Die deutsche Automobilbranche blickt optimistisch auf die Entwicklung des Marktes für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) bis zum Jahr 2026. Prognosen von Industrieverbänden deuten auf einen deutlichen Anstieg der Neuzulassungen hin, während Plug-in-Hybride (PHEV) voraussichtlich einen leichten Rückgang verzeichnen werden. Diese Erwartungen sind eng mit der geplanten Wiedereinführung staatlicher Förderungen für private E-Auto-Käufe verknüpft.
Wichtige Erkenntnisse
- Der VDA prognostiziert rund 693.000 neue BEV-Zulassungen bis 2026, ein Plus von 30 Prozent.
- Der ZDK und VDIK erwarten sogar bis zu 740.000 BEV-Neuzulassungen.
- Die Wiedereinführung einer E-Auto-Förderung für Privathaushalte ist entscheidend für diese Prognosen.
- Gesamtzulassungen bleiben aber unter dem Niveau vor der COVID-19-Pandemie.
- Ohne Förderung könnten die Kraftstoffpreise deutlich steigen.
Erwarteter Anstieg bei Elektroautos
Die deutschen Automobilverbände, darunter der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), rechnen mit einer deutlichen Zunahme der Neuzulassungen von Elektroautos. Für das Jahr 2026 erwartet der VDA etwa 693.000 neue BEV in Deutschland. Dies entspricht einem Anstieg von rund 30 Prozent im Vergleich zu den voraussichtlichen Zahlen für 2025.
Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) ist sogar noch optimistischer. Sie halten es für möglich, dass im Jahr 2026 rund 740.000 BEV neu zugelassen werden. Das würde bedeuten, dass fast ein Viertel aller Neuzulassungen auf reine Elektrofahrzeuge entfallen.
Fakten auf einen Blick
- VDA-Prognose 2026: 693.000 BEV-Neuzulassungen (+30% gegenüber 2025)
- VDIK-Prognose 2026: Bis zu 740.000 BEV-Neuzulassungen
- ZDK-Prognose 2026: 740.000 BEV-Neuzulassungen
Rückgang bei Plug-in-Hybriden erwartet
Im Gegensatz zu den reinen Elektroautos könnten die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden (PHEV) im Jahr 2026 leicht sinken. Der VDA prognostiziert einen Rückgang um etwa fünf Prozent auf 286.000 Fahrzeuge. Trotz dieses leichten Rückgangs gehen die Verbände davon aus, dass die Gesamtzahl der Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Stromspeicher – also BEV und PHEV zusammen – im Jahr 2026 knapp eine Million erreichen wird. Der ZDK ist hier mit 1,1 Millionen Neuverkäufen noch etwas zuversichtlicher.
Entscheidende Rolle der E-Auto-Förderung
Die positiven Prognosen der Automobilbranche basieren maßgeblich auf der Annahme, dass die Bundesregierung die angekündigte Förderung für private E-Autos wieder einführen wird. Diese politische Entscheidung wird als Schlüsselfaktor für die Belebung des Marktes betrachtet.
„2026 kann das Jahr sein, in dem die Elektromobilität im Markt wirklich ankommen kann, wenn die Weichen richtig gestellt werden“, so der ZDK.
Die Koalition hat sich auf eine Förderung geeinigt, die insbesondere Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 80.000 Euro unterstützen soll. Für jedes Kind im Haushalt ist eine zusätzliche Förderung von 5.000 Euro vorgesehen. Die Basisförderung soll 3.000 Euro betragen und für die ersten beiden Kinder um jeweils 500 Euro steigen. Der genaue Starttermin dieser Förderung steht allerdings noch nicht fest.
Hintergrund der Förderung
Die Diskussion um die E-Auto-Förderung war in den letzten Monaten intensiv. Nach dem abrupten Ende der Umweltprämie Ende 2023 gab es erhebliche Unsicherheit im Markt. Die jetzt geplante Wiedereinführung soll wieder Vertrauen schaffen und den Absatz von Elektrofahrzeugen ankurbeln, um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen.
Gesamtmarkt und Herausforderungen
Für den gesamten Pkw-Markt aller Antriebsarten rechnet der VDA im kommenden Jahr mit rund 2,9 Millionen Neuzulassungen, was einem leichten Anstieg von etwa zwei Prozent gegenüber dem laufenden Jahr entspricht. Der ZDK sieht einen Anstieg um 3,5 bis vier Prozent auf rund 2,95 Millionen Neuzulassungen voraus.
Trotz dieser erwarteten Zuwächse bleiben die Zahlen jedoch deutlich unter dem Niveau des Rekordjahres 2019, als vor der COVID-19-Pandemie fast 20 Prozent mehr Neuwagen zugelassen wurden als für 2026 prognostiziert. Die Branche muss also weiterhin Anstrengungen unternehmen, um an frühere Erfolge anzuknüpfen.
Gründe für den Optimismus
Der ZDK nennt mehrere Gründe für seine optimistischen Erwartungen bezüglich der Elektromobilität:
- Breitere Modellpaletten: Es gibt immer mehr E-Modelle im Klein- und Kompaktwagensegment.
- Höhere Reichweiten: Moderne Elektroautos bieten größere Reichweiten, was die Akzeptanz erhöht.
- Sinkende Preisunterschiede: Die Preisdifferenz zwischen Verbrennern und E-Fahrzeugen verringert sich allmählich.
- Ausbau der Ladeinfrastruktur: Die fortschreitende Entwicklung des Ladenetzes macht E-Autos alltagstauglicher.
Potenzielle Folgen ohne Förderung
Die Verbände warnen eindringlich vor den Konsequenzen, sollte die politische Unterstützung für Elektroautos ausbleiben. Ohne eine substanzielle Steigerung der Elektroautoverkäufe könnte der CO₂-Preis auf bis zu 300 Euro je Tonne steigen. Dies hätte zur Folge, dass die Kraftstoffpreise in wenigen Jahren um 70 bis 80 Cent höher lägen.
Eine solche Entwicklung würde Mobilität zu einer sozialen Frage machen. Menschen ohne Zugang zu Neuwagen, die sich die höheren Kraftstoffpreise nicht leisten können, wären von bezahlbarer Automobilität ausgeschlossen. Die Politik steht daher unter Druck, die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen, um diesen Szenarien entgegenzuwirken und die Elektromobilität nachhaltig zu fördern.
Dramatische Prognose
Ohne Förderung könnte der CO₂-Preis auf 300 €/Tonne steigen, was eine Erhöhung der Kraftstoffpreise um 70-80 Cent pro Liter bedeuten würde.
Die Automobilbranche hofft, dass die angekündigte Förderung ab Anfang des Jahres greift, um das volle Potenzial der Elektromobilität im deutschen Markt entfalten zu können. Nur so lassen sich die gesteckten Ziele erreichen und die Mobilität für alle Bevölkerungsschichten bezahlbar halten.





