Die Vogelgrippe breitet sich in Deutschland und Europa weiter aus. Wildvögel, insbesondere Kraniche, sind dieses Jahr stark betroffen. Dies führt zu weitreichenden Schutzmaßnahmen für Nutzgeflügel, darunter eine Stallpflicht in vielen Regionen. Experten warnen vor einer ganzjährigen Bedrohung durch das Virus H5N1.
Wichtige Punkte
- Vogelgrippe-Virus H5N1 hat sich bei Wildvögeln etabliert und ist ganzjährig aktiv.
- In fast allen Bundesländern wurden bereits Fälle bei Wildvögeln festgestellt.
- Eine Stallpflicht für Geflügel wurde in gefährdeten Gebieten erlassen.
- Infizierte Nutzgeflügelbestände werden vollständig getötet.
- Für Menschen besteht nach aktuellem Stand kein relevantes Infektionsrisiko.
Vogelgrippe: Eine sich etablierende Bedrohung
Die Vogelgrippe, hervorgerufen durch das Virus H5N1, ist in diesem Herbst in fast allen deutschen Bundesländern bei Wildvögeln nachgewiesen worden. Besonders Kraniche sind von der aktuellen Welle betroffen. Die ersten Ausbruchswellen zwischen 2006 und 2020 waren eng mit dem herbstlichen Vogelzug verbunden. Mittlerweile deuten die Entwicklungen darauf hin, dass sich das Virus dauerhaft unter Wildvögeln festgesetzt hat. Dies bedeutet, dass das Infektionsrisiko nicht mehr saisonal begrenzt ist, sondern das ganze Jahr über besteht, mit Höhepunkten in den Herbst- und Wintermonaten.
Die anhaltende Präsenz des Virus stellt eine ernste Gefahr für Haus- und Nutzgeflügel dar. Um eine Übertragung zu verhindern, sind strikte Schutzmaßnahmen unerlässlich. Die Behörden reagieren auf die Ausbreitung mit verschiedenen Vorkehrungen, um die heimische Geflügelwirtschaft zu schützen.
Faktencheck Vogelgrippe H5N1
- Ganzjährige Bedrohung: Das Virus ist nicht mehr nur während des Vogelzugs aktiv.
- Hauptsächlich Wildvögel: Kraniche sind dieses Jahr besonders betroffen.
- Deutschlandweit: Fast alle Bundesländer melden Fälle bei Wildvögeln.
Schutzmaßnahmen für Nutzgeflügel im Fokus
Der Schutz von Nutztieren wie Legehennen, Masthähnchen, Gänsen und Enten hat oberste Priorität. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist, den Kontakt zwischen Nutz- und Wildvögeln zu unterbinden. Dies betrifft insbesondere Futter- und Wasserstellen. Landwirte müssen sicherstellen, dass Wildvögel keinen Zugang zu diesen Bereichen haben.
In vielen Regionen, die als Wildvogeldurchzugsgebiete gelten, wurde eine allgemeine Stallpflicht für Geflügel erlassen. Dazu gehören Bundesländer wie Niedersachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein, aber auch Nachbarländer wie die Niederlande. Diese Maßnahme soll die direkten Kontaktmöglichkeiten minimieren und somit das Risiko einer Ansteckung erheblich reduzieren.
Konsequenzen bei Ausbruch in Geflügelbeständen
Wird die Vogelgrippe in einem Geflügelbestand nachgewiesen, sind die Konsequenzen gravierend. Alle Tiere des betroffenen Bestandes müssen getötet werden, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Dies ist eine harte, aber notwendige Maßnahme zum Schutz der gesamten Geflügelwirtschaft.
Zusätzlich zur Tötung des Bestandes werden ein Sperrbezirk im Radius von 3 Kilometern und ein Beobachtungsgebiet im Radius von 10 Kilometern um den betroffenen Betrieb eingerichtet. Im Sperrbezirk gilt eine strikte Stallpflicht für alle Geflügelhalter. Im gesamten Beobachtungsgebiet, einschließlich des Sperrbezirks, dürfen weder Eier, frisches Fleisch noch Geflügel aus den Betrieben verkauft werden. Diese Regelungen dienen dazu, die Verbreitung des Virus einzudämmen und die Lebensmittelkette zu schützen.
Hintergrundinformationen zur Vogelgrippe
Die Vogelgrippe, auch aviäre Influenza genannt, ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die hauptsächlich Vögel befällt. Verschiedene Stämme des Virus existieren, wobei H5N1 als besonders virulent gilt. Die Übertragung erfolgt typischerweise über direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen. Wildvögel spielen eine zentrale Rolle bei der Verbreitung, da sie das Virus über weite Strecken tragen können.
Gefahr für Menschen und Lebensmittel
Eine häufig gestellte Frage betrifft die Gefahr für den Menschen. Nach aktuellem Wissensstand ist das Risiko einer Übertragung der Vogelgrippe auf den Menschen äußerst gering. Weltweit sind nur wenige Fälle bekannt, bei denen Menschen nach sehr engem Kontakt zu erkrankten oder toten Tieren infiziert wurden. Hierfür war die Aufnahme sehr großer Virusmengen notwendig.
Auch der Verzehr von Geflügelfleisch oder Eiern stellt keine Gefahr dar. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich Menschen über Lebensmittel mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert hätten. Das Virus ist hitzeempfindlich. Bei gut durcherhitzten Lebensmitteln sind gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht zu erwarten. Verbraucher können Geflügelprodukte weiterhin bedenkenlos genießen, sofern sie entsprechend zubereitet werden.
"Für Verbraucher besteht keine Gefahr beim Verzehr von Geflügelfleisch oder Eiern, da das Virus hitzeempfindlich ist und bei guter Durcherhitzung abgetötet wird.", so ein Sprecher der Verbraucherzentrale.
Umgang mit toten Wildvögeln
Wer einen toten Vogel findet, sollte vorsichtig sein. Von Singvögeln geht nach heutigem Kenntnisstand kein Risiko einer Übertragung der Vogelgrippe aus. Diese können mit einer Plastiktüte aufgenommen und im Hausmüll entsorgt werden. Anders verhält es sich bei größeren Vögeln wie Gänsen, Schwänen, Enten oder Greifvögeln. Der Fund solcher Tiere sollte immer dem zuständigen Veterinäramt oder der Polizei gemeldet werden. Dies ist wichtig, um eine mögliche Infektionsquelle zu identifizieren und weitere Maßnahmen einzuleiten.
Auswirkungen auf Preise und Verfügbarkeit
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft rechnet kurzfristig nicht mit Preissteigerungen für Geflügelfleisch oder Eier. Dies liegt an langfristigen Verträgen mit Händlern, die oft bereits für das kommende Jahr vereinbart sind. Engpässe bei Gänsebraten zu St. Martin oder Weihnachten sind ebenfalls unwahrscheinlich.
Lediglich 20 Prozent der in Deutschland verzehrten Gänse stammen aus deutscher Produktion. Der Großteil wird importiert. Daher ist die Entwicklung der Vogelgrippe in Ländern wie Ungarn oder Polen für die Verfügbarkeit von Gänsebraten deutlich entscheidender als die Situation in Deutschland. Die globale Lieferkette federt lokale Ausbrüche in der Regel ab.
- Keine Preiserhöhungen erwartet: Langfristige Verträge sichern die Preise.
- Gänseverfügbarkeit stabil: Deutschland importiert 80% seiner Gänse.
- Internationale Lage wichtiger: Die Situation in Ungarn und Polen beeinflusst die Verfügbarkeit stärker.
Die aktuelle Lage erfordert weiterhin Wachsamkeit und die konsequente Einhaltung der Schutzmaßnahmen. Die Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Behörden und der Öffentlichkeit ist entscheidend, um die Ausbreitung der Vogelgrippe einzudämmen und die Gesundheit von Tier und Mensch zu gewährleisten.





