Der US-amerikanische Lidar-Hersteller Luminar ist insolvent. Im Zuge des Insolvenzverfahrens wurden die Vermögenswerte des Unternehmens an Microvision verkauft. Dieser Schritt markiert das Ende eines Unternehmens, das einst vielversprechende Technologie für autonomes Fahren entwickelte, und führt zu einer Konsolidierung im Lidar-Markt.
Wichtige Erkenntnisse
- Lidar-Hersteller Luminar ist insolvent und wird abgewickelt.
- Microvision übernimmt Luminars Kernvermögen für 33 Millionen US-Dollar.
- Ein späteres, höheres Angebot wurde vom Gericht abgelehnt.
- Microvision konsolidiert damit seine Position im Lidar-Sektor, ähnlich wie bei Ibeo Automotive Systems.
- Die Gläubiger von Luminar werden voraussichtlich einen Großteil ihrer Forderungen verlieren.
Das Ende von Luminar Technologies
Luminar Technologies, ein Unternehmen bekannt für seine Lidar-Technologie, ist offiziell insolvent. Die Abwicklung des Unternehmens ist das Ergebnis eines umfassenden Insolvenzverfahrens in den USA. Luminar hatte Schulden von über einer halben Milliarde US-Dollar angehäuft, maßgeblich beeinflusst durch eine gescheiterte Partnerschaft mit dem chinesischen Automobilkonzern Volvo.
Die Gläubiger müssen sich darauf einstellen, nur einen Bruchteil ihrer Forderungen zurückzuerhalten. Das Insolvenzverfahren unter dem Aktenzeichen 25-90807 läuft vor dem US-Bundeskonkursgericht für den südlichen Teil Texas‘.
Faktencheck
- Schuldenstand Luminar: Über 500 Millionen US-Dollar.
- Verkaufspreis Vermögenswerte: 33 Millionen US-Dollar.
- Erwerber: Microvision.
- Datum des Zuschlags: Freitag (Gericht), Montag (Umsetzung).
Microvision sichert sich Luminars Kerntechnologie
Microvision hat den Zuschlag für wesentliche Vermögenswerte von Luminar Technologies erhalten. Die Übernahme erfolgte für 33 Millionen US-Dollar. Dazu gehören die Immaterialgüterrechte, das Inventar der Lidar-Modelle Halo und Iris sowie bestimmte bestehende Verträge. Ein Teil der verbliebenen Mitarbeiter von Luminar wird ebenfalls von Microvision übernommen.
Ein unerwarteter Wendepunkt ereignete sich, als ein neuer Bieter in letzter Minute ein deutlich höheres Angebot unterbreitete. Dieses Angebot lag erheblich über den erzielten 33 Millionen US-Dollar der Versteigerung. Nach kurzer Beratung lehnten die Verfahrensparteien und das Gericht das neue Angebot jedoch ab. Wahrscheinlich konnte der neue Bieter seine Zahlungsfähigkeit nicht ausreichend nachweisen. Damit erhielt Microvision den gerichtlichen Zuschlag, der bereits am folgenden Montag umgesetzt wurde.
„Die Übernahme der Luminar-Vermögenswerte stärkt unsere Position im Lidar-Markt erheblich und ermöglicht es uns, unsere technologische Basis auszubauen.“
Ein gescheitertes Überangebot
Die Identität des Bieters, der in letzter Minute ein höheres Angebot abgab, ist nicht offiziell bestätigt. Spekulationen deuten darauf hin, dass es sich um Austin Russell, den ursprünglichen Gründer von Luminar, handeln könnte. Es gab wohl auch einen weiteren Interessenten mit chinesischen Geldgebern, dessen Angebot möglicherweise an US-Investitionsbeschränkungen scheiterte. Auch dessen alternative Finanzierungsquellen konnten nur teilweise verifiziert werden.
Lidar-Technologie und ihre Anwendung
Lidar (Light Detection And Ranging) ist eine Schlüsseltechnologie für autonomes Fahren und andere Anwendungen. Das Grundprinzip basiert auf der Messung der Zeit, die ein Laserpuls benötigt, um zu einem Objekt und wieder zurückzureisen – der sogenannten „Time-of-Flight“-Methode. Dadurch lassen sich detaillierte dreidimensionale Umgebungsbilder erstellen.
Diese Technik ist nicht nur für autonome Fahrzeuge wichtig, sondern findet auch im Militär und in der Industrie Anwendung. Luminar hatte sich jedoch auf zivile Anwendungen konzentriert und wollte nicht für militärische Zwecke arbeiten.
Hintergrund: Microvisions Strategie
Microvision hat bereits Ende 2022 Vermögenswerte des deutschen Lidar-Herstellers Ibeo Automotive Systems übernommen, der ebenfalls zahlungsunfähig geworden war. Mit der aktuellen Übernahme der Luminar-Technologien konsolidiert Microvision seine Expertise und Patente in diesem Sektor. Das Unternehmen hat seit der Ibeo-Übernahme ein Entwicklungszentrum in Hamburg.
Die bewegte Geschichte von Ibeo Automotive Systems
Die Geschichte von Ibeo Automotive Systems zeigt die Dynamik und Herausforderungen im Lidar-Markt. Das Unternehmen wurde 1998 in Hamburg von Ulrich Leges gegründet. Schon zwei Jahre später übernahm die Sick AG das Start-up.
- 1998: Gründung von Ibeo durch Ulrich Leges.
- 2000: Übernahme durch Sick AG; VW präsentiert einen autonomen Roboter mit Ibeo-Technik.
- 2010: Management um Leges kauft Ibeo zurück.
- 2007: Ibeo erreicht das Finale der Darpa Urban Challenge.
- 2016: ZF Friedrichshafen AG steigt mit 40 Prozent ein, um Fahrerassistenzsysteme (ADAS) zu entwickeln.
- 2022: ZF steigt aus, Ibeo meldet Insolvenz an.
Die Technologie von Ibeo landete schließlich bei Microvision, das nun die Lidar-Technik von Ibeo mit der des ehemaligen Konkurrenten Luminar zusammenführt. ZF Friedrichshafen hat sich inzwischen aus dem ADAS-Bereich zurückgezogen und diesen an die Samsung-Tochter Harman verkauft.
Restliche Vermögenswerte und Gläubigerforderungen
Luminar besitzt noch eine solvente Tochterfirma namens Luminar Semiconductors. Diese entwickelt integrierte Schaltkreise (ASICs) für Lidar-Systeme. Luminar Semiconductors wurde für 110 Millionen US-Dollar an Quantum Computing, ein Photonik-Unternehmen aus New Jersey, verkauft. Abgesehen davon sind keine weiteren nennenswerten Erlöse aus der Insolvenz in Sicht.
Dies bedeutet, dass die Gläubiger von Luminar auf dem größten Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben werden. Die Kosten für die Abwicklung des Insolvenzverfahrens mindern die verfügbare Masse zusätzlich.
Microvision im Überblick
Microvision ist seit 1996 an der NASDAQ gelistet. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Redmond, US-Bundesstaat Washington. Vor etwa 20 Jahren war Microvision bekannt für den Versuch, Mini-Laserprojektoren in Mobiltelefonen zu etablieren. Heute konzentriert sich das Unternehmen auf Lidar-Technologien für autonome Anwendungen.
Die Konsolidierung im Lidar-Markt setzt sich fort. Unternehmen wie Microvision nutzen Insolvenzen von Wettbewerbern, um ihre technologische Basis zu erweitern und Marktanteile zu sichern. Dies könnte langfristig zu einer stärkeren und stabileren Branche führen, auch wenn der Weg dorthin für einige Pioniere steinig ist.





