Die Vereinten Nationen (UN) arbeiten an einem internationalen Regelwerk für den Umbau von Verbrennungsmotoren auf Elektroantrieb. Dieses Vorhaben, das von der Wirtschaftskommission für Europa (UNECE) koordiniert wird, zielt darauf ab, bis zum Jahr 2027 harmonisierte Vorschriften zu schaffen. Ein solches Regelwerk könnte den Prozess für viele Autobesitzer vereinfachen und die Dekarbonisierung des weltweiten Fuhrparks beschleunigen.
Wichtige Punkte
- Die UNECE entwickelt bis 2027 ein globales Regelwerk für den Umbau von Verbrennern auf Elektroantrieb.
- Das Regelwerk soll Mindestanforderungen für Umrüstkits und Leistungsstandards festlegen.
- Bisherige nationale Vorschriften sind fragmentiert, mit Frankreich als einzigem Land mit einem standardisierten Verfahren.
- Experten sehen im Umbau eine umweltfreundlichere und potenziell wirtschaftlichere Alternative zum Neuwagenkauf.
- Es ist noch unklar, ob private Tüftler und Selbstumrüster von den neuen Regeln profitieren werden.
Einheitliche Regeln sollen den Umbau erleichtern
Derzeit gibt es weltweit keine einheitlichen Standards für den Umbau von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu Elektroautos. Dies führt zu einem Flickenteppich an nationalen Vorschriften, der den Prozess kompliziert und teuer macht. In Deutschland beispielsweise erfordert jeder Umbau eine aufwendige Einzelabnahme durch Prüfstellen.
Die Arbeitsgruppe des Weltforums für Fahrzeugvorschriften, die unter dem Dach der UNECE agiert, hat sich zum Ziel gesetzt, diese Situation zu ändern. Ihre Aufgabe ist es, bis 2027 ein Regelwerk zu erarbeiten, das international anerkannte Mindestanforderungen definiert. Dies würde die Zulassung von Umrüstkits und umgebauten Fahrzeugen in allen teilnehmenden Ländern vereinfachen.
Wussten Sie schon?
Die UNECE-Regelungen werden von 64 Vertragsstaaten anerkannt, darunter alle EU-Länder, Großbritannien, Japan und Südkorea. Die meisten Typgenehmigungen und Prüfnormen für Fahrzeuge in Europa stammen von dort.
Herausforderungen für Tüftler und Werkstätten
Der aktuelle Entwurf des Regelwerks sieht vor, dass nur autorisierte Installateure die Umbauten durchführen dürfen. Dies könnte bedeuten, dass private Tüftler und Bastler, die ihren Verbrenner selbst umrüsten möchten, weiterhin auf individuelle nationale Abnahmen angewiesen wären.
In der Praxis haben sich Unternehmen, die den serienmäßigen Umbau in Deutschland versucht haben, bisher nicht durchsetzen können. Es existiert jedoch eine engagierte Szene von Tüftlern und kleinere Werkstätten, die solche Umbauten anbieten. Sie stehen oft vor erheblichen bürokratischen und technischen Hürden.
„Ein harmonisiertes Regelwerk könnte den Weg für eine breitere Akzeptanz von E-Umbauten ebnen und die Kosten für die Zulassung deutlich senken.“
Frankreich als Vorreiter im Standardisierungsversuch
Frankreich hat bereits 2020 ein eigenes, standardisiertes Zulassungsverfahren für Umrüstkits eingeführt. Trotz dieses Vorstoßes blieb der große Durchbruch in der Praxis bislang aus. Die Erfahrungen aus Frankreich könnten jedoch wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung des UN-Regelwerks liefern.
Die Arbeitsgruppe, die von Frankreich und Spanien geleitet wird, erhält Unterstützung von Ländern wie Schweden, Deutschland, Großbritannien, Japan und der Europäischen Kommission. Sie deckt alle Fahrzeugkategorien ab, von Motorrädern bis zu Lastkraftwagen.
Hintergrund: Die UNECE
Die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) ist eine von fünf regionalen Kommissionen des UN-Wirtschafts- und Sozialrats. Sie fördert die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Integration zwischen ihren Mitgliedstaaten und entwickelt unter anderem internationale Standards für den Straßenverkehr.
Potenzial für Klimaschutz und Wirtschaft
Der Bedarf an Alternativen zum Neuwagenkauf ist groß. Weltweit sind rund 1,4 Milliarden Pkw unterwegs, die meisten davon mit Verbrennungsmotor. Selbst bei einem sofortigen Verkaufsstopp von Verbrennern würde dieser Bestand noch Jahrzehnte auf den Straßen bleiben.
Der Umbau bestehender Fahrzeuge auf Elektroantrieb, auch Retrofit genannt, könnte einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leisten. Eine Studie der französischen Umweltbehörde ADEME aus dem Jahr 2021 zeigt, dass ein umgerüsteter Kleinwagen über seine Restlebensdauer 66 Prozent weniger CO₂ verursacht als ein weiter betriebener Diesel.
Umweltbilanz und Amortisation
Im Vergleich zu einem fabrikneuen Elektroauto schneidet ein umgerüsteter Kleinwagen ebenfalls besser ab, mit einer Reduzierung von 47 Prozent CO₂. Dies liegt daran, dass die energieintensive Produktion einer neuen Karosserie entfällt.
Eine Kosten-Nutzen-Analyse des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des SWR ergab, dass sich ein Umbau auch wirtschaftlich lohnen kann. Bei Umbaukosten von 12.000 bis 15.000 Euro und einer jährlichen Fahrleistung von 14.000 km amortisiert sich die Investition nach etwa sieben Jahren.
Die Entwicklung eines internationalen Regelwerks ist daher nicht nur ein wichtiger Schritt für die Standardisierung, sondern auch für die Förderung einer nachhaltigeren Mobilität weltweit. Das nächste Treffen der Arbeitsgruppe findet am 11. Juni statt, wo weitere Details besprochen werden.





