Die europäischen Automobilriesen Volkswagen und Stellantis fordern eine umfassende Neuausrichtung der Industriepolitik in Europa. Die Konzernchefs Oliver Blume (Volkswagen) und Antonio Filosa (Stellantis) schlagen eine „Made in Europe“-Strategie vor. Diese soll den fairen Wettbewerb in der EU sichern und Investitionen in die heimische Produktion von Elektroautos fördern.
Wichtige Punkte
- Volkswagen und Stellantis fordern eine „Made in Europe“-Strategie für Elektroautos.
- Ziel ist die Förderung europäischer Produktion und Investitionen.
- Es werden finanzielle Anreize und eine Lockerung der EU-Klimaregeln verlangt.
- Fahrzeuge mit „Made in Europe“-Label sollen von Förderungen profitieren.
- Die Strategie soll die Resilienz Europas in strategischen Komponenten stärken, ohne Protektionismus zu fördern.
Forderungen nach „Made in Europe“-Strategie
Die Chefs der beiden größten europäischen Autokonzerne haben ihre Forderungen in einem gemeinsamen Beitrag für das Handelsblatt und weitere europäische Zeitungen dargelegt. Sie betonen die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie langfristig zu gewährleisten.
Oliver Blume und Antonio Filosa schlagen vor, dass Elektroautos, die in Europa gefertigt werden, von gezielten finanziellen Anreizen und Erleichterungen profitieren sollten. Dies beinhaltet auch eine Anpassung der bestehenden EU-Klimaregeln, um die heimische Produktion zu begünstigen.
Faktencheck
- Die Automobilbranche erwirtschaftet rund acht Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts.
- Sie bietet etwa 13 Millionen Menschen Arbeit in der EU.
Verbindliche Kriterien für Elektroautos
Die vorgeschlagenen „Made in Europe“-Anforderungen sollen für Fahrzeuge gelten, die in der EU zugelassen werden. Diese Kriterien sollen umfassend sein und die gesamte Wertschöpfungskette eines Elektroautos abdecken. Dazu gehören die Produktion des Fahrzeugs selbst, der Antrieb, die Batteriezellen und wichtige elektronische Schlüsselkomponenten.
Fahrzeuge, die diese Kriterien erfüllen, könnten ein spezielles Label erhalten. Dieses Label würde es den Herstellern ermöglichen, von staatlichen Kaufprämien oder bevorzugten öffentlichen Aufträgen zu profitieren. Ein weiterer Vorschlag ist ein CO₂-Bonus für jedes Elektroauto, das die „Made in Europe“-Anforderungen erfüllt. Dies würde Herstellern helfen, Milliarden an Strafzahlungen zu vermeiden und stattdessen in den Binnenmarkt zu investieren.
„Wenn ein Hersteller die ‚Made in Europe‘-Anforderungen für einen großen Teil seiner Flotte erfüllt, sollte ein solcher CO₂-Bonus sogar für alle seine Elektrofahrzeuge anerkannt werden.“
Lockerung der EU-Klimaregeln und Förderung
Die Konzernchefs fordern, dass Fahrzeuge für den EU-Markt stärker an europäische Produktionsstandards gebunden werden. Jeder Hersteller, der in Europa verkauft, sollte unter vergleichbaren Bedingungen produzieren müssen. Staatliche Fördergelder sollen gezielt europäische Wertschöpfung unterstützen.
Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Produktion in der EU zu halten und dringend benötigte Investitionen im Binnenmarkt zu sichern. Die aktuelle geopolitische Lage erfordert eine stärkere Resilienz in strategischen Komponenten, so die Manager.
Hintergrund der Initiative
Die Initiative kommt zu einer Zeit, in der der globale Wettbewerb im Automobilsektor, insbesondere bei Elektrofahrzeugen, zunimmt. Länder wie China und die USA investieren massiv in ihre heimischen Industrien. Europa sieht sich hier einem wachsenden Druck ausgesetzt, seine Position als Industriemacht zu behaupten.
Kein Protektionismus, sondern Resilienz
Blume und Filosa betonen, dass ihre Strategie nicht auf Protektionismus abzielt. Sie wollen keine „protektionistischen Zäune“ um jede Werkbank ziehen. Stattdessen geht es darum, die Resilienz in ausgewählten strategischen Komponenten aufzubauen und zu stärken. Dies ist besonders wichtig in einer Ära, in der Handel, Technologie und Industrie zunehmend zur Durchsetzung nationaler Machtinteressen genutzt werden.
Europa muss entscheiden, ob es nur ein Markt für andere bleiben oder auch zukünftig Produzent und Industriemacht sein will. Die Bedeutung des Sektors für Wohlstand und Stabilität in der EU ist immens. Die Grüne-Chefin Franziska Brantner unterstützt die Initiative. Sie sieht darin ein klares Zeichen, dass europäische Automobilhersteller die Notwendigkeit eines konsequent europäischen Denkens erkannt haben. Sie fordert die Bundesregierung auf, diesen Weg mitzugehen und eine echte europäische Industriepolitik zu entwickeln.
Zukünftige Schritte
Die Forderungen von Volkswagen und Stellantis könnten die Debatte über die europäische Industriepolitik maßgeblich beeinflussen. Es bleibt abzuwarten, wie die EU-Kommission und die einzelnen Mitgliedstaaten auf diese weitreichenden Vorschläge reagieren werden. Eine gezielte Förderung der Batteriezellenproduktion und Kaufanreize für europäische Elektrofahrzeuge stehen dabei im Fokus.
Die Stärkung der europäischen Wertschöpfungsketten ist entscheidend, um Arbeitsplätze zu sichern und die technologische Souveränität Europas zu gewährleisten. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Zukunft der Automobilindustrie auf dem Kontinent zu sichern.





