Die Suche nach schneller Leistungssteigerung und effektiver Fettverbrennung führt immer wieder zu riskanten Substanzen. Eine davon ist Dimethylamylamin (DMAA), auch bekannt als Methylhexanamin. Dieser Stoff, der oft in sogenannten Pre-Workout-Boostern zu finden ist, birgt erhebliche Gesundheitsrisiken und ist in Nahrungsergänzungsmitteln verboten. Trotzdem gelangt er weiterhin über den Online-Handel auf den deutschen Markt.
Wichtige Erkenntnisse
- DMAA ist in Nahrungsergänzungsmitteln verboten und steht auf der Dopingliste.
- Es kann Blutdruck erhöhen und Herz-Kreislauf-Probleme verursachen.
- Trotz Verbot sind DMAA-haltige Produkte online verfügbar.
- Ähnliche verbotene Substanzen wie DMBA und DMHA sind ebenfalls im Umlauf.
- Vorsicht beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln aus unsicheren Quellen.
Was ist DMAA und wie wirkt es?
DMAA, chemisch bekannt als 1,3-Dimethylamylamin oder Methylhexanamin, ist eine Substanz mit amphetaminähnlichen Effekten. Ursprünglich wurde es als Nasenspray medizinisch eingesetzt, findet aber heute keine Verwendung mehr als Medikament.
In der Fitnessbranche wird DMAA als Inhaltsstoff in Pre-Workout-Boostern beworben. Hersteller versprechen eine massive Ausdauersteigerung, verzögerte Muskelermüdung und sogar Unterstützung beim Fettabbau. Es soll das Nervensystem anregen, ähnlich wie Koffein, kann aber auch Gefäße verengen und den Blutdruck erhöhen.
Faktencheck DMAA
- Chemischer Name: 1,3-Dimethylamylamin (DMAA) oder Methylhexanamin
- Wirkung: Stimulierend auf das Nervensystem, ähnlich Amphetaminen
- Behauptete Vorteile: Leistungssteigerung, Fettverbrennung, verzögerte Muskelermüdung
- Risiken: Erhöhter Blutdruck, Herzinfarkte, Hirnschläge
- Status: In Nahrungsergänzungsmitteln verboten, auf WADA-Dopingliste
Warum die Gefahr so groß ist
Die Risiken von DMAA sind nicht zu unterschätzen. Studien zeigen, dass bereits eine Dosis von 75 Milligramm pro Tag zu einem vorübergehend deutlich erhöhten Blutdruck führen kann. In Kombination mit Koffein könnte eine dauerhafte Einnahme sogar eine chronische Blutdruckerhöhung zur Folge haben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt eindringlich vor diesen Produkten, insbesondere für Personen mit bekanntem Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
"DMAA steht im Verdacht, besonders in Kombination mit Koffein, den Blutdruck chronisch zu erhöhen. Auch das Risiko für Herzinfarkte und Hirnblutungen kann steigen."
Das Verbot und seine Umgehung
Wegen der schwerwiegenden Nebenwirkungen ist DMAA als Zusatz in Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland und der gesamten Europäischen Union verboten. Auch in den USA wurde es bereits 2013 von der Food and Drug Administration (FDA) untersagt. Seit 2010 führt die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Methylhexanamin namentlich auf ihrer Liste der im Wettkampf verbotenen Stimulanzien.
Hintergrund: Doping und Handel
Im Jahr 2014 spielte Methylhexanamin eine Rolle bei einem deutschen Dopingfall während der Olympischen Winterspiele. Dies unterstreicht die Relevanz des Stoffes im Leistungssport. Trotz des Verbots gelangen DMAA-haltige Produkte weiterhin über den Online-Handel nach Deutschland. Das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) meldet regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel mit unerlaubten Zusätzen von DMAA, oft in Kombination mit weiteren bedenklichen oder verbotenen Substanzen wie Yohimbe oder Rauwolfia.
Versteckte Inhaltsstoffe und falsche Deklaration
Ein großes Problem ist die oft fehlende oder irreführende Kennzeichnung. DMAA wird manchmal nicht direkt auf der Zutatenliste aufgeführt, sondern tarnt sich unter Namen wie "Geranienwurzelextrakt" oder "Geranium Oil". Es bestehen jedoch Zweifel, ob DMAA überhaupt natürlicherweise in Geranien vorkommt. Verbraucher kaufen diese Produkte oft unwissentlich und setzen sich unnötigen Risiken aus.
Die FDA warnte erst im November 2024 vor "Thermo Schock", einem zur Gewichtsabnahme beworbenen Produkt, das nicht deklariertes 1,3-DMAA und Synephrin enthielt. Auch in sogenannten "Gehirn-Boostern" oder "Nootropics" ist DMAA aufgetaucht, wie die FDA im März 2025 mit der Warnung vor "Bio-LIT" zeigte.
Die Nachfolger: DMBA und DMHA
Nach dem Verbot von DMAA tauchten schnell ähnliche Substanzen auf dem Markt auf, die eine vergleichbare Wirkung versprechen. Dazu gehören 1,3-Dimethylbutylamin (DMBA) und 1,5-Dimethylhexylamin (DMHA), auch bekannt als Octodrine.
- DMBA: Diese künstliche Substanz hat keine Zulassung als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel und wurde nie legal an Menschen getestet. Sie wird oft in "AMP Citrat"-Produkten verwendet. Verbraucher berichteten nach der Einnahme von Unruhe, Bewegungsdrang und gesteigerter Aufmerksamkeit. Die WADA hat DMBA 2018 in ihre Dopingliste aufgenommen. Der Verkauf und die Weitergabe sind verboten, doch Online-Händler versuchen, dies mit Hinweisen wie "Nur zu Forschungszwecken" zu umgehen.
- DMHA: Ähnlich wie DMAA ist DMHA eine amphetaminverwandte Substanz. Die FDA stuft sie als unsicher ein, und Produkte, die DMHA enthalten, gelten als "verfälscht". Im Jahr 2016 gab es den ersten positiven Dopingbefund mit Octodrine, und 2020 wurde es offiziell in die WADA-Liste der verbotenen Substanzen aufgenommen.
Die Gemeinsame Zentralstelle "Kontrolle der im Internet gehandelten Erzeugnisse des LFGB und Tabakerzeugnisse" (G@ZIELT) des BVL führt regelmäßig Recherchen durch und identifiziert zahlreiche risikobehaftete Angebote im Online-Handel, die diese Stoffe enthalten.
Statistik zur Gefahr
Im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsplans wurden 2021 87 Pre-Workout-Booster untersucht. Das Ergebnis war alarmierend:
- 44,8 % der Proben enthielten potentiell gesundheitsgefährdende Stoffe.
- 21,8 % wiesen sogar mehrere dieser Stoffe auf.
Zu den gefundenen Substanzen gehörten DMAA, DMHA und DMAE (Dimethylaminoethanol), ein "neuartiges Lebensmittel" ohne Zulassung.
Wie Sie sich schützen können
Verbraucher sollten äußerst vorsichtig sein, wenn sie Nahrungsergänzungsmittel kaufen, insbesondere online. Die Versprechen von übermäßiger Leistungssteigerung oder schneller Fettverbrennung sind oft ein Warnsignal für Produkte, die illegale oder bedenkliche Substanzen enthalten könnten.
Es ist ratsam, Produkte zu meiden, die verbotene Substanzen wie DMAA oder DMBA enthalten. Informieren Sie sich auf offiziellen Portalen wie www.lebensmittelwarnung.de oder den Homepages der Verbraucherzentralen und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Kaufen Sie Nahrungsergänzungsmittel ausschließlich aus sicheren und vertrauenswürdigen Quellen.
Der beste Weg zu Fitness und Gesundheit bleibt eine ausgewogene Ernährung und regelmäßiges, sicheres Training, ohne auf fragwürdige Substanzen zurückzugreifen.





