Fast acht von zehn Menschen in Deutschland nutzen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass viele Anwender grundlegende Fakten über diese Produkte nicht kennen. Dies betrifft insbesondere die Annahme, dass Nahrungsergänzungsmittel vor dem Verkauf umfassend geprüft oder als Arzneimittel wirken.
Wichtige Erkenntnisse
- 77 Prozent der Befragten nutzen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel.
- Jeder Zweite nimmt mindestens einmal pro Woche ein Produkt ein.
- 49 Prozent glauben fälschlicherweise an eine behördliche Prüfung vor dem Verkauf.
- 24 Prozent sehen Nahrungsergänzungsmittel als natürliche Arzneimittel.
- Vitamine und Mineralstoffe sind die beliebtesten Kategorien.
Verbreitung und Motivation der Nutzung
Die Nutzung von Nahrungsergänzungsmitteln ist weit verbreitet. Eine im Mai 2025 veröffentlichte Studie im Auftrag von Lebensmittelklarheit.de belegt, dass 77 Prozent der Befragten diese Produkte regelmäßig einnehmen. Mehr als die Hälfte, genauer gesagt über 50 Prozent, greift sogar mindestens einmal pro Woche zu einem Nahrungsergänzungsmittel. Diese Zahlen unterstreichen die enorme Bedeutung dieser Produkte im Alltag vieler Menschen.
Die Gründe für die Einnahme sind vielfältig. Knapp ein Fünftel der Befragten (21 Prozent) ist der Überzeugung, dass Nahrungsergänzungsmittel einfach zu einer gesunden Ernährung dazugehören. Diese Wahrnehmung führt dazu, dass viele Konsumenten sie als festen Bestandteil ihres Lebensstils betrachten.
Faktencheck: Nutzungshäufigkeit
- 77% nutzen Nahrungsergänzungsmittel regelmäßig.
- Über 50% nehmen sie mindestens einmal pro Woche ein.
Fehlannahmen und mangelndes Wissen
Trotz der hohen Nutzungsrate existiert ein erhebliches Informationsdefizit. Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) glaubt fälschlicherweise, dass Nahrungsergänzungsmittel vor dem Verkauf auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft werden. Diese Annahme ist problematisch, da es sich hierbei um Lebensmittel handelt, deren Regulierung anders ist als die von Arzneimitteln.
Ein weiteres Missverständnis betrifft die Inhaltsstoffe. Gut vier von zehn Befragten (41 Prozent) denken, dass Höchstmengen für die Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln gesetzlich vorgeschrieben sind. Dies trifft jedoch nicht zu, was zu Unsicherheiten bei der Dosierung und potenziellen Risiken führen kann.
"Viele Verbraucher sehen Nahrungsergänzungsmittel als eine Art natürliche Medizin, obwohl sie rechtlich als Lebensmittel eingestuft sind und keine heilende Wirkung beanspruchen dürfen."
Wahrnehmung als Arzneimittel
Ein Viertel der Befragten (24 Prozent) nimmt Nahrungsergänzungsmittel als eine Art natürliches Arzneimittel wahr. Dies ist eine kritische Fehlinterpretation, da Nahrungsergänzungsmittel weder zur Vorbeugung, Therapie noch zur Linderung von Krankheiten gedacht sind. Diese Funktionen sind ausschließlich Arzneimitteln vorbehalten. Solche falschen Vorstellungen können dazu führen, dass notwendige medizinische Behandlungen verzögert oder ersetzt werden.
Darüber hinaus sind 39 Prozent der Verbraucher überzeugt, dass Nahrungsergänzungsmittel helfen, gesund zu bleiben. 36 Prozent glauben sogar, sie könnten den Heilungsprozess bei Krankheiten unterstützen. Solche Werbeaussagen sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht erlaubt, finden sich aber dennoch oft.
Hintergrund: Rechtliche Einordnung
Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, keine Arzneimittel. Sie unterliegen dem Lebensmittelrecht und dürfen keine medizinischen Aussagen tätigen. Eine behördliche Zulassung oder Prüfung vor dem Inverkehrbringen ist in der Regel nicht erforderlich.
Beliebteste Produkte und Kauforte
Statistische Daten von Statista aus dem Jahr 2025 zeigen, welche Nahrungsergänzungsmittel am häufigsten gekauft werden. An der Spitze stehen Vitamine mit 61 Prozent, gefolgt von Mineralstoffen mit 36 Prozent. Proteine machen 28 Prozent aus, während Produkte auf Kräuterbasis 16 Prozent und pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel (z.B. Algenöl) 14 Prozent der Käufe ausmachen. Tierische Ergänzungsmittel wie Fischölkapseln oder Kollagen liegen bei 12 Prozent.
Top 5 der Nahrungsergänzungsmittel
- Vitamine (61%)
- Mineralstoffe (36%)
- Proteine (28%)
- Kräuter-Basis (16%)
- Pflanzliche Mittel (14%)
Laut dem Marktforschungsinstitut IQVIA, das Apotheken, Drogerien und Supermärkte analysiert, dominierten 2024 Mineralstoffe und Vitamine mit 45 Prozent den Markt. Produkte zur Stärkung des Immunsystems machten sieben Prozent aus, während sechs Prozent für Schlaf und Beruhigung bestimmt waren. Haarpflegeprodukte folgten mit vier Prozent.
Interessanterweise haben reine B-Vitamine, Vitamin A und Vitamin D die Multivitamine bei den Mineralstoffen abgelöst, während Magnesium-Nahrungsergänzungsmittel weiterhin führend sind.
Der Markt und seine Kanäle
Der Umsatz mit Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland zeigt ein starkes Wachstum. Zwischen Februar 2024 und Februar 2025 stieg er laut IQVIA um knapp 10 Prozent auf 4,28 Milliarden Euro. Apotheken dominieren dabei den Verkauf mit fast 80 Prozent des Umsatzes, was 3,41 Milliarden Euro entspricht. Davon entfallen zwei Drittel auf stationäre Apotheken und ein Drittel auf den Versandhandel. Der Massenmarkt, bestehend aus Drogerien und Supermärkten, macht 20,2 Prozent des Umsatzes aus (864 Millionen Euro).
Umsatzentwicklung
- Gesamtumsatz (Feb 2024 - Feb 2025): 4,28 Mrd. Euro.
- Wachstum: Knapp 10 Prozent.
- Apothekenanteil: Knapp 80%.
Diese Zahlen beinhalten jedoch nicht die Verkäufe über den Direktvertrieb, soziale Medien, eigene Internetshops und Online-Marktplätze. Hier zeigt sich ein deutlicher Trend zum Online-Kauf. Daten des Landesamtes für Statistik NRW vom Februar 2025 belegen, dass der Anteil der Online-Käufer von Nahrungsergänzungsmitteln innerhalb von drei Jahren von 15 Prozent (2021) auf 21 Prozent (2024) gestiegen ist. Dies deutet auf eine Verschiebung der Einkaufsgewohnheiten hin, die über die traditionellen Kanäle hinausgeht.
Nährstoffe aus Lebensmitteln: Eine Alternative
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass viele Nahrungsergänzungsmittel oft überflüssig sind. Die benötigten Nährstoffe lassen sich in der Regel einfach über eine ausgewogene Ernährung aufnehmen. Die Drehscheibe "Wellness, Gesundheit, Schönheit?" der Verbraucherzentrale informiert detailliert darüber, welche herkömmlichen Lebensmittel als Nährstoffquellen dienen und welche Portionsgrößen dafür empfehlenswert sind. Ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln kann den Bedarf an zusätzlichen Präparaten oft decken.
Es ist wichtig, sich kritisch mit den Versprechen der Hersteller auseinanderzusetzen und bei Unsicherheiten fachkundigen Rat einzuholen. Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung bleibt die Basis für das Wohlbefinden.





