Die Jodversorgung in Deutschland ist ein Dauerthema. Obwohl sich die Situation in den letzten Jahrzehnten durch den Einsatz von Jodsalz verbessert hat, zeigen aktuelle Studien, dass ein Teil der Bevölkerung weiterhin nicht optimal versorgt ist. Besonders bestimmte Gruppen benötigen eine gezielte Zufuhr, während für andere eine Überdosierung Risiken birgt.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Jodversorgung in Deutschland ist weiterhin nicht optimal und zeigt teils eine rückläufige Tendenz.
- Jodsalz ist die wichtigste Quelle für eine ausreichende Versorgung im Alltag.
- Schwangere, Stillende und Personen, die auf tierische Produkte verzichten, haben einen erhöhten Bedarf.
- Nahrungsergänzungsmittel sollten nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.
- Eine Überdosierung von Jod kann gesundheitliche Risiken wie Schilddrüsenüberfunktion mit sich bringen.
Warum Jod so wichtig ist
Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Produktion von Schilddrüsenhormonen. Diese Hormone sind maßgeblich für zahlreiche Körperfunktionen verantwortlich, darunter der Energiestoffwechsel, der Herzrhythmus und der Blutdruck. Sie beeinflussen zudem die Knochenbildung, das normale Wachstum und die Gehirnentwicklung.
Faktencheck Jod
- Schilddrüsenfunktion: Jod ist unverzichtbar für die Bildung von Schilddrüsenhormonen.
- Stoffwechsel: Die Hormone regulieren den Energiestoffwechsel.
- Entwicklung: Sie sind entscheidend für Wachstum und Gehirnentwicklung, besonders bei Kindern.
Ein Mangel an Jod kann schwerwiegende Folgen haben. Bei Erwachsenen können Symptome wie eine geringe Kältetoleranz, trockene Haut, Haarausfall, Gewichtszunahme, depressive Verstimmungen sowie Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten. Ein starker Mangel kann zur Vergrößerung der Schilddrüse führen, bekannt als Kropf.
Besonders kritisch ist eine unzureichende Jodversorgung während der Schwangerschaft, Stillzeit und im Säuglingsalter. Hier kann ein Mangel zu lebenslangen Entwicklungs- und Funktionsstörungen führen. Die empfohlene Tagesdosis für Jugendliche und Erwachsene liegt in Deutschland bei 150 Mikrogramm. Schwangere benötigen 220 Mikrogramm, Stillende sogar 230 Mikrogramm pro Tag.
Die aktuelle Jodversorgung in Deutschland
Seit den 1980er Jahren hat sich die Jodversorgung in Deutschland durch den breiten Einsatz von Jodsalz in Haushalten, der Lebensmittelindustrie und Gastronomie deutlich verbessert. Auch die Fütterung von Nutztieren mit jodiertem Futter trägt dazu bei, dass Milch und Milchprodukte einen höheren Jodgehalt aufweisen.
Historischer Hintergrund
Bis in die 1980er Jahre war Jodmangel in Deutschland weit verbreitet. Die Einführung von Jodsalz war eine wichtige Maßnahme zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit. Doch die Erfolge sind nicht von Dauer.
Trotz dieser Maßnahmen ist die Jodversorgung der Bevölkerung weiterhin nicht optimal und zeigt sogar eine rückläufige Tendenz. Studien belegen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene im unteren optimalen Bereich liegen. Die Jodversorgung wird anhand der Jodausscheidung im Urin beurteilt: Eine optimale Ausscheidung liegt bei 100 bis 199 Mikrogramm pro Liter.
Aktuelle Daten zeigen, dass die Jodversorgung bei 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder unter dem geschätzten mittleren Jodbedarf liegt. Dies wird als milder Mangel bezeichnet. Ein Grund dafür könnte der rückläufige Einsatz von Jodsalz in industriell gefertigten Lebensmitteln wie Fertiggerichten, Soßen und Würzmischungen sowie in der Außer-Haus-Verpflegung sein.
Jod in Lebensmitteln: Wo finden wir es?
Der Jodgehalt in pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln variiert je nach regionalem Jodgehalt des Bodens. Bergregionen weisen oft einen geringeren Jodgehalt auf. Seefische und andere Meerestiere wie Muscheln und Algen sind von Natur aus jodreich, da die Meere reich an Jod sind. Es wird empfohlen, ein- bis zweimal pro Woche Seefisch zu essen.
Entgegen der weit verbreiteten Annahme enthält Meersalz nicht mehr Jod als herkömmliches, nicht angereichertes Speisesalz. Die wichtigste Jodquelle neben jodiertem Speisesalz sind heute tierische Produkte wie Milch und Eier, da diese in größeren Mengen verzehrt werden. Der erhöhte Jodgehalt resultiert hier aus der Fütterung der Nutztiere mit jodiertem Futter.
Pflanzliche Milchalternativen enthalten dagegen kaum Jod, es sei denn, sie wurden gezielt angereichert. Ein Marktcheck aus dem Jahr 2024 ergab, dass dies nur bei 11 von 160 Pflanzendrinks der Fall war. Jodiertes Speisesalz ist auch für die Lebensmittelherstellung zugelassen und sollte dort verstärkt eingesetzt werden. Es hat keinen negativen Einfluss auf Geschmack oder Qualität der Produkte.
Jodgehalt in Lebensmitteln
- Jodsalz: Wichtigste Quelle im Haushalt und in verarbeiteten Lebensmitteln.
- Seefisch: Reich an natürlichem Jod.
- Milchprodukte & Eier: Erhöhter Jodgehalt durch jodiertes Tierfutter.
- Pflanzliche Alternativen: Oft jodarm, wenn nicht angereichert.
Leider verwenden die Lebensmittelindustrie, Metzger und Bäcker Jodsalz nur bei etwa 30 Prozent der salzhaltigen Produkte. Bei Bio-Lebensmitteln und in der ökologischen Landwirtschaft wird Jodsalz noch seltener eingesetzt. Um eine ausreichende Versorgung sicherzustellen, müssten mindestens 40 Prozent aller Lebensmittel mit Jodsalz hergestellt werden.
Verbraucher sollten die Zutatenliste genau prüfen und bei loser Ware gezielt nachfragen, ob Jodsalz verwendet wurde. Die Menge an Kalium- oder Natriumjodat in Jodsalz ist gesetzlich auf 15 bis 25 Milligramm pro Kilogramm Speisesalz begrenzt. Salzspezialitäten wie Himalaya- oder Meersalz tragen kaum zur Jodversorgung bei und sollten nur sparsam verwendet werden.
Wann sind Jod-Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?
Für die meisten Menschen ist eine ausreichende Jodversorgung durch eine bewusste Ernährung mit jodhaltigen Lebensmitteln und Jodsalz möglich. Bestimmte Personengruppen haben jedoch einen erhöhten Bedarf oder ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung:
- Schwangere und Stillende: Sie haben einen deutlich erhöhten Jod-Bedarf (220 bzw. 230 Mikrogramm/Tag). Hier ist die zusätzliche Einnahme von 100 bis 150 Mikrogramm Jod pro Tag in Form eines Nahrungsergänzungsmittels oft sinnvoll, jedoch immer nach ärztlicher oder gynäkologischer Rücksprache, um eine Mehrfacheinnahme zu vermeiden.
- Personen, die auf tierische Lebensmittel verzichten: Vegetarier, Veganer oder Menschen mit Allergien gegen Kuhmilch oder Fisch können ein erhöhtes Risiko für Jodmangel haben. Eine ärztliche Beratung zur möglichen Supplementierung ist hier ratsam.
- Personen mit sehr salzarmer Ernährung: Wer bewusst auf Salz verzichtet, könnte ebenfalls zu wenig Jod aufnehmen.
„Jodsalz ist auch bei Hashimoto kein Problem“, betont Prof. Dr. Stephan Petersen, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. „Eine Jodallergie oder ein Kropf durch zu viel Jod tritt nur bei jodhaltigen Medikamenten, Desinfektionsmitteln oder Kontrastmitteln auf, nicht durch Jodsalz.“
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält eine langfristige Aufnahme von maximal 600 Mikrogramm Jod pro Tag für Erwachsene als unproblematisch. Für Deutschland wurde jedoch eine Maximalmenge von 500 Mikrogramm pro Tag festgelegt, da besonders bei älteren Menschen noch funktionelle Autonomien der Schilddrüse auftreten können, die empfindlicher auf eine zu hohe Jodzufuhr reagieren.
Nahrungsergänzungsmittel enthalten in der Regel zwischen 100 und 200 Mikrogramm Jod pro Tagesdosis. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 100 Mikrogramm Jod pro Tag enthalten sollten, für Schwangere und Stillende maximal 150 Mikrogramm.
Vorsicht vor Überdosierung
Eine zu hohe Jodzufuhr kann gesundheitliche Probleme verursachen. In Abhängigkeit von der Dosis und der individuellen Empfindlichkeit können Krankheitsbilder wie Schilddrüsenüberfunktion, Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis entstehen. Besonders Meerestang und -algen können extrem hohe Jodmengen enthalten. Schon 1 bis 10 Gramm getrockneter Algen können die maximale Tagesdosis von 500 Mikrogramm deutlich überschreiten.
Hoch dosierte Jodtabletten, die für den Notfall bei radioaktiver Strahlung vorgesehen sind, sind keinesfalls zur Nahrungsergänzung geeignet. Sie dürfen nur nach ausdrücklicher Aufforderung der Katastrophenschutzbehörden und in der vorgeschriebenen Menge eingenommen werden, da insbesondere für Personen über 45 Jahren Gesundheitsgefahr besteht.
Die Verwendung jodhaltiger Nahrungsergänzungsmittel sollte immer mit einem Arzt abgeklärt werden, um Risiken zu vermeiden und den individuellen Bedarf korrekt zu bestimmen.
Tipps für eine optimale Jodversorgung im Alltag
- Jodsalz nutzen: Verwenden Sie im Haushalt ausschließlich jodiertes Speisesalz. Achten Sie auch beim Einkauf von verarbeiteten Lebensmitteln und Würzmischungen auf die Kennzeichnung „jodiertes Speisesalz“ in der Zutatenliste.
- Milchprodukte täglich: Verzehren Sie täglich Milch und Milchprodukte.
- Seefisch auf den Tisch: Essen Sie ein- bis zweimal pro Woche Meeresfisch (aus nachhaltiger Produktion).
- Algen in Maßen: Algenhaltige Speisen wie Sushi sollten nur in moderaten Mengen genossen werden, um eine Überdosierung zu vermeiden.
- Nachfragen: Erkundigen Sie sich in Kantinen, Schulmensen und anderen Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen nach dem Einsatz von Jodsalz.
- Ärztliche Beratung: Nehmen Sie jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein.





