Kudzu, eine asiatische Hülsenfruchtpflanze, wird zunehmend als Nahrungsergänzungsmittel beworben. Hersteller versprechen vielfältige Wirkungen, von der Linderung von Wechseljahresbeschwerden bis hin zur Unterstützung bei der Alkohol- und Rauchentwöhnung. Doch die wissenschaftliche Beweislage ist dünn, und Experten warnen vor möglichen Gesundheitsrisiken, insbesondere bei langfristiger Einnahme und in bestimmten Risikogruppen.
Wichtige Erkenntnisse
- Kudzu-Nahrungsergänzungsmittel werden für verschiedene Zwecke beworben, darunter die Linderung von Wechseljahresbeschwerden und die Unterstützung bei Entwöhnung.
- Wissenschaftliche Studien, die diese Wirkungen belegen, sind bisher unzureichend oder fehlen ganz.
- Kudzu enthält Isoflavone, die dem menschlichen Hormon Östrogen ähneln und bei hoher Dosierung gesundheitliche Risiken bergen können.
- Besondere Vorsicht ist geboten bei Frauen mit östrogenabhängigem Krebs, Schwangeren, Stillenden und Kindern.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten gegen Diabetes, Brustkrebs und rheumatoide Arthritis sind möglich.
Was steckt hinter der Werbung für Kudzu?
Kudzu-Produkte werden oft mit vielversprechenden Aussagen beworben. Man liest von einer verbesserten Durchblutung, einer Hilfe für die Verdauung oder einer Linderung von Wechseljahresbeschwerden. Auch Sportler sollen von einer Reduzierung von Muskelschmerzen profitieren. Besonders prominent ist die Behauptung, Kudzu könne bei der Alkohol- und Rauchentwöhnung unterstützen.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird der Kudzu-Bohne tatsächlich eine Reihe von Wirkungen zugeschrieben, darunter blutzuckerregulierende und cholesterinsenkende Eigenschaften. Auch bei Erkältungen oder Nackenschmerzen kommt sie dort traditionell zum Einsatz. Diese traditionellen Anwendungen sind jedoch nicht gleichzusetzen mit wissenschaftlich belegten Effekten in modernen Nahrungsergänzungsmitteln.
Faktencheck Kudzu
- Traditionelle Nutzung: In der TCM seit Jahrhunderten verwendet.
- Moderne Werbung: Verspricht Besserung bei Wechseljahresbeschwerden, Entwöhnung, Muskelschmerzen.
- Wissenschaftliche Studien: Bisher unzureichend, um beworbene Wirkungen zu belegen.
Fehlende wissenschaftliche Belege
Die meisten Werbeaussagen basieren auf traditionellen Überlieferungen und nicht auf fundierten wissenschaftlichen Studien am Menschen. Erste kleinere Studien, die in einigen Internetportalen zitiert werden, reichen nicht aus, um eine wissenschaftliche Beweiskraft zu erbringen. Zudem beziehen sich diese Studien nicht immer auf die spezifischen Extrakte, die in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden. Hier gibt es keine standardisierten Verfahren.
Eine systematische Untersuchung zu Wechseljahresbeschwerden konnte beispielsweise keinerlei Vorteil für Kudzu feststellen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Werbeaussagen, die arzneiliche Wirkungen beschreiben, für Nahrungsergänzungsmittel gesetzlich nicht zulässig sind. Diese Produkte gehören zur Kategorie der Lebensmittel und dürfen keine Heilversprechen machen.
Risiken und Wechselwirkungen von Kudzu
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass ein gesundheitliches Risiko, insbesondere bei längerfristigem Verzehr von Kudzu-Wurzeln und deren Zubereitungen, nicht ausgeschlossen werden kann. Der oft gehörte Satz "rein pflanzlich ist harmlos" trifft hier nicht zu. Es gibt viele ungeklärte Fragen bezüglich der Sicherheit und Wirkung von Kudzu.
Ungeklärte Fragen
Experten identifizieren mehrere Bereiche, in denen weitere Forschung nötig ist:
- Gibt es Wechselwirkungen mit bestimmten Enzymen und Arzneistoffen?
- Ab welchem Dosierungsbereich treten pharmakologische und toxische Wirkungen auf?
- Welche östrogenen Effekte haben die enthaltenen Isoflavone?
- Wie beeinflusst Kudzu Wachstums- und Schilddrüsenhormone?
- Wie ist die Wirkung zusammen mit Alkohol?
Bei der Einnahme von Kudzu-Wurzel-Extrakten, wie sie in Nahrungsergänzungsmitteln vorkommen, werden oft große Mengen an Isoflavonen aufgenommen. Die übliche tägliche Aufnahme von Isoflavonen aus der normalen Ernährung liegt bei etwa 2 mg. Mit Kudzu-Präparaten können jedoch 290 mg bis zu 1.000 mg Isoflavone pro Tag zugeführt werden. Das entspricht einer 100- bis 500-fach erhöhten Menge.
Es ist entscheidend, die vom Hersteller empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten. Nur für diese Menge haftet der Hersteller für die Sicherheit des Produkts. Einige Anwender berichten nach der Einnahme von Kreislaufproblemen, was ein weiteres Warnsignal darstellt.
Wer sollte Kudzu meiden?
Bestimmte Personengruppen sollten Kudzu-Produkte unbedingt meiden oder nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen:
- Frauen mit östrogenabhängigem Krebs: Frauen, die an einem Brust-, Gebärmutter- oder Eierstockkrebs erkrankt sind oder waren, sollten ohne fachärztliche Rücksprache keine Kudzu- oder andere isoflavonhaltige Nahrungsergänzungsmittel verwenden. Die östrogenähnliche Wirkung der Isoflavone könnte das Tumorwachstum beeinflussen.
- Schwangere und Stillende: Für diese Gruppen wird von der Verwendung abgeraten, da die Auswirkungen auf Fötus und Säugling nicht ausreichend erforscht sind.
- Kinder: Auch Kinder sollten keine Kudzu-Produkte erhalten.
"Rein pflanzlich" bedeutet nicht immer "harmlos". Bei der Verwendung von Kudzu-Wurzel-Extrakten werden oft 100- bis 500-fach erhöhte Mengen an Isoflavonen aufgenommen, was gesundheitliche Risiken birgt."
Medikamentenwechselwirkungen beachten
Kudzu kann Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten haben. Personen, die Medikamente gegen Diabetes, Tamoxifen (gegen Brustkrebs) oder Methotrexat (gegen rheumatoide Arthritis) einnehmen, sollten auf Kudzu verzichten. Es sind auch Wechselwirkungen mit weiteren Medikamenten möglich; im Zweifelsfall sollte immer ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.
Ein Fall von Leberintoxikation wurde nach der Einnahme eines Kombi-Produkts aus Kudzu und Mistel gemeldet. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, vorsichtig zu sein und die Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln genau zu prüfen.
Was ist Kudzu und welche Inhaltsstoffe sind relevant?
Kudzu (Pueraria lobata), auch Kudzu-Bohne oder Kopouwurzel genannt, ist eine Hülsenfruchtpflanze aus Asien. Ihre Wurzeln können sehr lang und bis zu 35 Kilogramm schwer werden. Sie enthalten Stärke und werden in Japan traditionell gegart gegessen oder zur Herstellung von Nudeln und als Verdickungsmittel verwendet.
Die Kudzu-Wurzel an sich gilt in der EU als normales Lebensmittel. Als Nahrungsergänzungsmittel wird meist gefriergetrocknetes Wurzelpulver in Kapselform angeboten. Es gibt aber auch undefinierte Wurzel-Extrakte oder Wurzel-Trockenextrakte auf dem Markt. Wässrige Extrakte aus Wurzel, Blüten oder Blättern sind in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt, gelten dort aber nicht als neuartig im Sinne der Novel-Food-Verordnung.
Zulassung von Kudzu-Produkten
- Kudzu-Wurzel (Stärke): Normales Lebensmittel in der EU.
- Wässrige Extrakte: Erlaubt in Nahrungsergänzungsmitteln, nicht als Novel Food eingestuft.
- Alkoholische Extrakte: Gelten als neuartig und sind ohne Zulassung verboten.
- Trockenextrakte: Ein BGH-Urteil von 2015 stufte einen Trockenextrakt als neuartig ein und verhängte ein Verkaufsverbot.
Die Verkehrsfähigkeit von Kudzu-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln wird in Deutschland durch die Lebensmittelüberwachung der Bundesländer stichprobenartig kontrolliert. Verbraucher, die Fragen zur Sicherheit eines Produkts haben, können sich an ihre lokale Lebensmittelüberwachungsbehörde wenden.
Im Jahr 2024 fielen Kudzu-Nahrungsergänzungsmittel aus China im europäischen Schnellwarnsystem RASFF wegen zu hoher Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) auf, die gesundheitsschädlich sind.
Die Rolle der Isoflavone
Die Hauptwirkstoffe in der Kudzu-Wurzel sind sogenannte Isoflavone, insbesondere Daidzein, Puerarin und Daidzin. Isoflavone sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die auch in Sojabohnen und Rotklee vorkommen. Ihre chemische Struktur ähnelt dem menschlichen Hormon Östrogen, weshalb sie auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden.
Wie bereits erwähnt, kann die Einnahme von Kudzu-Wurzel-Extrakten zu einer erheblich erhöhten Isoflavon-Aufnahme führen. Diese hohe Zufuhr ist der Hauptgrund für die Bedenken hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Auswirkungen, insbesondere bei Personen mit hormonabhängigen Erkrankungen.
Gesunde Alternativen und Fazit
Anstatt auf unzureichend erforschte Nahrungsergänzungsmittel zu setzen, empfiehlt es sich, auf eine pflanzenreiche und abwechslungsreiche Ernährung zu achten. Eine ausgewogene Kost, die bei guter Verträglichkeit auch Sojaprodukte enthalten kann, liefert nicht nur Phytoöstrogene, sondern auch viele andere wertvolle Nährstoffe wie sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Diese natürliche Aufnahme ist in der Regel sicherer und förderlicher für die Gesundheit.
Die Werbeversprechen rund um Kudzu-Nahrungsergänzungsmittel stehen oft im Widerspruch zur aktuellen wissenschaftlichen Datenlage. Angesichts der ungeklärten Fragen zu Dosierung, Wechselwirkungen und möglichen Risiken, insbesondere für vulnerable Gruppen, ist Vorsicht geboten. Eine fachärztliche Beratung ist unerlässlich, bevor solche Produkte eingenommen werden, um potenzielle Gesundheitsgefahren zu minimieren.





