Volkswagen plant, ab 2026 ausschließlich elektrische Modelle im Kleinwagensegment anzubieten. Dies bestätigte Markenchef Thomas Schäfer in einem Interview. Die Entscheidung markiert einen klaren Strategiewechsel weg von Verbrennungsmotoren in dieser Fahrzeugklasse.
Wichtige Erkenntnisse
- Ab 2026 nur noch elektrische Kleinwagen von VW.
- Neue Modelle basieren auf dem MEB+-Baukasten.
- Einstiegspreise unter 25.000 Euro angestrebt.
- Eigene Batteriezellenproduktion in Salzgitter ab 2026.
Zukunft der Kleinwagen ist elektrisch
Thomas Schäfer, Markenchef von Volkswagen, hat die Weichen für die Zukunft der Kleinwagen gestellt. In einem Interview betonte er, dass es in diesem Segment keine neuen Modelle mit Benzin- oder Dieselmotor mehr geben wird. Die Gründe liegen in den verschärften Abgasregulierungen der Europäischen Union. Diese würden Verbrenner-Pendants in der Polo-Klasse unwirtschaftlich machen.
„Die Zukunft in diesem Segment ist elektrisch“, erklärte Schäfer. Volkswagen setzt auf eine neue Generation von Elektrofahrzeugen, die attraktive Alternativen mit guter Reichweite und einem überzeugenden Fahrerlebnis bieten sollen.
Faktencheck
- Start: Ab 2026 werden die ersten vollelektrischen Kleinwagen eingeführt.
- Modelle: VW ID. Polo und VW ID. Cross ab 2026, VW ID. Every1 ab 2027.
- Basis: Alle Modelle nutzen den neuen MEB+-Baukasten.
Der MEB+-Baukasten: Mehr Reichweite, schnellere Ladezeiten
Der neue MEB+-Baukasten bildet die technologische Grundlage für die kommenden Elektro-Kleinwagen. Er ist eine Weiterentwicklung des bestehenden Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB) und wurde 2023 erstmals vorgestellt. Dieser Baukasten verspricht deutliche Verbesserungen in mehreren Bereichen.
Potenzielle Reichweiten von bis zu 700 Kilometern sind in Aussicht gestellt. Auch die Ladeleistung soll steigen, auf Werte zwischen 175 und 200 kW. Dies bedeutet kürzere Ladezeiten für die Nutzer. Zudem ermöglicht der MEB+ den Einsatz günstigerer Batterietechnologien, wie etwa Cell-to-Pack mit LFP-Zellen (Lithium-Eisen-Phosphat).
„Neue Modelle mit Benziner in der Polo-Klasse und darunter noch einmal anzubieten, ergibt mit Blick auf die künftige Abgasregulierung keinen Sinn.“
Thomas Schäfer, Volkswagen Markenchef
Günstigere Einstiegspreise dank neuer Technologie
Ein entscheidender Vorteil des MEB+-Baukastens ist die Möglichkeit, Elektrofahrzeuge mit Einstiegspreisen von unter 25.000 Euro anzubieten. Dies soll die Elektromobilität für eine breitere Käuferschicht zugänglich machen und die Akzeptanz von E-Autos im Kleinwagensegment fördern.
Volkswagen ist sich bewusst, dass der Preis ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung ist. Durch die Effizienzsteigerungen und neue Batterietechnologien will der Konzern hier neue Maßstäbe setzen.
Hintergrund der Entscheidung
Die Europäische Union hat strenge Abgasnormen eingeführt, die die Entwicklung und Produktion von Verbrennungsmotoren im Kleinwagensegment zunehmend erschweren und verteuern. Für Hersteller wie Volkswagen ist es wirtschaftlicher, direkt auf Elektromobilität zu setzen, anstatt teure Anpassungen an Verbrennungsmotoren vorzunehmen, die in wenigen Jahren ohnehin verboten sein könnten.
Eigene Batteriezellenproduktion in Salzgitter
Um die Abhängigkeit von externen Zulieferern zu reduzieren und Kosten zu senken, investiert Volkswagen massiv in die eigene Batteriezellenproduktion. Ein Werk der Konzerntochter PowerCo SE in Salzgitter nimmt ab 2026 die Produktion auf.
Die dort entwickelten und gefertigten Zellen sollen zunächst in den Fahrzeugen der „Electric Urban Car Family“ zum Einsatz kommen. Dazu gehören Modelle von VW, Skoda und Cupra. Die ersten Batterien aus Salzgitter sind für den VW ID. Polo und den Cupra Raval vorgesehen, die ab 2026 in Spanien gefertigt werden.
Unabhängigkeit und Effizienz als Ziel
Obwohl eine vollständige Unabhängigkeit von Zulieferern noch nicht geplant ist, strebt Volkswagen an, etwa die Hälfte des eigenen Bedarfs an Batteriezellen durch die Produktion in Salzgitter zu decken. Dieser Schritt soll nicht nur finanzielle, sondern auch technologische Unabhängigkeit sichern und die Lieferketten stabiler machen.
- Standort: Salzgitter, Deutschland
- Start: Ab 2026
- Ziel: Deckung von ca. 50% des Eigenbedarfs
Keine Zukunft für Wasserstoff im Volumensegment
Thomas Schäfer äußerte sich auch zur Debatte um Wasserstoff als alternative Antriebsform. Für das Volumensegment, zu dem Kleinwagen gehören, sieht er keine Zukunft für diese Technologie. Er bezeichnete die Diskussion als „Scheindiskussion“.
Die Gründe sind vielfältig: Es gibt nicht genug grünen Wasserstoff, die Brennstoffzelle ist zu teuer und die Technologie ist im Vergleich zu batterieelektrischen Antrieben nicht effizient genug. Volkswagen konzentriert sich daher weiterhin auf die batterieelektrische Lösung für den Massenmarkt.
Transformation in oberen Segmenten
Während die Kleinwagen vollelektrisch werden, plant Volkswagen in den oberen Fahrzeugsegmenten weiterhin Modelle mit Verbrennungsmotor und Vollhybride anzubieten. Der Konzern befindet sich noch mitten in der Transformation und passt seine Strategie an die jeweiligen Marktbedürfnisse und regulatorischen Rahmenbedingungen an.
Das sogenannte „Aus vom Verbrenner-Aus“ in der EU dürfte laut Volkswagen in der Praxis wenig Konsequenzen für den Vormarsch der Elektromobilität haben.





