Geflüchtete in Deutschland stehen oft vor der Herausforderung, passende Mobilfunktarife zu finden. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse oder Vertrautheit mit dem deutschen Vertragssystem besteht ein hohes Risiko, ungünstige Verträge abzuschließen. Es ist entscheidend, die verschiedenen Optionen genau zu prüfen und sich vor übereilten Entscheidungen zu schützen, um finanzielle Nachteile zu vermeiden.
Wichtige Punkte
- Vorsicht vor schnellen Vertragsabschlüssen ohne vollständiges Verständnis.
- Festverträge laufen oft 24 Monate und sind schwer kündbar.
- Prepaid-Tarife bieten bessere Kostenkontrolle.
- WLAN ist oft die günstigste Option für internationale Kommunikation.
- Begleitpersonen oder Übersetzer können bei der Vertragsprüfung helfen.
Festverträge: Laufzeiten und Kostenfallen
Ein klassischer Mobilfunkvertrag, oft als Festvertrag bezeichnet, bedeutet eine monatliche Rechnung, die eine Grundgebühr und nutzungsabhängige Kosten umfasst. Viele dieser Tarife beinhalten sogenannte Flatrates für Anrufe oder SMS innerhalb Deutschlands. Internationale Gespräche sind jedoch in der Regel nicht abgedeckt und erfordern zusätzliche Optionen.
Solche Verträge werden meist für eine Laufzeit von 24 Monaten abgeschlossen. Dies bedeutet eine Verpflichtung, die monatlichen Kosten für diese gesamte Dauer zu tragen. Eine Kündigung ist erst nach Ablauf dieser Frist möglich, wobei eine Kündigungsfrist von maximal einem Monat einzuhalten ist. Wird diese Frist versäumt, verlängert sich der Vertrag oft automatisch auf unbestimmte Zeit und kann dann monatlich gekündigt werden.
Faktencheck Mobilfunkverträge
- Vertragslaufzeit: Standardmäßig 24 Monate.
- Kündigungsfrist: Maximal ein Monat zum Vertragsende.
- Automatische Verlängerung: Bei Fristversäumnis oft unbefristet, dann monatlich kündbar.
Einige Anbieter bieten auch flexible Festverträge mit einer Laufzeit von nur einem Monat an. Diese sind monatlich kündbar und bieten mehr Flexibilität, haben aber in der Regel einen etwas höheren monatlichen Grundpreis.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ein Smartphone zusammen mit dem Vertrag angeboten wird. Das Gerät wird dann über den Mobilfunkvertrag finanziert. Die monatlichen Kosten können so schnell 40 Euro oder mehr erreichen. Oft ist zusätzlich eine Anzahlung für das Smartphone fällig. Häufig handelt es sich dabei um neue, hochpreisige Modelle, obwohl ältere Modelle oft deutlich günstiger zu erwerben sind.
"Wer etwas nicht versteht, sollte keinen Vertrag unterschreiben. Das gilt besonders für Menschen, die mit der Sprache oder den rechtlichen Rahmenbedingungen nicht vertraut sind. Hilfe von Begleitpersonen oder Übersetzern ist hier unerlässlich."
Prepaid-Tarife: Volle Kostenkontrolle
Im Gegensatz zu Festverträgen basiert das Prepaid-Modell auf einem Guthabenkonto. Geld wird im Voraus eingezahlt und für Anrufe, SMS oder Internetnutzung verbraucht. Ist das Guthaben aufgebraucht, sind keine weiteren Dienste mehr möglich, bis neues Guthaben aufgeladen wird. Dies bietet eine maximale Kostenkontrolle und schützt vor unerwarteten Schulden.
Es ist ratsam, keine automatische Aufladefunktion zu aktivieren, auch wenn diese oft angeboten wird. Bei Prepaid-Tarifen fallen keine festen monatlichen Grundgebühren an. Die Kosten können genau überwacht werden, was das Risiko hoher Ausgaben minimiert.
Prepaid-Optionen für Internet und Auslandstelefonie
Auch bei Prepaid-Tarifen besteht die Möglichkeit, Internet-Flatrates zu buchen. Diese verursachen dann regelmäßige Pauschalkosten für ein bestimmtes Datenvolumen. Nach Überschreitung des Volumens wird die Surfgeschwindigkeit in der Regel gedrosselt, aber es entstehen keine zusätzlichen Kosten. Einige Tarife verfügen über eine Datenautomatik, die automatisch weiteres Datenvolumen gegen Gebühr hinzufügt – hier sollten die Kosten genau geprüft werden.
Hintergrundinformation: Datenautomatik
Die Datenautomatik bucht nach Verbrauch des inkludierten Datenvolumens automatisch weiteres Datenvolumen nach. Dies kann schnell zu unerwartet hohen Kosten führen, da die Preise pro Megabyte oft deutlich über denen des regulären Inklusivvolumens liegen. Es ist ratsam, Tarife ohne diese Funktion zu wählen oder sie explizit zu deaktivieren.
Viele Prepaid-Anbieter haben sich zudem auf Auslandsgespräche spezialisiert und bieten hierfür besonders günstige Tarife an. Ein detaillierter Vergleich dieser Angebote kann sich lohnen, um die günstigste Option für die Kommunikation mit der Heimat zu finden.
WLAN als kostengünstige Kommunikationslösung
Eine der kostengünstigsten Varianten für die Kommunikation, insbesondere ins Ausland, ist die Nutzung von WLAN-Netzwerken. Diese sind an vielen öffentlichen Orten verfügbar und ermöglichen das Telefonieren über das Internet, beispielsweise mittels Voice-over-IP (VoIP)-Apps.
Wenn eine Verbindung zu einem WLAN-Netzwerk besteht, fallen in der Regel keine zusätzlichen Kosten für die Nutzung dieser Apps an. Wer regelmäßig Zugang zu WLAN hat, kann auf diese Weise teure Auslandsgesprächsoptionen oder umfangreiche Datenpakete im Mobilfunkvertrag umgehen. Es ist jedoch wichtig zu prüfen, ob die Nutzung von VoIP-Diensten in einem eventuell bestehenden Mobilfunkvertrag ausgeschlossen ist.
Worauf Sie bei der Tarifwahl achten sollten
- Vertragslaufzeit: Wie lange bin ich gebunden? (Bevorzugen Sie kurze Laufzeiten oder Prepaid).
- Monatliche Kosten: Wie hoch sind die Gesamtkosten? (Beachten Sie Grundpreis, Optionen, Smartphone-Raten).
- Tarifzweck: Passt der Tarif zu meinen Bedürfnissen? (Für Auslandsgespräche ist eine Deutschland-Flatrate nicht ausreichend).
- Einmalige Kosten: Gibt es Anschlussgebühren oder Anzahlungen?
- WLAN-Verfügbarkeit: Kann ich regelmäßig WLAN nutzen, um Kosten zu sparen?
Die Kommunikation mit der Heimat ist für Geflüchtete von großer Bedeutung. Eine sorgfältige Auswahl des Mobilfunktarifs kann dabei helfen, die finanzielle Belastung zu minimieren und eine verlässliche Verbindung aufrechtzuerhalten. Bei Unsicherheiten sollte immer die Hilfe von Vertrauenspersonen oder professionellen Beratungsstellen in Anspruch genommen werden.





