Die europäische Automobilindustrie hat die CO₂-Grenzwerte für das Jahr 2025 knapp verfehlt. Laut dem International Council on Clean Transportation (ICCT) lagen die durchschnittlichen Emissionen bei 98 Gramm CO₂ pro Kilometer, was vier Prozent über dem angestrebten Ziel von 94 g CO₂/km liegt. Trotz dieser Überschreitung müssen die Hersteller vorerst keine Strafzahlungen leisten, da die EU eine Flexibilisierung der Regeln eingeführt hat.
Wichtige Erkenntnisse
- Autohersteller überschreiten CO₂-Ziel 2025 um vier Prozent.
- EU setzt vorerst keine Strafen durch Flexibilisierungsregelung aus.
- Volkswagen verfehlt sein Ziel am stärksten, plant aber Elektroauto-Offensive.
- Elektroautos sind die kostengünstigste Methode zur CO₂-Reduktion.
- Pooling-Optionen helfen Herstellern, Grenzwerte zu erreichen.
CO₂-Ziele: Ein Blick auf die aktuellen Zahlen
Der durchschnittliche Ist-Wert von 98 g CO₂/km liegt über dem Soll-Wert von 94 g CO₂/km. Diese Daten stammen vom ICCT, einer unabhängigen Forschungsorganisation. Die Europäische Union hat die ursprünglichen Strafzahlungen ausgesetzt. Eine neue Regelung, die sogenannte Flexibilisierung, erlaubt den Herstellern mehr Spielraum. Sie müssen den Grenzwert nicht in jedem einzelnen Jahr bis 2029 einhalten, sondern im Durchschnitt der Jahre 2025 bis 2027.
Diese Flexibilität bedeutet jedoch keinen Freifahrtschein. Unternehmen, die ihre Ziele 2025 verfehlen, müssen in den Folgejahren umso mehr nachholen. Der Druck auf die Hersteller wird sich bis 2030 erheblich verstärken, wenn das Limit auf nur noch 50 g CO₂/km sinkt. Dies erfordert einen massiven Ausbau der Elektroauto-Produktion.
Faktencheck CO₂-Grenzwerte
- 2020: 95 g CO₂/km (nach NEFZ)
- 2021-2024: 118 g CO₂/km (nach WLTP)
- 2025: 94 g CO₂/km (nach WLTP)
- 2030: 50 g CO₂/km (geplant)
Die Rolle des Volkswagen-Konzerns und anderer Hersteller
Der Volkswagen-Konzern verzeichnete 2025 das scheinbar schlechteste Ergebnis. Seine Flotte emittierte 102 g CO₂/km, während der individuelle Grenzwert bei 93 g CO₂/km lag. Dies entspricht einer Überschreitung von acht Prozent. Trotzdem ist das Unternehmen auf einem klaren Weg, die Reduktionsziele zu erreichen. Der Anteil von Elektroautos im Konzern betrug 2025 bereits 19 Prozent. Hinzu kommen elf Prozent Plug-in-Hybride, die statistisch mit sehr niedrigen CO₂-Werten berücksichtigt werden.
Andere Hersteller verfolgen unterschiedliche Strategien. Hyundai und Kia bilanzieren getrennt. Hyundai überschritt seinen Grenzwert von 94 g CO₂/km um sechs Prozent (100 g CO₂/km), während Kia mit 96 g CO₂/km nur zwei Prozent darüber lag.
„Die CO₂-Bilanz des Jahres 2025 zeigt, wie vielfältig die Autoindustrie unterwegs ist: Ihre Strategien zur Einhaltung der Vorgaben unterscheiden sich.“
Pooling als Ausweg
Einige Unternehmen nutzen die Möglichkeit des sogenannten Poolings. Dabei schließen sich Hersteller zusammen, um ihre durchschnittlichen CO₂-Werte zu verbessern. Nissan beispielsweise überschritt seinen Grenzwert deutlich mit 123 g CO₂/km. Durch ein Pooling mit dem chinesischen Hersteller BYD erreichte Nissan jedoch einen gemeinsamen Wert von 76 g CO₂/km. Dies zeigt, dass die EU-Regeln innovative Hersteller belohnen und andere zum Handeln zwingen.
Auch Stellantis, ein Konzern mit Marken wie Opel und Peugeot, hatte mit 107 g CO₂/km einen hohen Wert. Sie liegen damit weit über ihrem gewichtsbasierten Ziel von 96 g CO₂/km. Stellantis nutzt ein Pooling mit Tesla und Toyota, um die eigenen Emissionen auszugleichen. Tesla trägt dabei mit null Gramm CO₂/km zur Bilanz bei, da das Unternehmen ausschließlich Elektroautos produziert.
Messung der CO₂-Emissionen
Die CO₂-Emissionen eines Fahrzeugtyps werden auf einem Rollenprüfstand im Labor gemessen. Elektroautos fließen mit null Gramm in die Bilanz ein. Die EU reguliert auch die Fahrenergie, um sicherzustellen, dass die Stromquelle einen Beitrag zur Verbesserung leistet.
Elektroautos als Schlüssel zur CO₂-Reduktion
Die EU hat den CO₂-Flottenmechanismus so gestaltet, dass verschiedene Wege zur Reduktion möglich sind. Hersteller müssen abwägen, welche Maßnahmen am kostengünstigsten sind. In der Vergangenheit reichte oft die Optimierung von Verbrennungsmotoren oder die Einführung von Hybridfahrzeugen aus. Doch mit dem Grenzwert von 94 g CO₂/km im Jahr 2025 genügt dies selbst für Toyota nicht mehr.
Toyota, bekannt für seine sparsamen Hybridmodelle, muss nun verstärkt auf Elektroautos setzen. Der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen in Europa ist 2025 auf 19 Prozent gestiegen. Elektroautos gelten als die preisgünstigste Maßnahme, um die aktuellen und zukünftigen Ziele zu erreichen. Formal bleibt die EU dabei technologieoffen.
Herausforderungen für preisgünstige Marken
Während Premiumherstellern wie BMW die Produktion profitabler Elektroautos leichter fällt, stehen Marken wie Dacia vor größeren Herausforderungen. Dacia, erfolgreich mit preisgünstigen Modellen wie dem Sandero, muss ebenfalls elektrische Alternativen anbieten. Der CO₂-Wert von Dacia lag bei 113 g CO₂/km, während Renault im gemeinsamen Konzern 91 g CO₂/km erreichte. Dacia plant, bald ein elektrisches Pendant zum Renault Twingo vorzustellen.
Marktanteil Elektroautos 2025
Der Anteil von Elektroautos an den europäischen Neuzulassungen ist 2025 auf 19 Prozent gestiegen.
Ausblick: Die Antriebswende nimmt Fahrt auf
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen: Die Antriebswende in der Automobilindustrie ist im vollen Gange. Die Ziele für 2030, die eine Reduktion auf 50 g CO₂/km vorsehen, machen einen massiven Umstieg auf Elektromobilität unumgänglich. Auch wenn es einen Gesetzesentwurf gibt, der das CO₂-Ziel für 2035 von null auf elf Gramm anheben könnte, ändert dies nichts an der grundsätzlichen Richtung.
Für Verbraucher bedeutet dies eine immer größere Auswahl an Elektrofahrzeugen. Die Preise für Batterien sinken, was Elektroautos zunehmend erschwinglich macht. Wer einen Neuwagen plant, wird feststellen, dass die Elektromobilität die Zukunft ist. Es wird noch einige Jahre dauern, bis dies im Alltag vollständig spürbar wird, aber der Trend ist klar: Alles wird elektrisch.
Die Hersteller stehen unter hohem Druck, ihre Flottenemissionen zu senken. Die Flexibilisierungen der EU bieten kurzfristig etwas Luft, erhöhen aber den langfristigen Handlungsdruck erheblich. Die Investitionen in neue Elektroauto-Modelle, insbesondere im Kleinwagen-Segment, sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Branche die Herausforderung annimmt.





