Walt Disney Imagineering (WDI) hat einen neuen Roboter vorgestellt, der auf der Figur Olaf aus dem Film 'Die Eiskönigin' basiert. Dieser Roboter ist ein selbstbalancierender Zweibeiner, der sich frei bewegen, gestikulieren und mit Gästen interagieren kann. Er soll Anfang 2026 in Disneyland Paris und Hong Kong Disneyland zum Einsatz kommen. Dieses Projekt markiert einen bedeutenden Fortschritt in der Unterhaltungsrobotik und unterstreicht die wachsende Bedeutung emotionaler Verbindung in der Robotik.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Olaf-Roboter ist ein freilaufender, selbstbalancierender Zweibeiner.
- Er wurde mit einem neuen Simulations-Framework namens 'Newton' trainiert.
- Der Roboter verfügt über 'Räumliche KI' für autonome Interaktionen.
- Sein Design setzt auf weiche, verformbare Materialien, um Animationen zu imitieren.
- Olaf wird 2026 in Disneyland Paris und Hong Kong Disneyland eingeführt.
Ein Roboter, der die Physik neu lernt
Die Entwicklung des Olaf-Roboters stellte eine große technische Herausforderung dar. Die Figur Olaf ist für ihre 'Squash and Stretch'-Animation bekannt, insbesondere für ihre gleitenden 'Schneeballfüße'. Diese Bewegungsprinzipien in eine physische Maschine zu übertragen, die der Schwerkraft gehorchen muss, war komplex.
WDI arbeitete eng mit Disney Research in Zürich zusammen. Sie entwickelten ein offenes Simulations-Framework namens Newton, in Partnerschaft mit NVIDIA und Google DeepMind. Innerhalb dieses Frameworks nutzt Disney einen proprietären Simulator namens Kamino, um seine Roboter zu trainieren.
Faktencheck
Das System ermöglicht es dem Team, Reinforcement Learning (RL) in großem Maßstab durchzuführen. Es simuliert bis zu 10.000 Stunden Training in nur wenigen Tagen. So lernt der Roboter das Balancieren und stilistische Bewegungen, wie den 'Moonwalk' oder Olafs einzigartigen Watschelgang.
Im Gegensatz zu früheren Robotern mit starren Gehäusen, wie den BDX Droiden, besitzt Olaf ein 'Schneekostüm'. Dieses Design ist darauf ausgelegt, sich bei Bewegung zu verformen und zu stauchen. Dies ahmt die Flexibilität von Animationen nach und fügt eine weitere Schicht materieller Komplexität hinzu.
Autonomie und 'Räumliche KI'
Obwohl die übergeordnete Leistung des Charakters wahrscheinlich von einem Bediener gesteuert wird, um die narrative Konsistenz zu gewährleisten, besitzt der Roboter ein hohes Maß an Autonomie. Diese war in Disney-Parks bisher ungesehen. Das zugrunde liegende System, das auch von den BDX Droiden genutzt wird, verwendet 'Räumliche KI'.
Stereoskopische Kameras ermöglichen es den Robotern, ihre Umgebung zu verstehen. Sie können Gäste identifizieren und Gesten erkennen, wie zum Beispiel ein Winken oder ein Anlehnen. Dies löst entsprechende, Echtzeit-physikalische Reaktionen aus.
"Diese Technologie geht über die einfache Fernsteuerung hinaus und bewegt sich in den Bereich der überwachten Autonomie", erklärt ein Sprecher von Disney Imagineering. "Der Roboter übernimmt die unmittelbare physische Interaktion und das Gleichgewicht, während ein Mensch möglicherweise die breitere 'Szene' leitet."
Hintergrundinformationen
Die 'Uncanny Valley'-Problematik, also das Unbehagen bei fast menschlichen Robotern, wurde von Disney bewusst umgangen. Stattdessen konzentriert man sich auf die unmögliche Physik der Animation, um eine emotionale Verbindung herzustellen. Dies ist ein entscheidender Unterschied zu Robotern, die für industrielle Zwecke entwickelt werden.
Der Trend zu 'liebenswerten' Robotern
Disneys Investition in 'emotionale' Hardware zeigt einen neuen Weg im Humanoiden-Sektor. Während Firmen wie Tesla und Figure Roboter für industrielle Arbeit mit anatomisch korrekten Maschinen entwickeln, konzentriert sich ein anderer Teil der Industrie auf Zugänglichkeit und Persönlichkeit.
Diese Philosophie hat ihre Wurzeln in Disneys eigenen Forschungs- und Entwicklungslaboren. Sie beeinflusst nun auch externe Start-ups. Ein Beispiel ist Cartwheel Robotics, gegründet vom ehemaligen Disney Imagineer Scott LaValley, das kürzlich seinen freundlichen 'Yogi'-Prototyp vorstellte.
Neue Ansätze im Robotik-Design
- Sunday enthüllte 'Memo', einen Heimroboter auf Rädern, der weiche Materialien und häuslichen Nutzen über menschenähnliche Beine stellt.
- Tangible Robotics präsentierte 'Eggie', einen minimalistischen Humanoiden auf Rädern mit einem 'freundlichen' Kopf, um weniger einschüchternd zu wirken.
Auch in Europa zeichnet sich dieser Trend ab. In Paris sucht das neue Start-up UMA Ingenieure, die 'stilisierte humanoide Gänge' entwerfen sollen. Diese sollen 'natürlich, ausdrucksstark und anpassungsfähig' sein, anstatt nur auf rein utilitaristische Stabilität zu setzen.
Die Parallelen zwischen Disneys neuem Olaf, Cartwheels 'Yogi' und diesen neuen Entwicklungen deuten auf einen wachsenden Trend hin. Expressive Bewegung und ansprechendes Design werden zu Kernmerkmalen. Disney und Cartwheel setzen auf kleinere, nicht bedrohliche physische Designs. Unternehmen wie Sunday und Tangible zeigen, dass selbst funktionale Heimroboter weicher werden, um besser in unser Leben zu passen.
Warum das wichtig ist
Die Einführung des Olaf-Roboters ist mehr als nur eine Neuheit für Freizeitparks. Sie dient als Belastungstest für das Interaktionsdesign. Wenn ein Roboter die chaotische Umgebung eines Disney-Parks meistern kann, während er seinen Charakter und sein Gleichgewicht bewahrt, löst er viele dynamische Bewegungsprobleme, die die Heimrobotik plagen.
Während Cartwheel Robotics diese 'alltägliche Magie' ins Wohnzimmer bringen möchte, beweist Disney, dass die Technologie, um Roboter 'lebendig' und nicht nur 'funktional' wirken zu lassen, schnell reift. Olaf wird voraussichtlich 2026 in der 'World of Frozen' in Hong Kong und im kommenden 'Disney Adventure World' in Paris zu sehen sein.





