Der Automobilkonzern Stellantis plant, seine ungenutzten Produktionskapazitäten in europäischen Werken zu nutzen, indem er Fahrzeuge für chinesische Partner wie Leapmotor und Dongfeng fertigt. Dies teilte Stellantis-Chef Antonio Filosa mit. Ziel ist es, Werksschließungen zu vermeiden und die Auslastung der bestehenden Standorte zu erhöhen. Diese Strategie unterscheidet sich deutlich vom Vorgehen anderer großer Konzerne in der Branche.
Wichtige Punkte
- Stellantis will europäische Werke mit chinesischen Partnermarken auslasten.
- Produktion für Leapmotor und Dongfeng soll Werksschließungen in Europa verhindern.
- Das Werk Figueruelas in Spanien produziert bereits den Leapmotor B10.
- Weitere Projekte sind in Madrid und Rennes-La Janais geplant.
- Stellantis strebt trotz dieser Partnerschaften eine Kapazitätsreduzierung an.
Strategiewechsel zur Kapazitätsauslastung
Stellantis steht vor der Herausforderung hoher Überkapazitäten in seinen europäischen Fabriken. Eine Analyse zeigt, dass die durchschnittliche Auslastung in Europa bei nur 46 Prozent liegt, verglichen mit 71 Prozent im Jahr 2017. Besonders betroffen sind 14 von 24 europäischen Werken, die unter einer Auslastung von 50 Prozent arbeiten. Statt auf Werksschließungen zu setzen, wie es andere Hersteller tun, verfolgt Stellantis einen neuen Ansatz. Der Konzern will die freigewordenen Kapazitäten für die Produktion von Fahrzeugen chinesischer Partnermarken nutzen.
Antonio Filosa, der Stellantis-Chef, äußerte sich am Rande des Pariser Autosalons. Er betonte, dass der Konzern keine Werke schließen wolle, obwohl er über überschüssige Produktionskapazitäten verfügt. Diese Strategie soll die Arbeitsplätze in Europa sichern und gleichzeitig die Effizienz steigern. Die Produktion für Partner soll dabei nicht direkt mit der Fertigung eigener Konzernmarken konkurrieren. Details zur genauen Abgrenzung wurden jedoch noch nicht bekannt gegeben.
Interessanter Fakt
Im italienischen Werk Cassino wurden 2025 laut Gewerkschaftsangaben nur 19.539 Fahrzeuge produziert. Die nominelle Kapazität liegt bei 285.000 Autos jährlich. Dies verdeutlicht das Ausmaß der bestehenden Überkapazitäten.
Spanien als Vorreiter für chinesische Produktion
Die Pläne von Stellantis sind in Spanien am weitesten fortgeschritten. Im Werk Figueruelas bei Saragossa, wo bisher Modelle wie der Peugeot 208 und der Lancia Ypsilon vom Band liefen, hat die Produktion des elektrischen SUV Leapmotor B10 begonnen. Leapmotor hat den Produktionsstart offiziell zum Pariser Autosalon bekannt gegeben. Diese Maßnahme ist Teil der im Mai angekündigten Partnerschaft zwischen Stellantis und Leapmotor.
Für die Produktion des Leapmotor B10 wurden in Figueruelas etwa 450 bis 500 neue Stellen geschaffen. Diese sind zunächst befristet auf sechs Monate bis ein Jahr. Ab dem Jahr 2028 könnte das Werk zusätzlich ein elektrisches Opel-SUV der Kompaktklasse auf einer neuen Produktionslinie fertigen. Dieses zukünftige Opel-Modell wird in Rüsselsheim entwickelt. Um Kosten zu senken, sollen Kernkomponenten der elektrischen Architektur und die Batterietechnik von Leapmotor stammen.
„Wir haben überschüssige Produktionskapazitäten, besonders in Europa, aber wir wollen keine Werke schließen.“ – Antonio Filosa, Stellantis-Chef.
Expansion nach Madrid und Frankreich
Ein weiteres spanisches Werk, Villaverde in Madrid, soll ebenfalls in die Strategie eingebunden werden. Dort endet absehbar die Fertigung des Citroën C4. Ab dem ersten Halbjahr 2028 soll in Villaverde ein zukünftiges Leapmotor-Modell entstehen. Dieses Modell ist für den Verkauf in Europa, dem Nahen Osten und Afrika vorgesehen. Der Modellname und genaue Stückzahlen sind noch nicht bekannt. Es wird sogar diskutiert, das Werk an die spanische Tochtergesellschaft von Leapmotor International zu übertragen. An diesem Joint Venture hält Stellantis 51 Prozent und Leapmotor 49 Prozent der Anteile.
Auch in Frankreich gibt es konkrete Überlegungen. Das Werk Rennes-La Janais, in dem derzeit nur der Citroën C5 Aircross produziert wird, könnte zukünftig Dongfeng-Elektroautos und -Hybride fertigen. Ein entsprechendes, nicht bindendes Memorandum of Understanding wurde im Mai unterzeichnet. Dieses Abkommen sieht ein von Stellantis geführtes europäisches Gemeinschaftsunternehmen vor, das Vertrieb, Fertigung, Einkauf und Engineering bündeln soll. Über dieses Joint Venture könnte auch Dongfengs Marke Voyah in ausgewählten Märkten vertrieben werden. Ein spezifisches Modell oder ein Starttermin für Rennes wurde offiziell noch nicht genannt, Medienberichte bringen jedoch den Voyah Courage ins Gespräch.
Hintergrundinformationen
Die Partnerschaft mit chinesischen Herstellern ist für Stellantis ein Weg, die Profitabilität zu steigern und gleichzeitig die ehrgeizigen Ziele für die Elektromobilität zu erreichen. Die Nachfrage nach Batteriefabriken in Europa ist hoch, um die Versorgung zu sichern und die „Made in Europe“-Vorgaben zu erfüllen.
Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Trotz der vielversprechenden Ankündigungen sind viele der Projekte noch Absichtserklärungen. Stellantis betont, dass Machbarkeitsstudien laufen und endgültige Verträge sowie Genehmigungen noch ausstehen. Es gibt keine Garantie, dass die Vorhaben wie beschrieben oder überhaupt umgesetzt werden. Diese Unsicherheit ist ein wichtiger Faktor, den es zu beachten gilt.
Die Strategie von Stellantis, Kapazitäten abzubauen und gleichzeitig die Auslastung zu erhöhen, mag widersprüchlich erscheinen. Der Konzern plant, die europäische Kapazität um mehr als 800.000 Fahrzeuge zu verringern und die Auslastung bis 2030 von 60 auf 80 Prozent zu steigern. Die Partnerschaften in Madrid, Saragossa und Rennes zählen dabei zu den Hebeln, um diese Kapazitätsanpassung zu erreichen. Für die deutschen Standorte Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern gibt es bisher keine Ankündigungen für eine Partnerfertigung.
Stellantis ist mit seinem Ansatz nicht allein. Auch Ford plant, sein schwach ausgelastetes Werk bei Valencia künftig gemeinsam mit Geely zu betreiben. Dies zeigt einen breiteren Trend in der Automobilindustrie, Partnerschaften einzugehen, um Überkapazitäten zu managen und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Integration chinesischer Marken in europäische Produktionsstätten könnte ein Modell für die Zukunft sein, um die Transformation der Automobilbranche zu gestalten.
- Effizienzsteigerung: Bessere Auslastung der bestehenden Werke.
- Kostenersparnis: Nutzung chinesischer Technologie für günstigere Komponenten.
- Marktzugang: Erschließung neuer Marktsegmente durch Partnermodelle.
- Arbeitsplatzsicherung: Vermeidung von Werksschließungen in Europa.





