Nahrungsergänzungsmittel mit Chitosan werden oft als Wundermittel zum Abnehmen oder zur Senkung des Cholesterinspiegels beworben. Doch eine genaue Betrachtung der wissenschaftlichen Fakten zeigt: Die versprochenen Effekte sind größtenteils nicht belegt oder nur minimal. Verbraucher sollten daher vorsichtig sein und sich nicht von Marketingversprechen blenden lassen.
Wichtige Erkenntnisse
- Keine Beweise für Gewichtsreduktion: Wissenschaftliche Studien belegen keine signifikante Gewichtsabnahme durch Chitosan.
- Minimale Cholesterinwirkung: Chitosan kann zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beitragen, senkt aber keine erhöhten Werte effektiv.
- Allergierisiko: Personen mit Krusten- oder Schalentierallergien sollten tierisches Chitosan meiden.
- Wechselwirkungen: Chitosan kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine und Medikamente beeinträchtigen.
Was steckt hinter dem Hype um Chitosan?
Chitosan-Produkte sind als „Fettblocker“ in Apotheken, Reformhäusern und Supermärkten erhältlich. Sie werden meist als Medizinprodukte vermarktet, was bedeutet, dass sie nicht den strengen Regeln für Lebensmittel unterliegen. Die Hersteller werben damit, dass Chitosan das bis zu Achtfache seines Eigengewichts an Nahrungsfett binden kann. Diese Wirkung soll angeblich nur in Kombination mit einer kalorienreduzierten Diät eintreten.
Ein genauer Blick auf die Studienlage offenbart jedoch Ernüchterndes. Ein umfassender Cochrane-Review aus dem Jahr 2022 kam zu dem Schluss, dass die Gewichtsreduktion durch Chitosan minimal und klinisch nicht relevant ist. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehör (EFSA) hat bereits 2011 einen Antrag auf einen Health Claim zur Gewichtsreduktion durch Chitosan abgelehnt. Die Begründung war klar: Die Wirkung ist nicht bewiesen, und solche Angaben sind irreführend.
Faktencheck Chitosan
- Herkunft: Chitosan wird aus Chitin gewonnen, hauptsächlich aus den Schalen von Garnelen und Krabben.
- Chemische Struktur: Es ist ein Polyaminosaccharid, auch als Polyglucosamin bekannt.
- Zugelassene Mengen: Für die Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels sind 3 Gramm Chitosan pro Tag notwendig.
Chitosan und der Cholesterinspiegel
Obwohl die Gewichtsreduktion fraglich ist, gibt es eine zulässige gesundheitsbezogene Angabe: „Chitosan trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels bei.“ Dies gilt allerdings nur bei einer täglichen Aufnahme von 3 Gramm Chitosan. Es ist wichtig zu verstehen, dass dies nicht bedeutet, dass Chitosan einen erhöhten Cholesterinspiegel senkt oder als Ersatz für Medikamente dient. Eine effektive Senkung des Cholesterinspiegels wird primär durch eine angepasste Ernährung und Lebensweise erreicht.
„Um ihre Herzgesundheit zu verbessern, müsste z.B. eine 100 Kilogramm schwere Person mindestens 5 bis 10 Kilogramm verlieren. Mit Chitosan ist das Studien zufolge wahrscheinlich nicht möglich.“
Worauf Verbraucher achten sollten
Die Einnahme von Chitosan ist nicht ohne Risiken. Besonders Personen mit einer Krusten- oder Schalentierallergie müssen vorsichtig sein, da tierisches Chitosan gefährlich sein kann. Ein entsprechender Warnhinweis muss auf den Produkten vorhanden sein. Auch Menschen mit Hausstaubmilbenallergie sollten achtsam sein.
Da Chitosan ein Quellstoff ist, ist es essenziell, während des Tages ausreichend zu trinken – etwa 2 bis 3 Liter. Dies hilft, mögliche Verdauungsbeschwerden zu minimieren.
Mögliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen
Ein großes Problem bei der Einnahme von Chitosan ist die potenzielle Beeinträchtigung der Aufnahme wichtiger Nährstoffe und Medikamente. Chitosan bindet Nahrungsfette, was die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) und essentiellen Fettsäuren verhindern kann. Aus diesem Grund wird empfohlen, Chitosan nur zu zwei von drei Hauptmahlzeiten einzunehmen.
Wichtige Hinweise zur Einnahme
- Abstand zu Medikamenten: Halten Sie mindestens vier Stunden Abstand zwischen der Einnahme von Chitosan und anderen Medikamenten, einschließlich der Antibabypille.
- Vorsicht bei Vorerkrankungen: Bei Verdauungsbeschwerden, Refluxkrankheit, Gastritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Darmpolypen sollte auf Chitosan verzichtet werden.
- Ärztlicher Rat: Bei Diabetes, Epilepsie oder Einnahme von Blutverdünnern ist vor der Anwendung ein Arzt oder Apotheker zu konsultieren.
Unerwünschte Wirkungen wie Verstopfung, Blähungen und Glukoseintoleranz sind ebenfalls möglich. Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte unbedingt ärztlichen Rat einholen. Die Hemmung der Aufnahme bestimmter Medikamente kann schwerwiegende Folgen haben.
Pflanzliche Alternativen und die Herkunft von Chitosan
Die meisten Chitosanprodukte sind tierischen Ursprungs. Für Vegetarier und Veganer gibt es jedoch auch pflanzliche Alternativen, die aus Pilzen gewonnen werden. Produkte mit „Chitosanextrakt aus Agaricus bisporus (Zuchtchampignon)“ oder „Chitosanextrakt aus Aspergillus niger (Schwarzschimmel)“ sind als neuartige Lebensmittelzutaten zugelassen.
Auch Chitin-Glucan aus Aspergillus niger und ein Chitin-Glucan-Komplex aus Fomes fomentarius (Zunderschwamm) sind für Nahrungsergänzungsmittel erlaubt, jeweils bis zu 5 Gramm pro Tag. Wer auf tierische Produkte verzichten möchte, sollte auf entsprechende Hinweise wie „für vegetarische/vegane Ernährung geeignet“ achten.
Wie Chitosan im Körper wirken soll
Chitosan soll im Magen aufquellen und ein Gel bilden. An dieses Gel werden Nahrungsfette, andere fettlösliche Stoffe und Gallensäuren gebunden. Diese gebundenen Stoffe werden dann unverdaut ausgeschieden. Die Hersteller behaupten, dass täglich 20-25 Gramm Nahrungsfett gebunden werden können.
Dies entspricht jedoch nur etwa einem Sechstel der durchschnittlichen täglichen Fettaufnahme in Deutschland und ist daher zu wenig, um einen relevanten Effekt auf das Körpergewicht zu erzielen. Es ist zudem unklar, ob die im Reagenzglas beobachtete Bindungsfähigkeit in gleichem Umfang auch im menschlichen Körper stattfindet.
Fazit: Skepsis ist angebracht
Die Studienlage zu Chitosan ist insgesamt eher dünn. Zwischen 1996 und 2016 wurden neun Studien durchgeführt, von denen nur eine als qualitativ hochwertig eingestuft wurde. Selbst in den als „erfolgreich“ bewerteten Studien mussten die Teilnehmer gleichzeitig eine strenge Diät einhalten. Langfristig ist eine Gewichtsreduktion von maximal 500 Gramm realistisch, was für die meisten Menschen klinisch irrelevant ist.
Hersteller sind sich dieser Situation bewusst. Daher finden sich in den Gebrauchsinformationen oft Formulierungen wie „in Verbindung mit einer ausgewogenen, fettnormalisierten Ernährung und Bewegung“ oder „zur Unterstützung einer Reduktionsdiät“. Diese Hinweise verschleiern die mangelnde Eigenwirkung des Chitosans. Verbraucher sollten sich nicht von solchen Formulierungen täuschen lassen und stattdessen auf bewährte Methoden zur Gewichtsreduktion und Cholesterinsenkung setzen: eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung.





