Reisende sollten bei der Nutzung ihres Mobiltelefons außerhalb der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EU/EWR) besonders vorsichtig sein. Hohe Roaming-Gebühren können schnell zu unerwartet hohen Rechnungen führen. Es ist entscheidend, sich vor der Abreise über die Tarife zu informieren und die Geräteeinstellungen anzupassen, um teure Überraschungen zu vermeiden. Selbst innerhalb der EU lauern in Grenznähe und bei speziellen Diensten wie WLAN-Calls versteckte Kostenfallen.
Wichtige Punkte
- Die 'Roam like at home'-Regelung gilt nur in der EU und im EWR.
- Eine Kostenbremse für mobiles Internet bei 59,50 Euro ist nicht immer aktiv.
- Auf Schiffen und in Flugzeugen können extrem hohe Gebühren anfallen, trotz neuem Kostenairbag.
- WLAN-Calls können im Ausland teurer sein als gedacht.
- Die Mailbox sollte vor Reisen außerhalb der EU/EWR deaktiviert werden.
EU-Roaming: Wo die Regeln gelten – und wo nicht
Die bekannte Regelung 'Roam like at home' ermöglicht es Nutzern, in den 27 Ländern der Europäischen Union sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen ihr Mobiltelefon zu Inlandstarifen zu nutzen. Ab Januar 2026 werden auch Moldau und die Ukraine in diese Regelung aufgenommen. Dies bedeutet, dass Telefonieren, SMS-Versand und mobiles Surfen in diesen Ländern nicht mehr kosten als zu Hause.
Länder wie die Schweiz oder die Türkei sind jedoch nicht Teil der EU oder des EWR. Hier gelten die EU-Roaming-Vorschriften nicht. Einige Mobilfunkanbieter bieten zwar spezielle Tarife für diese Länder an, doch diese sind oft mit Einschränkungen verbunden. Auch für Großbritannien wenden viele Anbieter weiterhin die EU-Regelungen an, was eine Besonderheit darstellt.
Wichtiger Fakt
Außerhalb der EU/EWR fallen für mobiles Internet automatisch höhere Kosten an. Eine weltweite Kostenbremse von 59,50 Euro soll hier eigentlich schützen, indem die Verbindung bei Erreichen dieses Betrags getrennt wird. Doch diese Funktion ist nicht immer gewährleistet, besonders wenn das besuchte Netz keine Echtzeit-Überwachung ermöglicht. In solchen Fällen erhalten Reisende eine Benachrichtigung über die Nichtverfügbarkeit der Kostenbegrenzung.
Unerwartete Kostenfallen: Anrufe, Messenger und WLAN-Calls
Wer aus Deutschland in ein EU-Land anruft, muss seit dem 15. Mai 2019 maximal 19 Cent pro Minute zahlen. Eine SMS kostet höchstens 6 Cent (jeweils netto). Diese Regelung betrifft Anrufe vom Heimatland ins EU-Ausland, nicht aber Roaming-Anrufe innerhalb der EU.
Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Skype, die oft als kostenlose Telefonie-Option beworben werden, können im Ausland zur Kostenfalle werden. Die Gespräche laufen über das Internet und verbrauchen Datenvolumen. Außerhalb kostenloser WLAN-Netze können hier hohe Kosten entstehen. Reisende sollten diese Dienste daher primär in verfügbaren WLAN-Netzen nutzen.
Hintergrund zu WLAN-Calls
WLAN-Calls (auch Wifi-Calls oder VoWiFi) ermöglichen es, die normale Telefonfunktion des Smartphones über ein WLAN-Netz zu nutzen. Voraussetzung ist, dass Gerät und Mobilfunkanbieter diese Funktion unterstützen und sie gegebenenfalls aktiviert wurde. Viele Anbieter rechnen WLAN-Telefonate im Ausland so ab, als befände man sich in Deutschland. Das bedeutet, Gespräche nach Deutschland über WLAN sind oft kostenfrei, wenn eine Deutschland-Flatrate besteht. Für Anrufe in andere Länder, selbst in das Aufenthaltsland, können jedoch Gebühren anfallen, die nicht den EU-Roaming-Regeln unterliegen.
„Bevor Sie im Ausland WLAN-Calls nutzen, erkundigen Sie sich bei Ihrem Anbieter nach den genauen Kosten. Oft ist es in EU- und EWR-Ländern günstiger, auf herkömmliche Roaming-Telefonate zurückzugreifen.“
Gefahren in Grenznähe und auf hoher See
Eine besondere Vorsicht ist in Grenznähe zu Nicht-EU-Ländern geboten. Das Smartphone kann sich automatisch in ein teureres Netz des Nicht-EU-Landes einwählen, selbst wenn man sich noch auf EU-Gebiet befindet. Um dies zu verhindern, sollte die automatische Netzwahl deaktiviert und manuell das Netz des EU-Landes ausgewählt werden.
Noch drastischer können die Kosten auf Schiffen und in Flugzeugen ausfallen. Hier nutzen Mobiltelefone oft bordeigene Mobilfunknetze, die über Satellit kommunizieren. Ein Megabyte kann hier bis zu 30 Euro kosten. Ein Beispiel zeigt die Brisanz: Ein Zwölfjähriger schaute auf einer Fährfahrt Videos und verursachte eine Rechnung von 12.000 Euro für rund 470 Megabyte Datenvolumen.
Neue Schutzmaßnahmen seit Juli 2022
Seit Juli 2022 gilt ein weltweit gültiger Kostenairbag für mobiles Internet auch für Satellitenverbindungen auf Schiffen und in Flugzeugen. Dieser soll die Datenverbindung automatisch trennen, sobald 59,50 Euro oder ein anderes vordefiniertes Limit erreicht ist. Mobilfunkanbieter sind zudem verpflichtet, Kunden zu informieren, wenn ihr Gerät in ein nicht-terrestrisches Netz wechselt. Viele Reedereien und Fluggesellschaften bieten zwar WLAN zu Paketpreisen an, doch bei schwachem Empfang kann das Smartphone automatisch ins teure bordeigene Mobilfunknetz wechseln. Es ist ratsam, die Mobilfunkdaten über die Geräteeinstellungen abzuschalten.
Geräteeinstellungen und Prepaid-Verträge richtig handhaben
Smartphones können auch in der Hosentasche Kosten verursachen, etwa durch automatische App-Updates oder E-Mail-Downloads. Vor Reiseantritt sollte man die Einstellungen so anpassen, dass Daten nicht automatisch über Mobilfunknetze heruntergeladen werden. Auch Navigationssoftware benötigt oft eine aktive Internetverbindung; Offline-Karten sind hier eine gute Alternative.
- Daten-Roaming ausschalten: Dies ist die einfachste und effektivste Methode, um hohe Kosten zu vermeiden.
- Flugmodus nutzen: Wenn keine Anrufe oder Nachrichten erwartet werden, schützt der Flugmodus zuverlässig vor ungewollten Verbindungen.
- Automatische Netzwahl deaktivieren: Besonders in Grenznähe ist dies wichtig, um die Einwahl in teure Netze zu verhindern.
- WLAN bevorzugen: Für datenintensive Anwendungen wie Videostreaming oder Messenger-Telefonie.
Prepaid-Verträge im Ausland
Auch Besitzer von Prepaid-Handys können im Ausland telefonieren und angerufen werden. Es gibt jedoch Prepaid-Angebote, die Roaming nicht zulassen oder einschränken, insbesondere bei sehr preiswerten Tarifen innerhalb der EU. Vor der Reise ist es daher unerlässlich, sich beim Netzbetreiber über die Bedingungen zu informieren und für ausreichend Guthaben zu sorgen. Einige Anbieter ermöglichen zwar das Aufladen aus dem Ausland, doch sicherer ist es, dies bereits zu Hause zu erledigen.
Die größte Kostenfalle: Die Mailbox
Die wohl größte und am häufigsten übersehene Kostenfalle außerhalb der EU ist die Mailbox. Wer seine Mailbox vor der Reise nicht deaktiviert, riskiert hohe Kosten. Jeder Anruf, der auf die Mailbox umgeleitet wird, kann doppelt abgerechnet werden: einmal für die Weiterleitung ins Ausland und einmal für die Rückleitung nach Deutschland zur Mailbox. Diese Kosten können sich schnell summieren, selbst wenn der Reisende nichts davon bemerkt.
Es ist daher dringend empfohlen, die Mailbox vor Reisen außerhalb der EU/EWR zu deaktivieren oder sich über die spezifischen Kosten beim Anbieter zu informieren. Viele Reisende sind sich dieser versteckten Gebühren nicht bewusst und werden erst durch eine unerwartet hohe Rechnung überrascht.
Zusätzlicher Tipp
Informieren Sie sich vor jeder Auslandsreise detailliert bei Ihrem Mobilfunkanbieter über die anfallenden Roaming-Gebühren und mögliche Tarifpakete für das jeweilige Reiseland. Tages- oder Wochenflats können eine kostengünstige Alternative sein.





