Die Noni-Frucht, oft als exotisches Superfood beworben, wird in ihrer polynesischen Heimat traditionell vielfältig eingesetzt. Doch trotz zahlreicher Heilsversprechen zeigen wissenschaftliche Untersuchungen keine überzeugenden Belege für besondere gesundheitliche Vorteile von Noni-Produkten gegenüber herkömmlichen Fruchtsäften oder Nahrungsergänzungsmitteln. Verbraucher sollten bei der Einnahme Vorsicht walten lassen, da es in seltenen Fällen zu Leberschäden kommen kann und Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Noni-Produkte bieten keine wissenschaftlich belegten gesundheitlichen Vorteile gegenüber anderen Fruchtsäften.
- Werbeaussagen zu Noni-Produkten sind oft irreführend und wissenschaftlich nicht haltbar.
- Bei der Einhaltung empfohlener Mengen ist Noni-Saft in der Regel unbedenklich.
- Personen mit Leberproblemen oder unter Medikamenteneinnahme sollten Noni meiden.
- Hoher Preis ist meist durch Transportkosten und Bio-Qualität bedingt, nicht durch besondere Wirkung.
Noni: Ein Mythos aus der Südsee
Die Noni-Frucht, botanisch Morinda citrifolia genannt, ist in Polynesien, Hawaii und Teilen Mittelamerikas beheimatet. Sie wird dort seit Jahrhunderten als traditionelles Heilmittel verwendet. Der Baum, auch Indischer Maulbeerbaum genannt, trägt kartoffelgroße Früchte, die einen leicht bitteren und fauligen Geschmack haben. Deshalb wird Noni-Saft oft mit anderen Fruchtsäften wie Himbeer, Traube oder Ananas gemischt.
In den letzten Jahren hat Noni-Saft auch in Europa an Bekanntheit gewonnen, hauptsächlich durch aggressive Werbekampagnen, die ihn als Allheilmittel anpreisen. Die Versprechen reichen von der Senkung des Schlafbedarfs über die Linderung von Schmerzen und Allergien bis hin zur angeblichen Hilfe bei Arthritis, Übergewicht, Depressionen und sogar Krebs. Auch die Ausleitung von Schadstoffen und die Minderung von Migräneattacken werden beworben.
Faktencheck Noni-Werbung
- Behauptung: Noni senkt den Schlafbedarf. Realität: Keine wissenschaftlichen Belege.
- Behauptung: Noni hilft bei Krebs und Nierenproblemen. Realität: Wissenschaftlich unhaltbar und irreführend.
- Behauptung: Noni leitet Schadstoffe aus. Realität: Keine Belege für eine spezifische Entgiftungswirkung.
Wissenschaftliche Bewertung: Keine besonderen Vorteile
Trotz der vollmundigen Werbeversprechen gibt es keine wissenschaftlichen Belege, die gesundheitliche Vorteile von Noni-Saft gegenüber anderen herkömmlichen Fruchtsäften bestätigen. Das EU-Register für gesundheitsbezogene Angaben (Health Claims-Verordnung) zeigt, dass kein einziger Antrag für Noni-Produkte eingereicht oder genehmigt wurde, der eine spezifische gesundheitliche Wirkung belegen würde. Noni-Säfte sind im Wesentlichen Fruchtsäfte ohne nachweisbare besondere Wirkstoffe.
Viele Produkte werben mit einem hohen Gehalt an Mangan oder Enzymen. Mangan ist zwar für normale Knochen und den Schutz der Zellen vor oxidativem Stress wichtig, ein Mangel ist in Europa jedoch nicht bekannt, da die normale Ernährung ausreichend Mangan liefert. Die beworbenen Enzyme verlieren ihre Wirkung während der Herstellung, da der Saft pasteurisiert und auf mindestens 85°C erhitzt wird. Diese Hitze denaturiert die Proteine und macht die Enzyme unwirksam.
"Die existierenden Daten, Studien und Informationen lassen keinerlei gesundheitliche Vorteile von Noni-Saft gegenüber anderen Fruchtsäften erkennen. Noni-Säfte sind im Prinzip Fruchtsäfte wie viele andere."
Der hohe Preis von Noni-Saft, der zwischen 18 und 55 Euro pro Liter liegen kann, lässt sich daher kaum mit einer besonderen Wirkung rechtfertigen. Erklärbar ist er höchstens durch Transportkosten für die exotischen Früchte und eine mögliche Bio-Qualität.
Zulassung in der EU und Sicherheitsaspekte
Die Noni-Frucht galt in Europa vor 1997 nicht als übliches Lebensmittel und musste daher ein Zulassungsverfahren als Novel Food durchlaufen. Seit 2003 ist pasteurisierter Noni-Saft in kleinen Mengen in der EU zugelassen. Dies bedeutet jedoch lediglich, dass der Saft in der empfohlenen Dosis als sicher gilt, nicht aber, dass er gesundheitliche Vorteile bietet.
Was ist Novel Food?
Als Novel Food (Neuartige Lebensmittel) werden Produkte bezeichnet, die in der EU vor dem 15. Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden. Bevor sie auf den Markt gebracht werden dürfen, müssen sie ein umfangreiches Sicherheitsbewertungs- und Zulassungsverfahren durchlaufen, um sicherzustellen, dass sie für Verbraucher unbedenklich sind. Die Zulassung ist keine Bestätigung für gesundheitliche Vorteile.
Neben Saft sind auch Noni-Fruchtpüree, Fruchtsaftkonzentrat, Fruchtsaftpulver und Fruchtpulver zugelassen. Getrocknete und geröstete Noni-Blätter dürfen nur zur Teezubereitung verwendet werden, mit einer Höchstmenge von 1 Gramm pro Tasse.
Wichtige Hinweise zur Einnahme und mögliche Risiken
Obwohl Noni-Saft in kleinen Mengen als sicher gilt, wurden bei einigen Personen reversible Leberschäden im Zusammenhang mit dem Verzehr von Noni-Produkten festgestellt. Dies führte zu umfassenden Prüfungen auf nationaler und europäischer Ebene. Es ist möglich, dass manche Menschen empfindlich auf Noni-Fruchtprodukte reagieren.
Personen mit bereits bestehenden Leberfunktionsstörungen sollten komplett auf Noni-Produkte verzichten. Auch bei der Einnahme von Medikamenten ist Vorsicht geboten. Noni kann mit bestimmten Arzneimitteln wechselwirken, indem es beispielsweise ein Leberenzym im Arzneistoffwechsel hemmt. Dies kann die Nebenwirkungen von Medikamenten verstärken oder deren Wirksamkeit, etwa bei Chemotherapie oder Strahlentherapie, beeinträchtigen.
Noni-Saft enthält zudem viel Kalium. Für Personen mit Niereninsuffizienz oder jene, die Medikamente einnehmen, die den Kaliumspiegel erhöhen, kann dies problematisch sein. Sie sollten Noni-Saft meiden.
Empfohlene Mengen und Lagerung
- Saft: Maximal 30 ml pro Tag, in zwei Portionen bis zu 40 ml täglich.
- Nahrungsergänzungsmittel (Pulver/Konzentrat): Tagesdosis darf maximal 6,6 g Fruchtsaftpulver, 2,4 g Fruchtpulver oder 6 g Fruchtkonzentrat bzw. 26 g Fruchtpüree enthalten.
Nach dem Öffnen sollte Noni-Saft im Kühlschrank gelagert werden. Aufgrund der geringen täglichen Verzehrmenge von 30 ml kann eine Literflasche über einen Monat halten. Dies ist für Fruchtsäfte eine ungewöhnlich lange Zeit (normalerweise 3-5 Tage). Es empfiehlt sich, den Saft in kleinen Portionen einzufrieren und bei Bedarf aufzutauen, um die Frische zu gewährleisten. Achten Sie auf Aussehen, Geschmack und Geruch, um die Qualität zu überprüfen.
Einige Noni-Konzentrate enthalten erhebliche Mengen Zucker. Da bei Nahrungsergänzungsmitteln der Zuckergehalt nicht immer explizit in der Nährwertkennzeichnung angegeben werden muss, sollten Verbraucher die Zutatenliste genau prüfen. Begriffe wie Fruktose, Saccharose, Sirup, Saftkonzentrat oder Dicksaft weisen auf Zuckerzusätze hin. Bei reinem Saft muss der Zuckergehalt hingegen deklariert werden.
Anzeichen für Probleme
Sollten Sie nach der Einnahme von Noni-Produkten Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Juckreiz, Appetitverlust, Gewichtsveränderungen, ein Druckgefühl im rechten Oberbauch oder eine Gelbfärbung der Haut bemerken, suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Nehmen Sie das Produkt und die Verpackung mit und setzen Sie die Einnahme sofort ab.
Generell gilt: Wenn Sie Noni-Produkte ausprobieren möchten, aber regelmäßig Medikamente einnehmen oder akut krank sind, besprechen Sie dies unbedingt vorher mit Ihrem Arzt. Dies hilft, mögliche Wechselwirkungen und gesundheitliche Risiken auszuschließen.
Für Verbraucher, die auf Nummer sicher gehen wollen, empfiehlt sich der Kauf von Bio-Produkten, obwohl keine spezifischen Hinweise auf besondere Schadstoffbelastungen bei Noni-Produkten vorliegen.





