Die deutsche Wirtschaft sieht sich im Handel mit China einem wachsenden Druck ausgesetzt. Exporte sinken, während Importe aus China zunehmen. Besonders die Automobilindustrie leidet unter dieser Entwicklung, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) als „China-Schock“ bezeichnet.
Wichtige Erkenntnisse
- Deutsche Exporte nach China sanken 2023 um 9,7 Prozent.
- Importe aus China stiegen 2023 um 8,8 Prozent.
- Die Autoindustrie ist für über 75 Prozent des gesamten Exportrückgangs verantwortlich.
- Deutschland verzeichnet ein Rekord-Handelsbilanzdefizit von fast 90 Milliarden Euro mit China.
- Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen und eine unterbewertete Währung tragen zur Situation bei.
Handelsbilanz mit China: Ein Rekorddefizit
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen eine klare Verschiebung im Handel zwischen Deutschland und China. Im vergangenen Jahr lieferte Deutschland Waren im Wert von 81,3 Milliarden Euro nach China. Dies stellt einen Rückgang von 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar. Gleichzeitig importierte Deutschland Waren im Wert von 170,6 Milliarden Euro aus China, ein Anstieg von 8,8 Prozent.
Diese Entwicklung führt zu einem Rekord-Handelsbilanzdefizit von fast 90 Milliarden Euro. Jürgen Matthes vom IW hebt diese „problematische Divergenz zwischen Exporteinbruch und Importzuwachs“ hervor.
Faktencheck Handel 2023
- Deutsche Exporte nach China: 81,3 Milliarden Euro (-9,7% ggü. Vorjahr)
- Deutsche Importe aus China: 170,6 Milliarden Euro (+8,8% ggü. Vorjahr)
- Handelsbilanzdefizit: Ca. 90 Milliarden Euro
Der „China-Schock“ trifft die Autoindustrie hart
Die Automobilindustrie ist die am stärksten betroffene Branche. Sie ist für über drei Viertel des gesamten deutschen Exportrückgangs im Geschäft mit China verantwortlich. Die Ausfuhren von Autos und Autoteilen nach China fielen von fast 30 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf nur noch 13,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Dies entspricht einem Rückgang von über 54 Prozent.
Dieser massive Einbruch zeigt, wie stark die deutsche Schlüsselindustrie von den Veränderungen im chinesischen Markt betroffen ist. Die einstige Lokomotive des deutschen Exports nach China gerät ins Stocken.
„Exportseitig geht an China hängende Wertschöpfung verloren. Und importseitig steigt der Konkurrenzdruck durch chinesische Produkte, was nicht nur die Exportfirmen trifft, sondern die Industrie in der Breite.“
Wettbewerbsverzerrungen und ihre Folgen
Das IW sieht die Ursachen für diese Entwicklung auch in massiven Wettbewerbsverzerrungen. Jürgen Matthes kritisiert, dass chinesische Waren „relativ zu deutschen viel zu billig“ seien. Dies liege unter anderem an umfangreichen Subventionen und einer unterbewerteten Währung. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat diese Praktiken bereits kritisiert.
Chinas Export-Hits im vergangenen Jahr waren Elektronik, Optik und Maschinen. Diese Produkte üben zunehmend Druck auf deutsche Hersteller aus, nicht nur im Export, sondern auch auf dem heimischen Markt.
Hintergrund: Chinas Wirtschaftspolitik
China verfolgt eine Strategie, die heimische Industrien durch staatliche Subventionen und andere Maßnahmen stärkt. Ziel ist es, die Abhängigkeit von ausländischen Technologien zu reduzieren und gleichzeitig die eigene Exportkraft zu erhöhen. Dies führt international immer wieder zu Diskussionen über fairen Wettbewerb.
Maschinenbau und weitere Branchen unter Druck
Auch der Maschinenbau, der als wichtigste Exportbranche nach China gilt, spürt den Druck. Deutschland weist hier zwar noch einen Exportüberschuss von rund 2,8 Milliarden Euro auf. Dieser positive Saldo ist jedoch in den letzten Jahren stark geschrumpft. Im Jahr 2018 lag er noch bei einem Rekordniveau von 10,5 Milliarden Euro.
Seitdem sind die Einfuhren aus China deutlich gestiegen, während die Maschinen-Ausfuhren zurückgingen. Neben der Automobilindustrie und dem Maschinenbau gab es auch überdurchschnittliche Exportrückgänge bei Metallerzeugnissen, Gummi- und Kunststoffwaren sowie Pharmaprodukten aus deutscher Herstellung.
Branchen im Überblick: Exportrückgänge nach China 2023
- Automobilindustrie: Rückgang um über 54% (von 30 Mrd. € auf 13,6 Mrd. €)
- Maschinenbau: Positiver Saldo von 2,8 Mrd. € (stark geschrumpft gegenüber 10,5 Mrd. € in 2018)
- Metallerzeugnisse: Überdurchschnittlicher Rückgang
- Gummi- und Kunststoffwaren: Überdurchschnittlicher Rückgang
- Pharmaprodukte: Überdurchschnittlicher Rückgang
Ausblick für die deutsche Industrie
Die deutsche Industrie steht vor der Herausforderung, sich an die veränderten Bedingungen im China-Geschäft anzupassen. Die sinkende Wertschöpfung im Export und der steigende Konkurrenzdruck durch chinesische Produkte erfordern neue Strategien. Dies betrifft nicht nur die Exportfirmen, sondern die gesamte Breite der deutschen Industrie.
Experten fordern, dass die Politik Maßnahmen ergreift, um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und die deutsche Wirtschaft vor unlauteren Praktiken zu schützen. Die Diskussion um eine stärkere Diversifizierung der Lieferketten und eine Reduzierung der Abhängigkeit von einzelnen Märkten gewinnt an Bedeutung.





