Zwei Drittel aller Patientinnen und Patienten verschweigen in der Arztpraxis die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Dieses Schweigen kann jedoch ernsthafte Folgen haben, da Wechselwirkungen mit verschriebenen Medikamenten den Behandlungserfolg massiv beeinträchtigen oder sogar die Gesundheit gefährden können. Es ist entscheidend, dass medizinisches Personal proaktiv nachfragt und Patienten ermutigt werden, offen über alle eingenommenen Substanzen zu sprechen.
Wichtige Erkenntnisse
- Zwei Drittel der Patienten verschweigen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten können gefährlich sein.
- Pflanzliche Präparate sind nicht immer harmlos.
- Offene Kommunikation zwischen Arzt und Patient ist essenziell.
- Ärzte sollten proaktiv nach Nahrungsergänzungsmitteln fragen.
Warum die Offenheit so wichtig ist
Nahrungsergänzungsmittel sind weit verbreitet und werden oft als harmlos angesehen. Doch gerade Produkte, die Pflanzen oder Pflanzenextrakte enthalten, können mit verschriebenen Arzneimitteln interagieren. Diese Wechselwirkungen beeinflussen die Wirkung der Medikamente negativ. Das gilt auch für Behandlungen wie Bestrahlungen. Selbst vermeintlich rein pflanzliche oder exotische Mittel sind nicht immer risikofrei.
Ein Beispiel sind Blutuntersuchungen: Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, insbesondere solche mit Vitamin H (Biotin), können die Ergebnisse verfälschen. Auch Urin- und Stuhltests können durch die Einnahme beeinflusst werden. Die richtige Dosierung spielt ebenfalls eine Rolle. Überdosierungen von Jod, besonders aus Meeresalgen, Selen, Vitamin A oder Vitamin D, können problematisch sein.
Wussten Sie schon?
In sehr seltenen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel sogar Auslöser für Erkrankungen sein, beispielsweise bakterielle Infektionen oder Schwermetallvergiftungen.
Ein weiterer Aspekt ist der Einfluss auf das Darmmikrobiom. Besonders eisenhaltige Nahrungsergänzungsmittel können hier Veränderungen bewirken. Gute Ärztinnen und Ärzte schätzen es, wenn Patienten sich aktiv um ihre Gesundheit kümmern. Dazu gehört auch die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Fachleute in der Arztpraxis oder Apotheke sind jedoch die richtigen Ansprechpartner, wenn es um mögliche Wechselwirkungen geht.
Gründe für das Schweigen der Patienten
Eine Studie, an der auch die Universität Duisburg-Essen beteiligt war, beleuchtet die Gründe für die Zurückhaltung der Patienten. Demnach informieren nur etwa ein Drittel der Behandelten ihr medizinisches Personal über die Einnahme von pflanzlichen Produkten und Nahrungsergänzungsmitteln. Viele Patienten würden zwar gerne darüber sprechen, tun es aber nicht.
Die größte Hürde ist oft die Furcht vor Missbilligung durch das medizinische Personal.
Weitere Gründe für das Schweigen sind vielfältig. Oft fragen die Ärzte nicht aktiv danach. Patienten glauben möglicherweise, dass das medizinische Personal dieses Wissen nicht benötigt oder ihm das nötige Fachwissen fehlt. Zeitmangel im Praxisalltag spielt ebenfalls eine Rolle. Ein weiterer Faktor ist der Glaube an die uneingeschränkte Sicherheit solcher Produkte oder die unregelmäßige Einnahme, die als nicht erwähnenswert empfunden wird.
Hintergrundinformationen
Erstaunlicherweise verschweigen auch Patienten, die ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt haben, viele Medikamente bekommen und sich seit Jahren gut betreut fühlen, die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln. Diese Situation muss sich dringend ändern, um die Patientensicherheit zu gewährleisten.
Was medizinisches Personal verbessern kann
Um die Kommunikation zu verbessern, sollten Ärzte, medizinisches Personal und Ernährungsberater bei der Anamnese konsequent nach der Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln und anderen gesundheitsfördernden Lebensmitteln fragen. Es ist hilfreich, sich die Verpackungen zeigen zu lassen und genaue Details zur Einnahme zu klären, wie Häufigkeit, Dosis und Zeitpunkt.
- Regelmäßige Nachfragen bei Dauerpatienten sind wichtig.
- Wertschätzung für das Engagement der Patienten zeigen.
- Bei speziellen Fragen Apotheker oder andere Fachleute einbeziehen.
Das Gesundheitspersonal sollte das aktive Bemühen der Patienten um ihre Gesundheit wertschätzen. Es ist wichtig, keine Scheu davor zu haben, bei komplexen Fragen Apotheker oder andere Spezialisten hinzuzuziehen. Patienten können diese Bemühungen unterstützen, indem sie beispielsweise ein Formular zur persönlichen Gesundheitsapotheke nutzen und zum Gespräch mitbringen.
Denken Sie daran: Offene Kommunikation ist Gold wert, Schweigen kann gefährlich sein. Es geht darum, gemeinsam die bestmögliche Behandlung und Sicherheit zu gewährleisten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über alles, was Sie einnehmen, auch wenn es sich um pflanzliche oder rezeptfreie Produkte handelt. Diese Informationen sind für Ihre Gesundheit von größter Bedeutung.





