Nahrungsergänzungsmittel, die oft unkritisch konsumiert werden, bergen ein erhebliches Dopingrisiko für Sportler. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass fast die Hälfte der getesteten Produkte potenziell gesundheitsschädliche oder verbotene Substanzen enthalten. Dies betrifft nicht nur Leistungssportler, sondern auch Freizeitsportler, die ihre Leistungsfähigkeit steigern möchten.
Wichtige Erkenntnisse
- Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten nicht deklarierte Dopingsubstanzen.
- Studien zeigen, dass bis zu 44,8 % der Produkte gefährliche Stoffe aufweisen.
- Die „Kölner Liste“ bietet eine sichere Orientierung für getestete Produkte.
- Irreführende „dopingfrei“-Siegel sind weit verbreitet und bedeuten oft wenig.
- Bei Mangelerscheinungen sind ärztlich verordnete Arzneimittel die sicherste Wahl.
Versteckte Gefahren: Unerlaubte Substanzen in Sportprodukten
Die Gefahr, durch kontaminierte Nahrungsergänzungsmittel unwissentlich gegen Anti-Doping-Regeln zu verstoßen, ist real. Ein bekanntes Beispiel war der Dopingskandal bei den Olympischen Winterspielen 2014, der vermutlich durch Methylhexanamin (DMAA) in einem importierten Nahrungsergänzungsmittel ausgelöst wurde. Solche Fälle sind keine Seltenheit.
Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) warnt regelmäßig vor diesen Risiken. Im Dezember 2021 berichtete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), dass fast die Hälfte der im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsplans (BÜp) untersuchten Pre-Workout-Booster aus Sport- und Fitnessgeschäften potenziell gesundheitsgefährdende Stoffe enthielten. Genauer gesagt waren es 44,8 % der Proben. Mehr als jede fünfte Probe (21,8 %) wies sogar mehrere dieser Substanzen auf.
Interessanter Fakt
Die am häufigsten nachgewiesenen Substanzen waren Dimethylaminoethanol (DMAE) und Synephrin. DMAE kann Muskelverspannungen, Zuckungen, Schlaflosigkeit und Magenschäden verursachen. Synephrin, oft in Kombination mit Koffein, kann zu schweren Herzschäden führen.
Eine US-Studie aus dem Juli 2023 warnte vor Pflanzenstoffen mit angeblich leistungssteigernden Eigenschaften in Sport-Nahrungsergänzungsmitteln. Die Studie stellte fest, dass 89 % der Etiketten die Inhaltsstoffe nicht korrekt angaben. Zudem enthielten 12 % der Produkte in den USA verbotene Inhaltsstoffe. Eine weitere Studie von Sport Integrity Australia, veröffentlicht im April 2025, zeigte, dass von 200 untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln etwa 35 % verbotene Substanzen enthielten. In 57 % dieser Fälle waren die verbotenen Substanzen nicht deklariert. Besonders betroffen waren Produkte, die als Pre-Workouts, Fatburner oder Muskelaufbaupräparate vermarktet werden.
Wie Doping-Kontaminationen entstehen
Die Kontamination von Nahrungsergänzungsmitteln kann verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet hierbei drei Haupttypen von Herstellern:
- Kriminelle Hersteller: Diese mischen bewusst Dopingsubstanzen bei, um die Wirkung zu verstärken.
- Riskante Hersteller: Hier erfolgt die Beimischung unbewusst, oft weil Hersteller die WADA-Verbots- und Monitoringliste nicht kennen oder ignorieren.
- Reguläre Hersteller: Trotz sorgfältiger Produktion können Kontaminationen durch unsaubere Rohstoffe oder während des Verarbeitungsprozesses auftreten.
Die Substanz Methylhexanamin (DMAA), seit 2010 von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verboten, war 2012 für 45 % aller Dopingfunde mit Stimulanzien verantwortlich. Auch heute noch taucht sie auf, wie im Januar 2025 bei Bobanschieber Simon Wulff, der nach eigenen Angaben ein Nahrungsergänzungsmittel eingenommen hatte und daraufhin vom Verband freigestellt wurde. Ähnlich gefährlich ist DMBA, das in zahlreichen Fitnessprodukten entdeckt wurde und starke Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System hat.
„Produkte mit nicht-deklarierten anabolen Steroiden wie Metandienon, Oxandrolon oder Stanozolol bergen ein großes gesundheitliches Risiko. Sie können zum Beispiel zu schweren Leberschäden, psychischen Veränderungen oder Herzproblemen führen.“
Die „Kölner Liste“: Ein Wegweiser zu mehr Sicherheit
Für Sportler, die Nahrungsergänzungsmittel nutzen möchten und gleichzeitig das Dopingrisiko minimieren wollen, bietet die „Kölner Liste“ eine wichtige Orientierung. Diese Service-Plattform, bereitgestellt vom Olympiastützpunkt Rheinland, testet Nahrungsergänzungsmittel und sportaffine Ernährungsprodukte auf Dopingsubstanzen.
Aktuell listet die Kölner Liste über 1.600 Produkte von mehr als 220 Anbietern, darunter auch Eigenmarken von Discountern und Drogeriemärkten. Produkte, die auf der Liste stehen, sind auf Dopingsubstanzen getestet, wodurch das Risiko, in eine Dopingfalle zu tappen, deutlich reduziert wird. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Kölner Liste keine generelle Empfehlung für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln darstellt, sondern lediglich eine Hilfe zur Auswahl sicherer Produkte ist.
Hintergrundinformation
Die Kölner Liste wurde entwickelt, um insbesondere Kader-Athleten vor unberechtigten Dopingvorwürfen zu schützen. Sie dient als wichtiges Instrument zur Risikominimierung im Leistungssport.
Irreführende „Dopingfrei“-Siegel und Zertifikate
Viele Nahrungsergänzungsmittel werben mit Aussagen wie „dopingfrei“, „drug free“ oder „regelmäßige Testung“. Solche „Siegel“ sollen Vertrauen schaffen, sind aber oft irreführend. Es ist entscheidend zu wissen, wer, worauf und wie häufig getestet hat. Häufig zeigen Prüfprotokolle lediglich, dass Schwermetalle, Pestizide oder Keimbelastungen unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen. Dies gehört jedoch zur normalen Qualitätskontrolle und sagt nichts über Dopingsubstanzen aus.
Auch das GMP-Zeichen (Good Manufacturing Process) oder DIN-Standards wie UNE-EN 17444 stehen für Qualitätsmanagement in der Produktion, garantieren aber nicht die Freiheit von Dopingsubstanzen. Die Aussage „WADA-konform“ ist ebenfalls problematisch, da weder die WADA noch die NADA Nahrungsergänzungsmittel prüfen oder Prüfzertifikate vergeben. Firmen, die dies behaupten, betreiben irreführende Werbung und sollten den Verbraucherzentralen gemeldet werden.
- Echte Laboruntersuchungen: Nur wenige Zertifizierer bieten begleitende Laboruntersuchungen an, darunter NSF’s Certified for Sport® (USA), Informed Sports (Großbritannien) und die Kölner Liste® (EU).
- Zollkontrollen: Importierte Nahrungsergänzungsmittel, die nicht EU-konform sind, können vom Zoll beschlagnahmt werden, da sie als nicht verkehrsfähig oder als nicht zugelassene Arzneimittel gelten können.
Arzneimittel als sicherere Alternative bei Mangelerscheinungen
Wenn tatsächlich Vitamin- oder Mineralstoffmangel vorliegt, rät die NADA allen Sporttreibenden, ausschließlich ärztlich verordnete Arzneimittel einzunehmen. Diese unterliegen im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln strengen Kontrollen und Auflagen. Alle Inhaltsstoffe müssen lückenlos in der Packungsbeilage aufgeführt sein, und es muss auf alle möglichen Nebenwirkungen hingewiesen werden. Die ärztliche Beratung stellt zudem sicher, dass eine Überdosierung vermieden wird.
Nahrungsergänzungsmittel im Sport gelten oft als Einstieg ins Doping. Sie fördern die sogenannte „Dopingmentalität“ nach dem Motto „Für jedes Problem gibt es ein Mittel“. Die NADA hat dazu einen Film erstellt, der den sicheren Umgang mit diesen Substanzen thematisiert und über die Risiken aufklärt.
Wichtiger Hinweis
Im Hochleistungsbereich machen nur wenige Sportarten die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wirklich nötig. Für den Breitensport gibt es spezifische Empfehlungen der Arbeitsgruppe Sporternährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Sportler sollten stets kritisch sein und sich umfassend informieren, bevor sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Die Risiken für die Gesundheit und die sportliche Karriere sind erheblich und oft unterschätzt.





