, prüfte Merz Roboterkomponenten und diskutierte technische Spezifikationen. Dies zeigt das große Interesse Deutschlands an chinesischer humanoider Hardware.
Während die „IPO-Welle“ in China im Jahr 2026 an Fahrt gewinnt, dient Schaefflers spezialisierte Robotik-Tochter als strategischer Vorteil. Indem das Unternehmen sowohl die „Muskeln“ (Aktuatoren) als auch das „Nervensystem“ (Daten und Sensoren) auf dem chinesischen Markt kontrolliert, bleibt es der bevorzugte technische Partner für jede Robotermarke, die in industriellem Maßstab wachsen möchte.
Dr. Zhang Yilin, CEO von Schaeffler China, sieht in diesem Schritt eine Brücke vom Konzept zur Realität:
„Wir wollen humanoide Roboter vom Proof-of-Concept zur großflächigen Anwendung bringen und der primäre technische Partner in diesem aufstrebenden Ökosystem werden.“
Zukunftsperspektiven für die Robotik
Diese Entwicklung unterstreicht Schaefflers Ambition, eine zentrale Rolle in der globalen Robotik-Industrie zu spielen. Die Investition in China, einem führenden Markt für die Entwicklung und den Einsatz von Robotern, ist ein klares Zeichen für das Engagement des Unternehmens, sich als „Physical AI“-Kraftpaket zu etablieren. Die Kombination aus Hardware-Produktion und KI-Entwicklung an einem Standort verspricht schnelle Innovationen und eine effiziente Skalierung.
Die lokale Produktion und Entwicklung in Taicang ermöglicht es Schaeffler, eng mit chinesischen Partnern zusammenzuarbeiten und auf die spezifischen Anforderungen des Marktes einzugehen. Dies ist entscheidend, um in einem so dynamischen und wettbewerbsintensiven Umfeld erfolgreich zu sein. Die Integration von Robotern in eigene Fertigungsprozesse schafft zudem eine einzigartige Testumgebung für die Weiterentwicklung der Technologie.
- Technologische Führerschaft: Schaeffler festigt seine Position als Innovator im Bereich der Robotik.
- Marktexpansion: Stärkung der Präsenz im wichtigen chinesischen Markt.
- Synergien: Nutzung der lokalen Lieferketten und des Technologiestandorts Taicang.
- End-to-End-Lösungen: Entwicklung vom Komponentenlieferanten zum Anbieter kompletter Robotik-Lösungen.
Die strategische Entscheidung, sich auf die gesamte Wertschöpfungskette zu konzentrieren, positioniert Schaeffler als einen Schlüsselakteur für die Zukunft der Robotik, insbesondere im Bereich humanoider Systeme.





