Die deutsche Leistungsbilanz hat im Dezember 2025 einen deutlichen Überschuss von 16,1 Milliarden Euro erzielt. Dies markiert eine Steigerung um 1,9 Milliarden Euro gegenüber dem Vormonat. Obwohl der Warenhandel einen leichten Rückgang verzeichnete, trugen die sogenannten „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen maßgeblich zu diesem Anstieg bei.
Wichtige Erkenntnisse
- Leistungsbilanzüberschuss erreicht 16,1 Mrd. Euro im Dezember 2025.
- Warenhandelssaldo sank, aber unsichtbare Transaktionen stiegen stark.
- Netto-Kapitalexporte beliefen sich auf 22,9 Mrd. Euro.
- Jahresüberschuss 2025 sank auf 197,4 Mrd. Euro gegenüber 2024.
Struktur des Leistungsbilanzüberschusses
Der Anstieg des Leistungsbilanzüberschusses im Dezember 2025 resultierte hauptsächlich aus einer Expansion der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen. Diese umfassen Dienstleistungen sowie Primär- und Sekundäreinkommen. Ihr Überschuss erhöhte sich um 4,5 Milliarden Euro auf insgesamt 7,5 Milliarden Euro.
Im Gegensatz dazu verzeichnete der Warenhandel einen Rückgang. Der positive Saldo in diesem Bereich sank um 2,7 Milliarden Euro auf 8,6 Milliarden Euro. Dies lag daran, dass die Einkünfte stärker nachgaben als die entsprechenden Aufwendungen.
Fakten zum Dezember 2025
- Leistungsbilanzüberschuss: 16,1 Mrd. €
- Anstieg zum Vormonat: +1,9 Mrd. €
- Warenhandelssaldo: 8,6 Mrd. € (-2,7 Mrd. € ggü. Vormonat)
- Unsichtbare Leistungstransaktionen: 7,5 Mrd. € (+4,5 Mrd. € ggü. Vormonat)
Primäreinkommen und Dienstleistungen treiben Wachstum
Ein wesentlicher Treiber für den Anstieg der „unsichtbaren“ Leistungstransaktionen waren die Primäreinkommen. Hier weiteten sich die Nettoeinnahmen um 2,6 Milliarden Euro auf 17,5 Milliarden Euro aus. Dies ist primär auf gestiegene Einkünfte Gebietsansässiger aus übrigen Vermögenseinkommen und Wertpapieranlagen zurückzuführen.
Zusätzlich dazu verringerte sich das Defizit bei den Dienstleistungen. Es sank um 2,3 Milliarden Euro auf nur noch 2,1 Milliarden Euro. Obwohl die Einnahmen bei Gebühren für die Nutzung geistigen Eigentums per saldo zurückgingen, gaben die Nettoaufwendungen im Reiseverkehr deutlich stärker nach. Dies kompensierte den Rückgang im Warenhandel erheblich.
„Die Stärke der deutschen Wirtschaft zeigt sich weiterhin in den komplexen Strömen der Leistungsbilanz, insbesondere im Wachstum der Primäreinkommen und der Erholung im Dienstleistungssektor.“
Demgegenüber vergrößerte sich das Defizit bei den Sekundäreinkommen leicht. Es stieg um 0,4 Milliarden Euro auf 7,9 Milliarden Euro. Hier nahmen die Einkünfte zwar zu, die Aufwendungen expandierten jedoch insgesamt etwas stärker.
Netto-Kapitalexporte und ihre Entwicklung
Im Dezember 2025 verzeichnete Deutschland Netto-Kapitalexporte in Höhe von 22,9 Milliarden Euro. Dies stellt einen Rückgang gegenüber den 38,5 Milliarden Euro im November dar.
Direktinvestitionen und Wertpapierverkehr
Bei den Direktinvestitionen ergaben sich im Dezember Netto-Kapitalexporte von 22,4 Milliarden Euro. Dies ist ein signifikanter Anstieg gegenüber den 0,9 Milliarden Euro im November. Ausländische Unternehmen reduzierten ihre Direktinvestitionen in Deutschland um 19,3 Milliarden Euro. Ausschlaggebend waren hier vor allem Tilgungen im konzerninternen Kreditverkehr in Höhe von 24,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig stockten ausländische Mütter ihr Beteiligungskapital in Deutschland um 5,2 Milliarden Euro auf.
Deutsche Unternehmen erhöhten ihre Direktinvestitionen im Ausland um 3,2 Milliarden Euro. Sie weiteten konzernintern vergebene Kredite um 5,5 Milliarden Euro aus, reduzierten jedoch ihr Beteiligungskapital um 2,3 Milliarden Euro.
Hintergrund: Kapitalbilanz
Die Kapitalbilanz erfasst alle grenzüberschreitenden Kapitaltransaktionen eines Landes. Dazu gehören Direktinvestitionen, Wertpapierverkehr, Finanzderivate und der übrige Kapitalverkehr. Sie gibt Aufschluss über die internationalen Vermögensbewegungen und ist ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Verflechtung.
Im grenzüberschreitenden Wertpapierverkehr ergaben sich im Dezember Netto-Kapitalexporte von 5,9 Milliarden Euro. Im Vormonat November waren noch Netto-Kapitalimporte von 27,2 Milliarden Euro zu verzeichnen. Ausländische Investoren trennten sich per saldo von inländischen Wertpapieren in Höhe von 26,9 Milliarden Euro. Sie veräußerten Anleihen (14,3 Mrd. €), Geldmarktpapiere (9,5 Mrd. €), Aktien (3,0 Mrd. €) und Investmentzertifikate (0,1 Mrd. €).
Hiesige Anleger gaben ihrerseits ausländische Aktien (28,9 Mrd. €) und Geldmarktpapiere (8,3 Mrd. €) ab. Gleichzeitig nahmen sie Investmentzertifikate (15,5 Mrd. €) sowie Anleihen (0,8 Mrd. €) in ihre Portfolios auf.
Der übrige Kapitalverkehr und Währungsreserven
Die Transaktionen mit Finanzderivaten führten im Dezember per saldo zu Mittelzuflüssen von 6,6 Milliarden Euro. Im November waren hier noch Mittelabflüsse von 0,9 Milliarden Euro registriert worden.
Der übrige statistisch erfasste Kapitalverkehr, der Finanz- und Handelskredite (soweit nicht Direktinvestitionen), Bankguthaben und sonstige Anlagen umfasst, zeigte im Dezember Netto-Kapitalexporte von 1,2 Milliarden Euro. Im November lagen diese noch bei 63,1 Milliarden Euro.
Wichtige Kapitalflüsse im Dezember
- Netto-Kapitalexporte gesamt: 22,9 Mrd. €
- Direktinvestitionen: Netto-Kapitalexporte von 22,4 Mrd. €
- Wertpapierverkehr: Netto-Kapitalexporte von 5,9 Mrd. €
- Finanzderivate: Mittelzuflüsse von 6,6 Mrd. €
Die Transaktionen über die Konten der Bundesbank führten zu Netto-Kapitalimporten von 29,8 Milliarden Euro. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass die TARGET-Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB sanken und Einlagen ausländischer Geschäftspartner bei der Bundesbank – wie häufig zum Jahresende – stiegen.
Im Gegensatz dazu ergaben sich Netto-Kapitalexporte bei den Monetären Finanzinstituten ohne Bundesbank (55,6 Mrd. €) und dem Staat (2,5 Mrd. €). Unternehmen und Privatpersonen verzeichneten Netto-Kapitalimporte von 27,1 Milliarden Euro.
Die Währungsreserven der Bundesbank stiegen im Dezember – zu Transaktionswerten gerechnet – leicht um 0,1 Milliarden Euro an.
Vorläufiges Jahresergebnis der Zahlungsbilanz 2025
Nach den vorläufigen Angaben zur Zahlungsbilanz verminderte sich der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands im Jahr 2025 auf 197,4 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 251,5 Milliarden Euro. Dies zeigt eine deutliche Abnahme des Überschusses im Jahresvergleich.
In der Kapitalbilanz ergaben sich aus den Teilbilanzen insgesamt Netto-Kapitalexporte von 269,0 Milliarden Euro. Transaktionsbedingt stiegen die Nettoforderungen am stärksten im übrigen Kapitalverkehr mit 159,6 Milliarden Euro. Es folgten der Wertpapierverkehr (53,3 Mrd. €), die Finanzderivate (40,1 Mrd. €) und die Direktinvestitionen (15,1 Mrd. €). Bei den Währungsreserven führten Transaktionen zu Netto-Kapitalexporten von 0,9 Milliarden Euro.
Die endgültigen Jahresergebnisse zur Zahlungsbilanz werden im Monatsbericht März 2026 veröffentlicht und detailliert analysiert.





