Nahrungsergänzungsmittel können den Urin auf unerwartete Weise verfärben. Von Neon-Gelb bis hin zu Grün – die Palette ist breit. Diese Veränderungen sind meist harmlos, können aber für Verunsicherung sorgen. Es ist wichtig zu wissen, welche Inhaltsstoffe dahinterstecken und wann ein Arztbesuch ratsam ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Nahrungsergänzungsmittel können Urin und Stuhl in verschiedenen Farben verändern.
- B-Vitamine, Pflanzenextrakte und Farbstoffe sind häufige Ursachen.
- Meist sind die Verfärbungen unbedenklich, aber zusätzliche Symptome erfordern ärztliche Abklärung.
- Auch der Geruch des Urins kann sich durch NEMs verändern.
Warum der Urin plötzlich anders aussieht
Wer Nahrungsergänzungsmittel (NEM) einnimmt, stellt manchmal fest, dass der Urin eine ungewöhnliche Farbe annimmt. Die enthaltenen Stoffe sind oft intensiv gefärbt und werden über die Nieren ausgeschieden. Das führt zu einer Verfärbung des Urins, die von neon-gelb über orange, rot, lila, braun bis hin zu grün reichen kann.
Die genaue Farbe hängt vom Stoffwechsel der Person und dem pH-Wert des Urins ab. Es gibt Menschen, bei denen schon der Verzehr von Roter Bete den Urin pink färbt. Andere kennen den typischen Geruch nach Spargel oder Knoblauch. Solche Veränderungen sind in der Regel unbedenklich.
Wann Sie handeln sollten
Wenn Sie nach der Einnahme eines neuen Nahrungsergänzungsmittels eine Verfärbung bemerken, prüfen Sie zunächst die Packungsbeilage. Dort sind mögliche Nebenwirkungen oft aufgeführt. Finden Sie dort keinen Hinweis, achten Sie auf weitere Symptome.
Fühlen Sie sich unwohl, haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen oder ist der Urin trüb? Eine rötliche Verfärbung könnte auch Blut bedeuten. In solchen Fällen oder bei anhaltend dunklem Urin ist ein Arztbesuch ratsam. Informieren Sie Ihren Arzt unbedingt über die eingenommenen Nahrungsergänzungsmittel.
Interessanter Fakt
Die Farbe des Urins kann von Mensch zu Mensch variieren, selbst bei der Einnahme desselben Nahrungsergänzungsmittels. Dies liegt am individuellen Stoffwechsel und dem pH-Wert des Urins.
Verantwortliche Inhaltsstoffe für Urinverfärbungen
Verschiedene Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln können die Farbe des Urins beeinflussen. Besonders bekannt sind B-Vitamine. Überschüssiges Vitamin B2 (Riboflavin) wird ausgeschieden und führt oft zu einem intensiv gelben oder orangefarbenen Urin. Bei Vitamin B12, insbesondere bei hohen Dosen zur Behebung eines Mangels, kann eine Rotfärbung auftreten. Multivitaminprodukte mit hochdosierten B-Komplex-Vitaminen können ebenfalls einen leuchtend gelben bis neongrünen Urin verursachen, der aber im Laufe des Tages wieder verschwindet.
Auch Vitamin D kann eine Gelbfärbung auslösen. Neben Vitaminen spielen auch Pflanzenextrakte eine Rolle. Tiefrote Früchte und Gemüse wie Heidelbeeren oder Aronia, die Anthocyane enthalten, sowie Betain aus Roter Bete, können den Urin rot, rosa oder rotbraun färben.
"Die meisten Urinverfärbungen durch Nahrungsergänzungsmittel sind harmlos und ein Zeichen dafür, dass der Körper überschüssige Stoffe ausscheidet."
Weitere pflanzliche und mineralische Einflüsse
Karottenextrakte und Betacarotin können zu einem orangefarbenen Urin führen, manchmal sogar zu blau-grünen Tönen, ähnlich wie Spargelprodukte, die oft als Entwässerungsmittel eingesetzt werden. Rhabarber und andere Pflanzen mit Anthrachinonen, wie Aloe, können den Urin hellrosa bis gelb-bräunlich erscheinen lassen, fast wie Tee.
Fava-Bohnen sind dafür bekannt, einen dunkelbraunen Urin zu verursachen. Bei Mineralstoffen kann Eisen den Urin rotbraun bis schwarz färben. In seltenen Fällen können Kupfer und Zink eine leichte Grünfärbung hervorrufen.
Hintergrundinformation
Die Farbe des Urins entsteht durch Urochrome, Abbauprodukte des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Nahrungsergänzungsmittel können diese natürlichen Farbstoffe überdecken oder eigene Farbpigmente hinzufügen.
Lebensmittelfarbstoffe und Importprodukte
Nicht nur natürliche Inhaltsstoffe, sondern auch künstliche Lebensmittelfarbstoffe können den Urin verfärben. Besonders blaue Farbstoffe wie Brillantblau FCF (E 133), Indigotin (E 132) oder Patentblau V (E 131) können sich beim Wasserlassen bemerkbar machen. Ist der Urin sauer, können diese Farbstoffe sogar eine grünliche Verfärbung bewirken. Die Verwendung dieser Farbstoffe können Sie im Zutatenverzeichnis des Produkts nachlesen.
Vorsicht ist geboten bei Nahrungsergänzungsmitteln, die aus Asien importiert oder aus dem Urlaub mitgebracht wurden, besonders aus der ayurvedischen Medizin oder der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Diese können Farbstoffe wie Methylenblau enthalten, die in Europa nicht für Lebensmittel zugelassen sind und ebenfalls zu Grünfärbungen führen können.
Illegale Substanzen in Schlankheitsmitteln
Manche illegal in Schlankheitsmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln zur Gewichtsreduktion enthaltene Stoffe können ebenfalls den Urin verfärben. Dazu gehört beispielsweise das als krebserregend geltende Phenolphthalein, das eine Rosafärbung verursachen kann, oder der Arzneistoff Sennes, der für eine rotbraune Farbe sorgt.
Verfärbungen des Stuhls durch Nahrungsergänzungsmittel
Nicht nur der Urin, auch der Stuhl kann durch Nahrungsergänzungsmittel seine Farbe ändern. Dies hängt oft von der eingenommenen Menge ab. Betacarotin kann den Stuhl orange färben. Eisen oder Aktivkohle, oft in sogenannten "Black Detox"-Produkten enthalten, führen zu einem schwarzen Stuhl. Kurkuma kann eine gelbe Tönung verursachen, während Chlorophyll, das in Spirulina oder Graspulvern vorkommt, den Stuhl dunkelgrün färben kann.
Rote-Bete-Pulver färbt den Stuhl rot, Heidelbeerpulver kann ihn schwarz erscheinen lassen. Auch Sennes und der Fettblocker Orlistat können eine gelbe Stuhlfarbe verursachen. Farbstoffe in Lebensmitteln, etwa in Süßigkeiten oder Getränken, können ebenfalls Einfluss nehmen.
- Orange: Betacarotin
- Schwarz: Eisen, Aktivkohle, Heidelbeerpulver
- Gelb: Kurkuma, Sennes, Orlistat
- Dunkelgrün: Chlorophyll (z.B. in Spirulina)
- Rot: Rote-Bete-Pulver
Sollten sich Veränderungen der Stuhlfarbe nicht auf Nahrungsergänzungsmittel zurückführen lassen, ist ärztlicher Rat einzuholen. Schwerwiegende Erkrankungen wie Magengeschwüre, Leberentzündungen oder Krebserkrankungen können ebenfalls farbliche Veränderungen des Stuhls verursachen.
Geruchsveränderungen des Urins
Neben der Farbe können Nahrungsergänzungsmittel auch den Geruch des Urins beeinflussen. Ähnlich wie bei bestimmten Lebensmitteln, beispielsweise Spargel, können sich durch die Einnahme von NEMs die Geruchsstoffe im Urin verändern. Da Nahrungsergänzungsmittel oft über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, kann diese Geruchsveränderung länger anhalten.
Ein chemischer Geruch kann bei einer Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln auftreten, die mehrere B-Vitamine enthalten. In diesem Fall ist der Urin meist zusätzlich leuchtend gelb durch das Riboflavin (B2). Die Aufnahme von Cholin (Lecithin) kann einen fauligen Geruch verursachen. Schwefelige Gerüche können durch Nahrungsergänzungsmittel mit Extrakten aus Spargel, Knoblauch, Brokkoli oder Grünkohl entstehen. Ein süßlich-würziger Geruch, der an Maggi erinnert, ist durch Bockshornkleesamen in Nahrungsergänzungsmitteln möglich.
Nach Beendigung der Einnahme der Nahrungsergänzungsmittel sollten sich die Geruchsveränderungen des Urins wieder normalisieren. Bleiben die ungewöhnlichen Gerüche jedoch bestehen oder treten weitere Symptome auf, ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.





