Der europäische Automarkt verzeichnet im Mai ein deutliches Wachstum, angetrieben von einer starken Nachfrage nach Elektro- und Hybridfahrzeugen. Während traditionelle Verbrennungsmotoren Marktanteile verlieren, gewinnen batterieelektrische Autos und Hybridmodelle immer mehr an Bedeutung. Chinesische Hersteller zeigen dabei ein besonders dynamisches Wachstum, auch wenn ihre Marktanteile noch überschaubar sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Pkw-Neuzulassungen in der EU stiegen im Mai um 3,2 Prozent auf 955.013 Fahrzeuge.
- Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) legten um 43 Prozent zu und erreichten einen Marktanteil von 20 Prozent in den ersten fünf Monaten.
- Hybridfahrzeuge verzeichneten ebenfalls Zuwächse, während Benziner und Diesel um rund ein Fünftel sanken.
- Chinesische Marken wie BYD, Chery und Leapmotor expandieren stark in Europa.
- Volkswagen bleibt Marktführer, musste aber einen Absatzrückgang hinnehmen.
Elektroautos und Hybride als Wachstumsmotor
Im Mai 2024 stiegen die Pkw-Neuzulassungen in der Europäischen Union um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden 955.013 Fahrzeuge neu registriert. Dieser Anstieg ist maßgeblich auf die steigende Beliebtheit von Elektroautos und Hybridfahrzeugen zurückzuführen. Die Zahlen des europäischen Branchenverbands ACEA belegen einen klaren Trend in Richtung elektrifizierter Antriebe.
Besonders auffällig ist das Wachstum bei batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV). Deren Absatz stieg im Mai um rund 43 Prozent auf 203.417 Einheiten. Bereits in den ersten fünf Monaten des Jahres erreichten BEVs einen Marktanteil von 20 Prozent. Auch Hybridfahrzeuge (HEV) trugen zum Wachstum bei. Ihr Absatz legte ebenfalls zu, was auch daran liegt, dass das Angebot von Neuwagen ohne Hybridisierung kontinuierlich abnimmt.
Faktencheck: Antriebsarten im Mai
- Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV): +43%
- Hybridfahrzeuge (HEV): Zuwachs
- Benziner: -20% (210.383 Fahrzeuge)
- Diesel: -20% (69.482 Fahrzeuge)
Verbrenner verlieren an Boden
Im Gegensatz zu den elektrifizierten Modellen verzeichnen Fahrzeuge mit reinem Verbrennungsmotor deutliche Rückgänge. Der Absatz von Benzinern sank im Mai um rund ein Fünftel auf 210.383 Einheiten. Auch Dieselautos mussten einen ähnlichen Rückgang hinnehmen und erreichten nur noch 69.482 Neuzulassungen. Dieser Trend zeigt, dass Konsumenten in der EU zunehmend auf umweltfreundlichere Alternativen umsteigen.
Die Veränderung der Präferenzen hat weitreichende Folgen für die Automobilindustrie. Hersteller, die stark auf Verbrennungsmotoren setzen, müssen ihre Strategien anpassen. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung fließen immer stärker in elektrische Antriebstechnologien.
Regionale Unterschiede in Europa
Innerhalb der EU gibt es jedoch regionale Unterschiede im Wachstum. Deutschland verzeichnete im Mai nur einen geringen Anstieg von 0,1 Prozent bei den Neuzulassungen. Hier hatte im Mai bereits jedes vierte neu zugelassene Auto einen batterieelektrischen Antrieb, was einen hohen Anteil darstellt.
Frankreich und Italien zeigten höhere Wachstumsraten mit 3,7 Prozent beziehungsweise 7,6 Prozent. Spanien hingegen erlebte einen Rückgang der Neuzulassungen um 0,8 Prozent. Diese Zahlen spiegeln die unterschiedlichen Marktbedingungen und politischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Mitgliedstaaten wider.
Marktführer unter Druck, chinesische Marken im Aufwind
Obwohl Volkswagen EU-weit weiterhin der Marktführer ist, musste der Konzern im Mai einen Absatzrückgang von 3,6 Prozent auf 254.011 Autos hinnehmen. Auch Stellantis, der zweitgrößte Anbieter mit Marken wie Fiat, Peugeot und Opel, verzeichnete ein Minus von 2,6 Prozent. Renault, der drittgrößte Konzern, büßte 1,3 Prozent ein. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass etablierte Hersteller im Umbruch des Marktes vor Herausforderungen stehen.
Im Gegensatz dazu konnten BMW und Mercedes-Benz Zuwächse verzeichnen. Der BMW-Konzern legte um 3,7 Prozent zu, während Mercedes-Benz ein Plus von 0,7 Prozent erreichte. Diese Premiumhersteller scheinen sich besser an die aktuellen Marktbedingungen anpassen zu können, möglicherweise durch ein starkes Angebot an elektrifizierten Modellen im oberen Preissegment.
„Der europäische Automarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Dominanz der Verbrennungsmotoren schwindet, während elektrische Antriebe das Wachstum antreiben. Dies stellt etablierte Hersteller vor Herausforderungen, eröffnet aber auch neuen Akteuren immense Chancen.“
Chinesische Hersteller drängen auf den EU-Markt
Besonders dynamisch entwickeln sich chinesische Hersteller. Marken wie Chery, BYD und Leapmotor verzeichnen derzeit große Sprünge auf dem europäischen Markt. Obwohl ihre Marktanteile in den ersten fünf Monaten des Jahres noch überschaubar sind – Geely (mit Volvo, Polestar) erreichte 2,6 Prozent, SAIC Motor (mit MG) und BYD jeweils 2,1 Prozent – ist das Wachstum beeindruckend.
Der Anteil von BYD hat sich im Jahresvergleich sogar mehr als verdoppelt. Dieser Erfolg ist auch auf den starken Wettbewerb auf dem chinesischen Heimatmarkt zurückzuführen, wo die Autoverkäufe im Mai um 22 Prozent einbrachen. Chinas Branchenverband CPCA senkte seine Jahresprognose für den heimischen Automarkt 2026 drastisch auf minus elf Prozent. Dies dürfte den Exportfokus chinesischer Hersteller weiter verstärken und ihren Drang nach Europa noch intensivieren.
Hintergrund: Tesla auf dem Vormarsch
Auch Tesla aus den USA erholte sich von seinem Absatzeinbruch aus dem Vorjahr. Von Januar bis Mai erreichte der US-Hersteller einen Marktanteil von 1,9 Prozent in der EU. Dies unterstreicht die globale Verschiebung hin zu Elektrofahrzeugen und die Wettbewerbsintensität in diesem Segment.
Ausblick: Weiterer Wandel erwartet
Insgesamt wuchsen die Pkw-Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten des Jahres um vier Prozent auf rund 4,75 Millionen Fahrzeuge. Der Marktanteil reiner Batterieautos kletterte in diesem Zeitraum von 15,3 auf 20 Prozent. Diese Entwicklung zeigt einen klaren Trend, der sich in den kommenden Monaten und Jahren fortsetzen dürfte.
Die Automobilbranche steht vor einem Paradigmenwechsel. Die Elektromobilität wird nicht nur das Fahren selbst verändern, sondern auch die Wettbewerbslandschaft. Europäische Hersteller müssen weiterhin massiv in neue Technologien investieren, um im globalen Wettbewerb, insbesondere mit aufstrebenden chinesischen Marken, bestehen zu können.
- Langfristiger Trend: Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge wird weiter zunehmen.
- Wettbewerb: Chinesische Hersteller werden eine immer größere Rolle spielen.
- Innovation: Europäische Marken müssen ihre Innovationskraft beweisen.





