Die Auto China 2024 in Peking zeigt eindrucksvoll, wie sich die globale Automobilindustrie entwickelt. Mit über 100 Marken und 1500 ausgestellten Fahrzeugen präsentiert sich die Messe als ein zentraler Schauplatz für Weltpremieren und technologische Neuerungen. Chinesische Hersteller fordern etablierte westliche Marken heraus, insbesondere bei Elektroantrieben und autonomen Fahrsystemen.
Wichtige Erkenntnisse
- China ist ein globaler Innovationsführer in der Automobilbranche.
- Elektrofahrzeuge und autonome Technologien dominieren die Messe.
- Deutsche Marken passen ihre Strategien an den chinesischen Markt an.
- Flugautos und Hochvolt-Batterietechnologien rücken in den Fokus.
Chinesische Hersteller setzen neue Maßstäbe
Die Messe in Peking ist ein deutlicher Indikator dafür, dass China nicht mehr nur ein Absatzmarkt ist. Das Land hat sich zu einem Hauptkonkurrenten der globalen Autoindustrie entwickelt. Während andere große Messen wie die IAA in München oder der Pariser Autosalon zuletzt weniger Besucher verzeichneten, herrscht in Peking reges Treiben. Zahlreiche Premieren finden in den acht Hallen auf zwei Etagen statt.
Chinesische Marken haben ihren eigenen Stil gefunden und streben technologisch nach der Führung. Dies zeigt sich besonders bei Elektroantrieben, autonomem Fahren und sogar bei der Entwicklung von Flugautos. Auch bei Verbrennungsmotoren gibt es bemerkenswerte Fortschritte. Geely stellte beispielsweise einen Hybridantrieb vor, der mit einem Verbrauch von nur 2,2 Litern auf 100 Kilometern zu den sparsamsten Benzinern zählt.
Zahlen & Fakten
- Über 100 Automarken auf der Messe
- Mehr als 1500 ausgestellte Fahrzeuge
- Fast 200 Weltpremieren
- Geely Hybridantrieb: 2,2 Liter / 100 km
Europäische Marken im Wettbewerb
Die ehemals dominanten westlichen Marken lassen sich auf ihrem wichtigsten Auslandsmarkt nicht so leicht verdrängen. Große deutsche Hersteller zeigen, dass sie bereit sind, sich dem Wettbewerb zu stellen und ihre Strategien anzupassen. Sie präsentieren neue Modelle und Konzepte, die speziell auf die Bedürfnisse des chinesischen Marktes zugeschnitten sind.
Smart #2 kehrt zu den Wurzeln zurück
Smart, eine Marke, die in den letzten Jahrzehnten einige Veränderungen durchgemacht hat, kehrt mit dem Smart #2 teilweise zu ihren Ursprüngen zurück. Das neue Modell, das in Peking gezeigt wird, ist der Nachfolger des Fortwo. Es wächst auf knapp 2,80 Meter Länge an, bleibt aber eines der kürzesten und kompaktesten Autos weltweit. Der Smart #2 soll als Serienfahrzeug im Herbst vorgestellt werden und Anfang des nächsten Jahres in den Handel kommen.
Das rein elektrische Zweisitzer-Modell soll eine Reichweite von fast 300 Kilometern bieten und zu einem Preis von möglichst nahe 20.000 Euro erhältlich sein. Dies markiert einen wichtigen Schritt für Smart, um im Segment der kompakten Elektrofahrzeuge wettbewerbsfähig zu bleiben.
VW Jetta: Wiedergeburt als SUV
In Europa ist der Jetta fast in Vergessenheit geraten. In China jedoch ist er eine eigenständige Marke am unteren Ende der VW-Preisskala. Die kleine Limousine war dort lange Zeit eines der meistverkauften Autos. Volkswagen positioniert diese Tochtermarke nun neu und präsentiert ein SUV-Modell, das dem Jetta mehr Stil verleiht. Das Design wirkt so modern, dass selbst der VW ID.4 daneben klassisch erscheint.
Sollte der neue Jetta SUV innerhalb eines Jahres für etwa 15.000 Euro auf den Markt kommen, könnte er ein großer Erfolg werden. Er zeigt, wie Volkswagen auf die chinesischen Kundenbedürfnisse reagiert, die verstärkt SUVs nachfragen.
"Der chinesische Markt verlangt nach Innovation und Anpassung. Wer hier erfolgreich sein will, muss schnell auf Trends reagieren und lokale Präferenzen berücksichtigen."
Chinesische Innovationen: Cabrios und elektrische Geländewagen
Entgegen der Annahme, dass Chinesen keine Cabrios mögen, sorgt die chinesische Marke Denza für eine Überraschung. Um ihren Luxusableger Denza ins Rampenlicht zu rücken, zeigt BYD den Z9 GT auch mit Faltdach. Dieses Modell positioniert sich in der Nähe von Premium-Cabrios wie dem Mercedes SL oder dem 8er-BMW.
Auch Land Rover belebt in China den Freelander neu. Gemeinsam mit Chery starten sie unter dem alten Namen eine neue Marke für elektrische Geländewagen. Ob diese Modelle auch nach Europa kommen, bleibt abzuwarten. Hierzulande stehen jedoch bald der elektrische Range Rover und der elektrifizierte Defender bei den Händlern.
Hintergrund: Chinas Automarkt
China ist seit Jahren der größte Automobilmarkt der Welt. Die schnelle Adaption von Elektromobilität und die Entwicklung lokaler Marken haben den Markt stark verändert. Internationale Hersteller müssen ihre Strategien anpassen, um in diesem dynamischen Umfeld bestehen zu können.
Leapmotor D19: Hohe Spannung und Reichweite
Leapmotor ist in Europa vor allem als preiswerte Marke der Stellantis-Gruppe bekannt, die elektrische SUVs anbietet. Mit dem T03 für 19.990 Euro gehört Leapmotor zu den günstigsten Anbietern von Elektroautos in Deutschland. Auf der Auto China präsentiert das Unternehmen jedoch auch den D19, ein Modell im Format eines Mercedes GLS oder BMW X7.
Der D19 ist ebenfalls elektrisch und beeindruckt mit 1000 Volt Batteriespannung und 115 kWh Kapazität, was eine Reichweite von über 700 Kilometern ermöglicht. Für Elektro-Skeptiker gibt es auch eine Version mit Range Extender. Obwohl der D19 elegant aussieht, fehlt es ihm im Premium-Segment noch an Prestige. Doch sein gravierender Preisvorteil – ein Einstiegspreis von unter 30.000 Euro – macht ihn attraktiv. Die Chinesen erwägen, das Fahrzeug langfristig auch nach Europa zu bringen.
Kosmera Nebula Next 01: E-Sportwagen mit Berliner Luft
Das Unternehmen Dreame, bekannt für Roboter-Staubsauger, steigt mit der Marke Kosmera ins Autogeschäft ein. Auf der Messe präsentiert Kosmera superstarke Sportwagen und SUVs, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind. Elektrische Leistungen von über 1470 kW sind heute zwar kein Alleinstellungsmerkmal mehr, doch der Kosmera Nebula Next 01 sticht durch seine Produktionspläne hervor. Ab 2027 wollen die Chinesen ihre elektrischen Hochleistungsfahrzeuge nicht in China, sondern in Grünheide bei Berlin produzieren, in direkter Nachbarschaft zu Tesla.
Audi E7X: Neuanfang in China
Audi versucht, die Stagnation in China zu überwinden. Vor einem Jahr gründeten sie die Submarke AUDI, die auf die vier Ringe verzichtet und vieles anders macht. Nach anfänglichem Erfolg des sportlichen Kombis E7 stagniert der Absatz jedoch. Nun schiebt Audi das passende SUV namens E7X nach, um das gefragte SUV-Segment zu bedienen.
Der EX7 nutzt 800-Volt-Technik aus China, lädt schneller und bietet mehr Reichweite als europäische Elektromodelle. Er soll zudem weitgehend autonom fahren können. Sein Design markiert einen Neuanfang im Innen- und Außenbereich. Der nebenan präsentierte langgestreckte Q5 mit Ringen wirkt dagegen schon wieder veraltet.
Zukunftstrends: Schneller Laden, autonom Fahren und Fliegen
Neben den zahlreichen neuen Modellen gibt es auf der Auto China auch viele technische Exponate, die große Aufmerksamkeit erregen. Diese zeigen, wohin die Reise in der Automobilindustrie geht:
- Batterietechnologie: CATL, der Weltmarktführer für Batterien, zeigt einen Akkupack mit 1500 Kilometern Reichweite.
- Schnellladung: BYD präsentiert mit 1500 kW Flash-Charging, dass das Denza-Flaggschiff Z9 GT in nur 9 Minuten von 10 auf 97 Prozent lädt.
- Effiziente Antriebe: Geely enthüllt einen Hybridantrieb, der mit 2,2 Litern auf 100 km zu den sparsamsten Verbrennern gehört.
- Autonomes Fahren: Robotaxen für die Rushhour zeigen die nahe Zukunft des fahrerlosen Autos.
- Flugautos: Das Flugauto ist auf der Messe so präsent, dass seine Markteinführung nicht mehr weit entfernt erscheint.
Die Auto China 2024 unterstreicht die rasante Entwicklung in der Automobilbranche und zeigt, dass die Zukunft der Mobilität in China maßgeblich mitgestaltet wird.





