In einem Rückschlag für die amerikanische Robotikbranche hat Cartwheel Robotics, ein Entwickler von menschenähnlichen Robotern, seinen Betrieb eingestellt. Dies gab Gründer und CEO Scott LaValley bekannt. Das Unternehmen, bekannt für seinen Roboter Yogi, konnte trotz technischer Fortschritte keine ausreichende Finanzierung sichern.
Wichtige Erkenntnisse
- Cartwheel Robotics schließt nach vier Jahren Entwicklung menschenähnlicher Roboter.
- Das Unternehmen entwickelte den Roboter Yogi mit kinderähnlichen Proportionen.
- Trotz technischer Erfolge scheiterte die Finanzierung.
- Gründer Scott LaValley betonte die Bedeutung von Kapital im Hardware-Bereich.
- Der Fall von Cartwheel Robotics ähnelt anderen Startup-Schließungen in der Branche.
Das Ende einer visionären Reise
Vier Jahre lang verfolgte Cartwheel Robotics die Vision, „liebenswerte“ humanoide Roboter zu entwickeln. Diese Mission unterschied sich deutlich vom industriellen Schwerpunkt vieler anderer Unternehmen in der Robotik. Scott LaValley, der Gründer und CEO, teilte die Nachricht der Schließung über LinkedIn mit.
LaValley veröffentlichte ein Abschiedsvideo, das Speedy zeigt, einen Entwicklungsvorgänger des Yogi-Roboters. Speedy läuft darin auf dem Moore Pier entlang, mit der Golden Gate Bridge im Hintergrund. Dieses Video sollte den Optimismus des Teams symbolisieren und markiert nun den Abschluss einer Reihe von beeindruckenden technischen Demonstrationen.
Faktencheck
- Gründungsjahr: Nicht explizit genannt, aber vier Jahre Entwicklung.
- Eingesammeltes Kapital: Nur 3 Millionen US-Dollar von externen Investoren.
- Teamgröße: Sieben Mitarbeiter.
- Robotername: Yogi, mit dem Entwicklungsvorgänger Speedy.
Technische Innovationen und das Problem der Finanzierung
Noch vor wenigen Monaten präsentierte Cartwheel Robotics beeindruckend flüssige Bewegungen. Diese wurden durch ein proprietäres „Motion Language Model“ (MLM) ermöglicht. Das MLM sollte Text- oder Sprachbefehle in ausdrucksstarke Roboterbewegungen umwandeln. Trotz dieser technologischen Dynamik konnte das Unternehmen den entscheidenden Schritt zur weiteren Finanzierung nicht schaffen.
„Wir haben nicht den richtigen Kapitalpartner gefunden, um die Lücke zwischen unserem Fortschritt und unserem Potenzial zu schließen“, erklärte LaValley in seinem Beitrag.
Das Unternehmen war jahrelang umsatzfinanziert und hatte erst kürzlich begonnen, einen vollständigen Humanoiden zu entwickeln. Mit einem kleinen Team von nur sieben Mitarbeitern und lediglich 3 Millionen US-Dollar externem Kapital bauten sie ein komplettes Robotiklabor und die Yogi-Plattform von Grund auf neu auf.
Yogis einzigartiges Design
Yogi wurde bewusst mit „Kleinkind-Proportionen“ entworfen. Ein großer Kopf und abgerundete Gesichtszüge sollten den Roboter freundlich und zugänglich für den Einsatz im Haushalt und in der Unterhaltung machen. Dieses Design zog erhebliches Interesse von Corporate Venture Capitals und globalen Kunden an.
Dennoch erwies sich die kapitalintensive Natur von Hardware als unüberwindbar. „In der Hardware ist Kapital Sauerstoff“, betonte LaValley und warnte andere Gründer: „Kein Geld ist besser als das falsche Geld.“
Hintergrundinformationen
Die Entwicklung von Hardware-Robotern erfordert enorme Investitionen in Forschung, Entwicklung, Prototypenbau und Produktion. Im Gegensatz zu Software-Startups, die oft mit weniger Startkapital skalieren können, sind physische Produkte mit hohen Materialkosten und komplexen Lieferketten verbunden. Dies macht die Suche nach Investoren, die bereit sind, langfristig und in großem Umfang zu investieren, zu einer großen Herausforderung.
Ein wiederkehrendes Muster in der Robotikbranche
Die Schließung von Cartwheel Robotics reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Ereignisse. Sie erinnert an die kürzliche Einstellung des Betriebs von K-Scale Labs Ende 2025. Auch K-Scale war ein vielversprechendes amerikanisches Startup, das keinen führenden Investor für seine Series-A-Finanzierungsrunde gewinnen konnte.
Benjamin Bolte, der CEO von K-Scale, erklärte später, er habe „alles auf eine Karte gesetzt“ mit einer High-End-Plattform. Dies ähnelt Cartwheels Streben nach einem „Full-Stack“-Humanoiden. Beide Unternehmen repräsentieren einen Teil der Branche, der Innovationen in Form und Zugänglichkeit anstrebte – K-Scale durch Open-Source-Designs und Cartwheel durch emotionale Intelligenz. Doch die immensen Kosten der Skalierung physischer KI-Systeme stoppten sie.
Die Herausforderungen der physischen KI
Die Entwicklung und Produktion von Robotern, die in der realen Welt interagieren, ist äußerst komplex. Es geht nicht nur um Software, sondern auch um Mechanik, Sensorik und Materialwissenschaft. Jede Komponente muss präzise aufeinander abgestimmt sein, was hohe Forschungs- und Entwicklungskosten verursacht. Darüber hinaus ist der Markt für humanoide Roboter, insbesondere für den Heimgebrauch, noch in den Kinderschuhen, was die Unsicherheit für Investoren erhöht.
Viele Startups in diesem Bereich kämpfen mit dem sogenannten „Tal des Todes“ – der Phase zwischen der ersten Finanzierung und der Marktreife, in der das Kapital oft knapp wird und das Risiko hoch ist.
Was kommt als Nächstes für den Gründer?
Scott LaValley, ein ehemaliger Mitarbeiter von Boston Dynamics und Disney Imagineering, wo er die Entwicklung des autonomen Baby Groot-Roboters leitete, bedankte sich tief bei seinem Team und seiner Mitbegründerin, seiner Schwester Samantha. Obwohl Cartwheel Robotics nun Geschichte ist, deutete LaValley an, dass er „in Kürze mitteilen wird, was als Nächstes kommt“.
Die Erfahrungen aus solchen Schließungen sind für die gesamte Branche wertvoll. Sie zeigen, dass selbst vielversprechende Technologien und talentierte Teams an den finanziellen Hürden scheitern können. Der Fokus auf die richtige Kapitalstrategie und eine realistische Einschätzung der Skalierungskosten sind entscheidend für den Erfolg in der Robotik.
Roboter-Startups im Fokus
Der Markt für humanoide Roboter ist hart umkämpft und erfordert massive Investitionen. Andere Unternehmen wie Figure AI und Agility Robotics sammeln weiterhin erhebliche Mengen an Kapital, was die Kluft zwischen gut finanzierten Playern und kleineren Startups verdeutlicht.
Die Zukunft der humanoiden Robotik bleibt spannend, auch wenn der Weg dorthin für viele Pioniere steinig ist. Die Innovationskraft bleibt hoch, aber die finanzielle Realität stellt eine ständige Herausforderung dar.





