Immer wieder erhalten Patienten in Arztpraxen Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel. Oftmals werden diese als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die selbst bezahlt werden müssen. Doch welche Regeln gelten hier eigentlich für Mediziner? Und wann sind solche Empfehlungen wirklich sinnvoll?
Wichtige Erkenntnisse
- Ärzte dürfen Nahrungsergänzungsmittel nicht direkt in der Praxis verkaufen.
- Kostenlose Proben sind laut Ärztekammer Nordrhein nicht erlaubt.
- Patienten sollten kritisch nach Notwendigkeit und Alternativen fragen.
- Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, keine Medikamente.
Nahrungsergänzungsmittel in der Arztpraxis: Ein genauer Blick
Es ist ein bekanntes Szenario: Während eines Arztbesuchs werden neben der eigentlichen Behandlung zusätzliche Leistungen angeboten. Hierzu gehören oft Bluttests zur Bestimmung des Vitaminspiegels oder Empfehlungen für spezifische Nahrungsergänzungsmittel. Manchmal erhalten Patienten sogar Proben direkt in der Praxis.
Grundsätzlich können Mediziner einen Nährstoffmangel durch Untersuchungen von Blut oder Urin, spezifische Symptome oder die Auswertung von Ernährungsprotokollen feststellen. Basierend darauf ist es ihnen erlaubt, Empfehlungen zur Ernährung oder zur Ergänzung des Speiseplans zu geben. Doch der direkte Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln oder deren Vermittlung während der Sprechzeiten ist in Arztpraxen nicht gestattet.
Faktencheck
Die Ärztekammer Nordrhein stellt klar: Das Auslegen von Flyern bestimmter Anbieter in Praxen ist nicht zulässig. Beschwerden von Verbrauchern betreffen besonders häufig orthopädische, gynäkologische und Augenarzt-Praxen.
Grauzonen und Interessenkonflikte
Manche Ärzte umgehen die Regeln, indem sie Produkte außerhalb der Sprechzeiten verkaufen oder als Vertriebspartner Provisionen erhalten. Dies wirft Fragen bezüglich möglicher Interessenkonflikte auf. Patienten sollten sich bewusst sein, dass eine Empfehlung nicht immer nur auf medizinischer Notwendigkeit basieren muss.
„Wenn ein Arzt ein ganz bestimmtes Produkt und nicht nur einen Nährstoff empfiehlt, sollten Patienten hellhörig werden.“
Diese Situation erfordert von Patienten ein hohes Maß an Wachsamkeit und die Bereitschaft, kritische Fragen zu stellen. Es geht um die eigene Gesundheit und das eigene Portemonnaie.
Wichtige Fragen vor der Einnahme
Wird Ihnen in der Arztpraxis zu einer Nahrungsergänzung geraten, ist es ratsam, eine Reihe von Fragen zu stellen. Dies hilft, die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Empfehlung zu beurteilen.
- Liegt tatsächlich eine Unterversorgung vor? Eine ärztliche Diagnose sollte immer die Grundlage sein. Bei einem festgestellten Mangel (Krankheit) ist oft ein Arzneimittel und kein Nahrungsergänzungsmittel die richtige Wahl.
- Könnte eine Ernährungsumstellung helfen? Oft lässt sich eine bessere Nährstoffversorgung auch durch eine gezielte Änderung der Ernährung erreichen. Eine Ernährungsberatung kann hier unterstützen und ist unter Umständen sogar verschreibungsfähig.
- Welche Inhaltsstoffe sind wichtig? Fragen Sie genau nach den empfohlenen Nährstoffen. Handelt es sich um Vitamine, Mineralstoffe oder Fettsäuren? Bei pflanzlichen Stoffen aus der Volksheilkunde gibt es als Nahrungsergänzungsmittel oft keinen nachgewiesenen Nutzen.
- Was sind die Kosten und die Bezugsquelle? Klären Sie, wo das Produkt erhältlich ist, wie viel es kostet und wie lange es eingenommen werden soll.
Wissenswertes
Nahrungsergänzungsmittel sind per Definition Lebensmittel. Sie sind nicht dazu gedacht, Krankheiten zu heilen oder zu lindern. Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Erwartungen an die Wirkung.
Vorsicht bei Produktproben
Manchmal werden in Arztpraxen kostenlose Proben von Nahrungsergänzungsmitteln verteilt. Dies ist laut der Ärztekammer Nordrhein nicht erlaubt. Solche Proben sind oft von hochpreisigen Produkten, da nur wenige Hersteller sich den Besuch von Vertretern in Praxen leisten.
Der einmalige Verzehr einer Probe hat in der Regel keinen messbaren Beitrag zur Verbesserung der Nährstoffversorgung. Eine eventuell wahrgenommene Wirkung dürfte eher einem Placebo-Effekt geschuldet sein.
Wenn Sie ein solches Produkt in Erwägung ziehen, fragen Sie nach den entscheidenden Zutaten. Oft kann das Team in einer Apotheke oder Drogerie bessere und preisgünstigere Alternativen vorschlagen.
Wann Misstrauen angebracht ist
Es gibt klare Anzeichen, bei denen Patienten besonders misstrauisch sein sollten:
- Nur ein einziges Produkt wird empfohlen: Wenn Ihnen suggeriert wird, dass nur ein bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel infrage kommt, das womöglich nur direkt in der Praxis oder einem bestimmten Reformhaus erhältlich ist.
- Fehlende Bedenkzeit: Lassen Sie sich immer die genauen Inhaltsstoffe nennen und bitten Sie um Bedenkzeit. Eine unabhängige Beratung in einer Apotheke kann Klarheit schaffen.
- Auffällige Fragen in der Apotheke: Wird in der Apotheke nach dem Namen der empfehlenden Arztpraxis gefragt, kann dies ein Hinweis auf Provisionssysteme sein.
- Falsche Behauptungen über Lebensmittel: Behauptungen, dass Böden und Lebensmittel heutzutage arm an Vitaminen und Mineralstoffen seien, stimmen nicht. Solche Aussagen sind sogar verboten.
Sprechen Sie mit dem Apothekenpersonal, um mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu klären. Das Team kann auch prüfen, ob es gleichwertige, preisgünstigere Alternativen gibt.
Zusätzlich können Patientenberatungsstellen der Ärztekammern oder Krankenkassen eine wertvolle Informationsquelle sein. Sie bieten unabhängige Beratung und helfen, fundierte Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen.





