Bosch, ein führender Zulieferer der Automobilindustrie, unternimmt entscheidende Schritte, um das hochautomatisierte Fahren auf Level 3 in Serienfahrzeuge zu integrieren. Das Unternehmen setzt dabei auf künstliche Intelligenz und eine redundante Sicherheitsarchitektur, um Fahrern mehr Freiheit und Sicherheit im Straßenverkehr zu ermöglichen.
Wichtige Punkte
- Bosch fokussiert sich auf hochautomatisiertes Fahren (SAE Level 3).
- KI und redundante Hardware sind Kern der neuen Systeme.
- Fahrer können bei Level 3 die Hände vom Lenkrad nehmen und den Blick abwenden.
- Systeme sollen bis zu 120 km/h und bei schlechter Sicht funktionieren.
- Pilotprojekte starten in China.
Der Sprung zu Level 3: Mehr Freiheit für Fahrer
Das assistierte Fahren auf Level 2 ist in vielen modernen Autos bereits Standard. Bosch geht nun den nächsten Schritt und konzentriert sich auf Level 3. Diese Stufe bedeutet, dass das Fahrzeug in bestimmten Situationen die volle Verantwortung übernimmt. Der Fahrer darf in diesen Phasen die Hände vom Lenkrad nehmen und muss nicht ständig auf die Straße achten. Ein Nickerchen oder die Nutzung des Smartphones sind dann erlaubt.
Dieser Übergang ist technologisch anspruchsvoll. Er erfordert ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit und Sicherheit. Bosch verspricht, dass Fahrer auf Autobahnen oder mehrspurigen Schnellstraßen in Ballungsräumen wertvolle Zeit zurückgewinnen können. Das System soll Spur halten, Spurwechsel initiieren und Brems- sowie Beschleunigungsvorgänge selbstständig koordinieren.
Faktencheck: SAE Level 3
- Definition: Hochautomatisiertes Fahren.
- Verantwortung: Das System übernimmt in bestimmten Fahrsituationen die Kontrolle.
- Fahrerrolle: Darf die Aufmerksamkeit vom Verkehr abwenden, muss aber bereit sein, die Kontrolle auf Anforderung zu übernehmen.
- Anwendungsfälle: Oft auf Autobahnen oder in Stausituationen.
Künstliche Intelligenz als Herzstück der Autonomie
Bosch setzt auf einen neuen Ansatz, um die Komplexität des Straßenverkehrs zu bewältigen: Künstliche Intelligenz in jedem Softwarebaustein. Frühere regelbasierte Systeme stießen an ihre Grenzen, wenn unvorhersehbare Situationen auftraten. KI ermöglicht es dem Fahrzeug, flexibler und adaptiver zu reagieren.
Gleichzeitig ist eine robuste Sicherheitsarchitektur entscheidend. Bosch integriert redundante Systeme, die bei einem Ausfall sofort einspringen. Dies schafft eine Vertrauensbasis für Level 3, die nach vielen früheren Versuchen anderer Hersteller als notwendig erachtet wird. Das Ziel ist ein System, das bis zu 120 km/h und auch unter schwierigen Bedingungen, wie schlechter Sicht, zuverlässig funktioniert.
„Mit KI-gestützten Systemen und redundanter Hardware läutet Bosch die nächste Mobilitätsstufe ein – von der Autobahn bis zum urbanen Schnellverkehr.“
Notfalllenkung: Wenn jede Millisekunde zählt
Ein Beispiel für die fortgeschrittene Technologie ist die Funktion „Autonomous Emergency Steering“. Bosch hat diese Funktion in Zusammenarbeit mit einem chinesischen Fahrzeughersteller entwickelt. Das System verzahnt Fahrassistenz und Fahrzeugsteuerung eng miteinander. Wenn der Bremsweg vor einem plötzlichen Hindernis nicht mehr ausreicht, übernimmt das „Vehicle Motion Management“.
Innerhalb von Millisekunden koordiniert das System Bremse, Lenkung und Antrieb, um das Fahrzeug stabil ausweichen zu lassen. Diese Leistung ist selbst für erfahrene Fahrer unter Stress kaum zu erbringen. Solche Funktionen zeigen, dass Bosch Software und Hardware aus einer Hand liefert, von Hochleistungsrechnern über Radarsensorik der siebten Generation bis hin zu den Algorithmen.
Hintergrund: Sensorik
Moderne autonome Fahrsysteme nutzen eine Vielzahl von Sensoren, um ihre Umgebung wahrzunehmen. Dazu gehören Kameras, Radar, Lidar und Ultraschallsensoren. Radar der siebten Generation, wie es Bosch einsetzt, bietet eine verbesserte Reichweite und Auflösung, was für die Erkennung von Hindernissen bei hohen Geschwindigkeiten entscheidend ist.
By-Wire-Technologien: Das digitale Rückgrat des Autos
Damit Softwarebefehle ohne Verzögerung in mechanische Bewegungen umgesetzt werden können, setzt Bosch auf sogenannte By-Wire-Technologien. Diese Systeme, die aus der Luftfahrt bekannt sind, ersetzen mechanische Verbindungen durch elektronische. Es gibt keine physische Verbindung mehr zwischen Pedal, Lenkrad und den Rädern.
Bosch sieht dies als Grundvoraussetzung für das „Software-Defined Vehicle“ der Zukunft. Besonders das Brake-by-Wire-System ist hier hervorzuheben. Durch zwei voneinander unabhängige Bremsgeräte wird die notwendige Redundanz für Level 3 geschaffen. Auch die Lenkung profitiert: Steer-by-Wire ermöglicht variable Lenkübersetzungen, die sich an die jeweilige Fahrsituation anpassen. Dies reicht vom entspannten Manövrieren beim Parken bis zum präzisen Feedback bei hohen Geschwindigkeiten.
Diese By-Wire-Systeme sollen ab Mitte 2026 in Serie gehen. Sie sind für den Einsatz im Individualverkehr sowie auf Robotaxi-Plattformen vorgesehen. Die ersten Probebetriebe finden bereits in China statt. Bosch hat seit März eine Lizenz, Level-3-Fahrzeuge in Wuxi, nahe Shanghai, im Realbetrieb zu testen.
Globale Skalierung und Zukunftsstrategie
Obwohl die Level-3-Entwicklung derzeit vor allem in Fernost an Fahrt gewinnt, ist die Strategie von Bosch global ausgerichtet. Das Unternehmen plant, Märkte mit hoher Innovationsgeschwindigkeit, insbesondere China, als Testfelder zu nutzen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dann weltweit übertragen werden.
Ein Level-3-System, das den Fahrer entlastet, hat sowohl auf den breiten Highways der USA als auch auf den Autobahnen Europas großes Potenzial. Bosch will damit einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Mobilität leisten, die sicherer, effizienter und komfortabler ist.
- China: Wichtiger Testmarkt für die Entwicklung.
- USA und Europa: Große Potenziale für die Anwendung.
- Ziel: Weltweite Einführung der Level-3-Systeme.





