Die Mangostan, oft als „Königin der Früchte“ beworben, verspricht in der Werbung eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen, von der Stärkung des Immunsystems bis zur Krebsbekämpfung. Doch eine genaue Betrachtung der wissenschaftlichen Fakten zeigt: Viele dieser Behauptungen entbehren einer fundierten Grundlage. Verbraucher sollten bei den hohen Preisen und weitreichenden Versprechen kritisch bleiben.
Wichtige Erkenntnisse
- Werbeaussagen zu Mangostan-Produkten sind wissenschaftlich nicht belegt.
- Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehör (EFSA) hat gesundheitsbezogene Behauptungen zurückgewiesen.
- Xanthone, oft als Wunderwirkstoff genannt, sind in isolierter Form nicht empfehlenswert.
- Hohe Preise für Mangostan-Saft spiegeln hauptsächlich Transportkosten wider.
- Mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bei chronischen Krankheiten zu beachten.
Was steckt hinter den Mangostan-Werbeversprechen?
Dem Saft der Mangostanfrucht werden oft wundersame Eigenschaften zugeschrieben. Er soll angeblich bei Malaria, Fieber und Darmproblemen helfen. Auch eine positive Wirkung gegen Krebs, Allergien und Heuschnupfen wird beworben. Darüber hinaus soll er Bakterien bekämpfen, das Immunsystem stärken und den Alterungsprozess verlangsamen können.
Diese weitreichenden Wirkungen werden einem „konzentrierten Ansturm von Xanthonen“ zugeschrieben, die als „besonders zukunftsträchtige, wirksame Gruppe von sekundären Pflanzenstoffen“ bezeichnet werden. Websites und Werbematerialien behaupten oft, Mangostansaft sei wirksamer als Vitamin E in seiner antioxidativen Kapazität und enthalte bis zu zwölf Vitamine.
Faktencheck
Die in der Werbung oft zitierten Studien beziehen sich meist auf Laborversuche oder konzentrierte Stoffe. Diese sind nicht mit der Nährstoffkonzentration in der eigentlichen Frucht vergleichbar. Um mit Vitaminen werben zu dürfen, müssen Mindestmengen erreicht werden, was oft durch zugesetzte Vitamine geschieht. Ein Blick auf die Zutatenliste gibt hier Klarheit.
Wissenschaftliche Bewertung: Keine Belege für Gesundheitsvorteile
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die gesundheitsbezogenen Werbeaussagen zu Mangostan umfassend geprüft. Das Ergebnis ist eindeutig: Sämtliche beantragten gesundheitsbezogenen Werbeaussagen konnten nicht nachgewiesen werden oder waren zu unspezifisch. Werden solche Aussagen dennoch verwendet, stellen sie eine Irreführung dar und sind somit ein Verstoß gegen geltendes Lebensmittelrecht.
Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass Mangostan bei Krebs oder anderen schweren Erkrankungen helfen könnte. Auch für die oft genannten Wirkungen wie Immunstärkung oder Entzündungshemmung fehlen Daten aus Humanstudien. Traditionelle Anwendungen in einigen asiatischen Ländern, etwa gegen Ausschläge oder Mundschleimhautentzündungen, basieren auf kleineren Studien, die jedoch keine generelle Wirksamkeit belegen.
„Die EFSA hat festgestellt, dass sämtliche beantragten gesundheitsbezogenen Werbeaussagen zu Mangostan zu unspezifisch oder nicht nachzuweisen sind. Eine Verwendung dieser Aussagen wäre irreführend.“
Xanthone: Ein unerforschter Stoff
Xanthone, die hauptsächlich in der Schale der Mangostanfrüchte vorkommen, werden in der Werbung besonders hervorgehoben. Sie wurden früher als Färbemittel eingesetzt. Doch zu ihrer Wirkung in isolierter Form, beispielsweise in Nahrungsergänzungsmitteln, gibt es kaum wissenschaftliche Erkenntnisse. Verbraucherzentralen raten daher zur Vorsicht bei Xanthon-Isolaten wie Alpha-Mangostin, da weder ausreichende Erfahrungen noch Humanstudien vorliegen.
Hintergrundinformationen zur Frucht
Die Mangostan (Garcinia mangostana) wird hauptsächlich in Südostasien, auf den Philippinen, in Mittelamerika und Brasilien angebaut. Thailand, Malaysia und Indonesien sind die wichtigsten Produzenten. Die tomatengroßen Früchte haben eine lederartige, rot-braun- bis violettfarbene, nicht essbare Schale, unter der sich das weiße, saftige Fruchtfleisch befindet. Es gilt als besonders köstlich und schmeckt fein-mildsäuerlich-exotisch.
Hohe Preise und Nachhaltigkeit
Reiner Mangostan-Saft kann bis zu 42 Euro pro Liter kosten. Mischungen mit anderen Säften sind sogar noch teurer, bis zu 68 Euro pro Liter. Eine tägliche Dosis von 30 Millilitern schlägt mit 1,30 Euro bis 2 Euro zu Buche. Diese hohen Preise sind allenfalls durch den weiten Transport gerechtfertigt, da frische Früchte gekühlt per Flugzeug eingeflogen werden müssen, was den Einkauf schwierig macht.
Der Anbau von Mangostanbäumen ist zudem zeitaufwendig: Sie tragen erst nach acht bis zehn Jahren erste Früchte. Die hohe Nachfrage führt zu Neupflanzungen, deren langfristiger Erfolg ungewiss ist. Britta Klein vom Bundeszentrum für Ernährung warnt vor den ökologischen und sozialen Problemen, die ein solcher Hype in den Erzeugerländern verursachen kann, ähnlich wie es beim Anbau von Blaubeeren in Peru der Fall war.
Wirtschaftliche Aspekte
- Kosten: Reiner Mangostan-Saft bis zu 42 €/Liter.
- Mischsäfte: Bis zu 68 €/Liter.
- Tagesdosis (30 ml): 1,30 € bis 2 €.
- Transport: Früchte müssen per Flugzeug gekühlt werden, was die hohen Preise erklärt.
- Anbau: Bäume tragen erst nach 8-10 Jahren Früchte.
Was Verbraucher beachten sollten
Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Mangostan-Extrakt ist es wichtig, die Herkunft des Extrakts zu prüfen. Die Fruchtschale, obwohl reich an Xanthonen, ist wegen ihres hohen Gerbstoffanteils nicht zum Verzehr geeignet und sollte nicht verwendet werden.
Qualitätssiegel auf Produkten sichern lediglich Produktionsbedingungen und gleichbleibende Produktqualität zu, aber keine spezifischen Wirkungen. Es wird dringend davon abgeraten, Xanthone-Isolate zu konsumieren, da es hierzu keine verlässlichen Erfahrungen oder Humanstudien gibt.
Bevor Sie Mangostan-Produkte verwenden, insbesondere wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen oder chronisch krank sind, sollten Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen. Es sind Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich. Berichte zeigen, dass täglicher Mangostansaft-Konsum über längere Zeit zu schwerer Laktatazidose führen kann. Auch eine Beeinträchtigung einer Chemotherapie oder eine Verstärkung immunsuppressiver Medikamente ist möglich.
Weitere sekundäre Pflanzenstoffe
Auch zu anderen oft erwähnten sekundären Pflanzenstoffen in Mangostan, wie Tanninen, Katechinen und Polyphenolen, gibt es keine aussagekräftigen Forschungsergebnisse, die ihre beworbenen gesundheitlichen Vorteile belegen würden.





