Die geplante Abkehr vom vollständigen Verbrenner-Aus für Neuwagen ab 2035 in der Europäischen Union stößt auf scharfe Kritik von Wirtschaftsexperten. Während die offizielle Verkündung der neuen Pläne für den 16. Dezember erwartet wird, warnen Ökonomen bereits jetzt vor den möglichen negativen Folgen für die deutsche Automobilindustrie und den Klimaschutz.
Wichtige Punkte
- Geplantes Verbrenner-Aus ab 2035 könnte aufgeweicht werden.
- Ökonomen warnen vor falschen Signalen an die Industrie.
- Kritiker sehen keine Lösung für aktuelle Probleme der Autohersteller.
- Investitionen in Elektromobilität könnten gefährdet sein.
Kritik an der möglichen Kehrtwende
Seit dem 11. Dezember kursieren Gerüchte, dass der Flottengrenzwert von Null Gramm CO₂ ab 2035 gelockert werden könnte. Dies würde bedeuten, dass Neuwagen mit Verbrennungsmotoren auch nach 2034 weiterhin eine Erstzulassung erhalten könnten. Die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, äußerte sich in der Süddeutschen Zeitung kritisch zu dieser Entwicklung.
Sie betonte, dass eine solche Maßnahme weder die aktuellen Probleme der Autohersteller löse noch Industriearbeitsplätze in Deutschland sichere. Im Gegenteil, eine Verschiebung des Verbots könnte sogar unerwünschte Effekte hervorrufen. Schnitzer warnte eindringlich vor widersprüchlichen Signalen an die Industrie. Viele Unternehmen haben bereits erhebliche Summen in die Entwicklung alternativer Antriebe investiert.
„Eine Verschiebung des Verbots könnte sogar gegenteilige Effekte haben und widersprüchliche Signale an die Industrie senden.“
Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen
Kurzfristige Vorteile versus langfristige Interessen
Der vermeintliche Wettbewerbsvorteil deutscher Hersteller bei Verbrennungsmotoren sei allenfalls kurzfristig, so Schnitzer. Auch andere Ökonomen teilen diese Skepsis. Thomas Puls vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bezeichnete die Debatte als eine reine Symboldebatte. Er ist überzeugt, dass Elektroautos und Plug-in-Hybride bis 2035 für die meisten Anwendungen ohnehin die bessere Lösung darstellen.
Faktencheck
- 2035: Ursprünglich geplantes Ende für Verbrenner-Neuwagen in der EU.
- Null Gramm CO₂: Der Flottengrenzwert, der aufgeweicht werden soll.
- Investitionen: Viele Autohersteller haben bereits Milliarden in Elektromobilität investiert.
Technologische Rückstände und Doppelstrategien
Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sieht die Probleme deutscher Hersteller weniger im Verbrenner-Aus selbst. Er verweist stattdessen auf technologische Rückstände, besonders im Bereich der Batteriezellen. Dullien stellte die Frage, ob Konzernmanager eher kurzfristige Gewinne oder die langfristigen Interessen von Industrie und Beschäftigten verfolgten.
Anita Wölfl vom Ifo-Institut kritisierte die lange verfolgte Doppelstrategie zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen. Diese Strategie rechne sich auf Dauer nicht. Viele Hersteller haben ihre Investitionen in Benziner und Diesel bereits eingestellt. Neue Verbrennermodelle sind daher kaum noch zu erwarten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer klaren und zukunftsorientierten Strategie für die Automobilbranche.
Folgen für die Elektromobilität
Eine Aufweichung der Ziele könnte die Akzeptanz und den Ausbau der Elektromobilität in Europa verzögern. Verbraucher und Hersteller benötigen Planungssicherheit. Unklare politische Signale können Investitionen hemmen und Innovationen verlangsamen.
Hintergrund
Die Europäische Union hatte sich ursprünglich auf ein umfassendes Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2035 geeinigt. Ziel war es, die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor drastisch zu reduzieren und den Übergang zur Elektromobilität zu beschleunigen. Diese Entscheidung war Teil des ehrgeizigen europäischen Green Deals.
Ein Blick in die Zukunft der Mobilität
Die Debatte um das Verbrenner-Aus zeigt die Spannungen zwischen wirtschaftlichen Interessen, technologischem Fortschritt und Klimazielen auf. Während einige auf kurzfristige wirtschaftliche Vorteile hoffen, betonen andere die Notwendigkeit einer klaren, langfristigen Strategie für eine nachhaltige Mobilität. Die Entwicklung von Elektrofahrzeugen schreitet weltweit rasant voran, und viele Experten sehen darin die einzige zukunftsfähige Lösung.
Die kommenden Tage werden zeigen, welche Entscheidungen die EU treffen wird und wie diese die Zukunft der europäischen Automobilindustrie prägen werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Bedenken der Ökonomen gehört werden und eine kohärente Strategie für den Übergang zur Elektromobilität beibehalten wird.
Die Automobilindustrie steht vor einem epochalen Wandel. Eine klare Richtungsentscheidung ist entscheidend, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Klimaziele zu erreichen. Die Signale, die von der Politik ausgehen, sind dabei von größter Bedeutung für die Investitionsbereitschaft und Innovationskraft der Unternehmen.





