OpenAI, bekannt für seine Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz, hat eine neue interne Robotik-Abteilung gegründet. Das Unternehmen konzentriert sich nun nicht mehr nur auf die Entwicklung von KI-Software, sondern auch auf die Herstellung eigener physischer Roboter. Dieser strategische Schritt markiert eine bedeutende Veränderung in der Ausrichtung des Unternehmens.
Wichtige Erkenntnisse
- OpenAI hat eine interne Robotik-Abteilung ins Leben gerufen, die sich auf Hardware und Software konzentriert.
- Das Ziel ist die Entwicklung von Robotern zur Unterstützung von Fachkräften und langfristig persönliche Roboter für jedermann.
- Die Abteilung entstand aus dem Forschungsprogramm zur Welt-Simulation unter der Leitung von Aditya Ramesh.
- OpenAI stellt aktiv Ingenieure für Aktuatoren und Simulationsrealismus ein, was auf eine tiefgreifende Hardware-Entwicklung hindeutet.
- Diese neue Strategie folgt einer Trennung von dem Humanoiden-Startup Figure, das OpenAIs mangelnden Hardware-Fokus kritisierte.
Vom Simulationsprogramm zur physischen Robotik
Die Gründung der OpenAI Robotik-Abteilung wurde am 31. Mai 2026 von CEO Sam Altman bekannt gegeben. Diese neue Initiative ist eine Weiterentwicklung des bestehenden Forschungsprogramms zur Welt-Simulation, welches von Aditya Ramesh geleitet wurde. Ramesh ist bekannt für seine Arbeit an den DALL-E-Modellen.
„Unser Forschungsprogramm zur Welt-Simulation hat sich im vergangenen Jahr zu OpenAI Robotics entwickelt“, erklärte Altman. Er betonte, dass die Fortschritte schnell seien und auf einer engen Zusammenarbeit zwischen Roboter-Hardware und maschinellem Lernen basieren.
Hintergrund: Die Vision von OpenAI
OpenAI verfolgt das langfristige Ziel, Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI) zu erreichen. Die physische Verkörperung dieser Intelligenz in Robotern wird als entscheidender Schritt auf diesem Weg gesehen. Die neue Abteilung soll dazu beitragen, dieses Ziel zu verwirklichen.
Kurzfristig konzentriert sich OpenAI auf die Entwicklung von Robotern, die Fachkräfte beim Bau zukünftiger Infrastruktur unterstützen können. Die langfristige Vision sieht vor, dass „jeder“ Zugang zu einem persönlichen Roboter für allgemeine Aufgaben hat.
Stellenangebote enthüllen technische Details
Während Altmans Ankündigung die Ziele breit formulierte, geben die aktuellen Stellenangebote von OpenAI detaillierte Einblicke in die technische Ausrichtung des Unternehmens. OpenAI sucht derzeit 11 spezialisierte Mitarbeiter in San Francisco, hauptsächlich in den Bereichen Hardware-Engineering, fortgeschrittene Simulation und Datenbetrieb.
Aktuelle Stellenausschreibungen
- Aktuator-Design-Ingenieur: Entwicklung maßgeschneiderter elektromechanischer Aktuatoren.
- Simulationsrealismus-Ingenieur: Minimierung des "Sim-to-Real"-Abstands in Physik-Solvern und Sensoren.
- Operations Manager, Datenerfassung: Aufbau und Betrieb einer großen Belegschaft zur Sammlung realer Interaktionsdaten.
- Weitere Rollen umfassen Techniker für 3D-Druck, DAQ-Stationsingenieure und Elektroingenieure.
Die Ausschreibungen zeigen, dass OpenAI nicht einfach Standardkomponenten zusammenfügen will. Stattdessen steigt das Unternehmen in die komplexe Welt der kundenspezifischen Mechanik ein. Ein Aktuator-Design-Ingenieur wird beispielsweise die Entwicklung von maßgeschneiderten elektromechanischen Aktuatoren leiten. Dies reicht von der frühen Architektur bis zur Prototypenvalidierung. Der Ingenieur muss dabei Aspekte wie Drehmomentdichte, Effizienz und Bandbreite berücksichtigen – grundlegende Anforderungen für agile, leistungsstarke humanoide oder gegliederte Strukturen.
Brücke zwischen Simulation und Realität
Eine weitere Schlüsselposition ist der Simulationsrealismus-Ingenieur. Diese Rolle konzentriert sich darauf, die Lücke zwischen Software und Realität zu minimieren. Das betrifft Physik-Solver, Sensoren und Rendering-Engines wie MuJoCo oder Isaac Sim. Ein starker Hintergrund in der Dynamik von starren und weichen Körpern sowie der Kontaktmechanik ist hier erforderlich. Dies soll sicherstellen, dass in virtuellen Umgebungen trainierte Modelle nahtlos auf physische Hardware übertragen werden können.
Die Rolle des Operations Managers für Datenerfassung unterstreicht den enormen Umfang der geplanten Datensammlung. Diese Person wird eine „große, verwaltete Belegschaft“ und Flotteninfrastruktur an mehreren Standorten leiten, um Daten über reale physische Interaktionen zu sammeln. Dies ist entscheidend für das Training von KI-Modellen, die in der physischen Welt agieren sollen.
Die Trennung von Figure als Wendepunkt
Die Entscheidung von OpenAI, eine eigene Hardware-Abteilung aufzubauen, wirft ein neues Licht auf die Trennung von hochkarätigen Partnerschaften Anfang dieses Jahres. Im März 2026 hatte Brett Adcock, CEO von Figure, öffentlich die Auflösung der Zusammenarbeit mit OpenAI bekannt gegeben. Er behauptete damals, die internen KI-Teams von Figure hätten OpenAI „in den Schatten gestellt“.
„OpenAI hatte Schwierigkeiten, die notwendige tägliche, wöchentliche Präsenz an physischer Hardware aufrechtzuerhalten und bevorzugte stattdessen die Simulation“, sagte Brett Adcock, CEO von Figure.
Adcock enthüllte damals, dass die Beziehung vollständig zerbrach, als Altman ihn anrief, um mitzuteilen, dass OpenAI ein eigenes internes Robotikprojekt in Betracht zog. Diese Offenbarung veranlasste Adcock, die Partnerschaft zu beenden. Mit den aktuellen Einstellungen für kundenspezifisches Aktuator-Design und physisches Prototyping wird deutlich, dass OpenAI die Lehren aus diesen Erfahrungen gezogen hat. Das Unternehmen bewegt sich weg von reiner Simulation hin zu einem eng integrierten, internen Hardware-Software-Kreislauf.
Unsicherheiten und zukünftige Herausforderungen
OpenAIs Einstieg in die Fertigung wirft erhebliche operative Fragen auf. Der Aufbau und die Skalierung physischer Hardware-Linien sind bekanntermaßen kapitalintensiv und mit Engpässen in der Lieferkette behaftet. Dies sind Herausforderungen, die sich grundlegend von der Skalierung von Rechenzentren und Trainings-Cluster-Computing unterscheiden.
Die Stellenbeschreibungen erwähnen die Erforschung „einer breiten Palette von Roboter-Formfaktoren“. Es bleibt unklar, ob OpenAI einen klassischen zweibeinigen Humanoiden, einen mobilen Manipulator auf Rädern oder eine völlig andere industrielle Architektur vorstellen will. Sicher ist jedoch, dass OpenAI die physische Entwicklung von Grund auf selbst in die Hand nehmen will. Dies könnte den Weg für eine neue Ära der Robotik ebnen, in der Software- und Hardware-Entwicklung Hand in Hand gehen.





