Experten warnen eindringlich vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die Cassia fistula, auch bekannt als Indischer Goldregen, enthalten. Diese Produkte, oft als „Detox“- oder „Darmreinigungs“-Mittel beworben, können natürliche, aber potenziell krebserregende Substanzen enthalten und zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen, darunter Nierenversagen.
Wichtige Erkenntnisse
- Cassia fistula enthält Hydroxyanthracene, die als krebserregend gelten.
- Produkte mit Cassia fistula sind nicht für den Langzeitgebrauch geeignet.
- Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren sollten diese Mittel meiden.
- Wechselwirkungen mit Herzmedikamenten sind möglich.
- Ärztlicher Rat oder Apothekenberatung vor der Einnahme ist unerlässlich.
Indischer Goldregen: Traditionelles Mittel mit Risikopotenzial
Cassia fistula, in der ayurvedischen Medizin als Aragvadha bekannt, ist in verschiedenen Teilen der Welt ein traditionelles Heilmittel. Die Pflanze, die zu den Johannisbrotbaumgewächsen gehört, wird in Asien oft als Lebensmittel verzehrt, insbesondere die Fruchtpulpe. Diese Fruchtpulpe ist auch für ihre abführende Wirkung bekannt. Allerdings enthalten sowohl die Früchte als auch die Blätter der Pflanze sogenannte Hydroxyanthracene, auch Anthranoide genannt.
Diese Substanzen sind zwar wirksam bei Verstopfung, bergen jedoch erhebliche gesundheitliche Bedenken. Es ist wichtig zu beachten, dass die Samen des Indischen Goldregens giftig sind.
Wussten Sie schon?
Der Indische Goldregen (Cassia fistula) ist nicht zu verwechseln mit dem bei uns heimischen Goldregen (Laburnum), dessen sämtliche Pflanzenteile stark giftig sind.
Unklare Zusammensetzung in Nahrungsergänzungsmitteln
Für Nahrungsergänzungsmittel, die Cassia fistula enthalten, gibt es keine klare Definition, welcher Teil der Pflanze oder welche Pflanzenzubereitung genau verwendet wird. Recherchen zeigen, dass Hersteller oft Blätter, Blüten, Extrakte, Pulver oder sogar Cassia-Fistula-Öl einsetzen. Laut Gesetz dürfen Nahrungsergänzungsmittel, da sie als Lebensmittel gelten, keine pharmakologische Wirkung wie Arzneimittel haben.
Gefährliche Versprechungen: Detox und Darmreinigung
Anbieter von Cassia fistula-Produkten bewerben diese oft mit Aussagen wie „fließender Darm“, „natürlichstes Entgiftungs- und Abführmittel“ und „sanft und sicher“. Auf Plattformen wie YouTube finden sich Videos, die von „natürlicher Entgiftung und Darmreinigung“ oder sogar einer „Detox-Frucht und Krankheitskiller“ sprechen. Solche Behauptungen sind irreführend und rechtlich nicht zulässig.
Manche Befürworter empfehlen Cassia fistula sogar bei Fastenkrisen oder zur Unterstützung bei der Umstellung auf eine vegane Ernährung. Diese Versprechungen stehen im krassen Gegensatz zu den gesundheitlichen Risiken, die mit den Inhaltsstoffen verbunden sind.
„Abführmittel sind weder Schlankheitsmittel noch für ein überflüssiges, manchmal sogar gefährliches Detoxen geeignet.“
Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) warnte bereits 2013 vor der Langzeitanwendung und hohen Dosen von Hydroxyanthracenderivaten in Lebensmitteln aufgrund von Sicherheitsbedenken. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein vermeintlicher Gewichtsverlust durch Abführmittel lediglich auf Wasserverlust und erhöhte Stuhlmengen zurückzuführen ist, nicht auf echten Fettabbau.
Krebserregende Hydroxyanthracene und weitere Risiken
Hydroxyanthracene sind natürliche Substanzen, die als krebserregend und möglicherweise genotoxisch eingestuft werden. Sie kommen nicht nur in Cassia fistula vor, sondern auch in Pflanzen wie Aloe vera (Blätter), Sennes, Faulbaumrinde und Rhabarberwurzel. Seit Frühjahr 2021 sind anthrachinonhaltige Zubereitungen aus diesen Pflanzen in der EU verboten.
Hintergrundinformationen
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die Verwendung von anthranoidhaltigen Zubereitungen in Lebensmitteln, einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln, als ungeeignet eingestuft und empfiehlt, darauf zu verzichten. Die giftigen Hydroxyanthracene werden über die Nieren ausgeschieden, was bei übermäßigem Konsum zu einer starken Belastung dieses Organs führen kann.
Fallbeispiel: Nierenversagen nach Detox-Produkt
Eine junge, zuvor gesunde Patientin erlitt nach der Einnahme eines Detox-Produkts ein dauerhaftes Nierenversagen. Bei der Ursachenforschung entdeckten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, dass das Produkt Indischen Goldregen enthielt. Dieser tragische Fall unterstreicht die ernsthaften Gefahren, die von solchen unregulierten Produkten ausgehen können.
Bereits im September 2020 gab es im europäischen Schnellwarnsystem RASFF eine Warnmeldung zu Cassia fistula wegen des Gehalts an Hydroxyanthracenen. Zusätzlich zu den krebserregenden Eigenschaften sind Wechselwirkungen der Anthranoide mit wichtigen Herzmedikamenten, wie Herzglycosiden und Antiarrhythmika, bekannt. Dies stellt ein weiteres erhebliches Gesundheitsrisiko dar.
Weitere Verunreinigungen
Im Dezember 2021 wurden über das Europäische Schnellwarnsystem RASFF auch Verunreinigungen von Cassia fistula-Produkten mit dem krebserregenden Ethylenoxid bekannt. Diese zusätzlichen Verunreinigungen verstärken die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit dieser Nahrungsergänzungsmittel.
Wichtige Hinweise für Verbraucher
Nehmen Sie keine Produkte mit Cassia fistula ein, ohne zuvor ärztlichen Rat eingeholt oder sich in einer Apotheke beraten lassen zu haben. Die Produkte sind grundsätzlich für Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren ungeeignet. Sie eignen sich auch nicht für einen längeren Gebrauch. Eine unkontrollierte Dauereinnahme von Abführmitteln kann, unabhängig von den Anthranoiden, gesundheitsgefährdend sein.
Achten Sie stets auf die Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln und hinterfragen Sie aggressive Werbeversprechen kritisch. Ihre Gesundheit sollte immer an erster Stelle stehen.





