In deutschen Haushalten landen jährlich tonnenweise Lebensmittel im Müll, obwohl viele sogenannte Reste noch genießbar wären. Ein cleverer Ansatz, dieser Verschwendung entgegenzuwirken, ist das Food-Upcycling. Dabei werden vermeintliche Abfälle wie Blätter, Schalen oder Kerne kreativ in neue, köstliche Gerichte verwandelt. Diese Methode schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt.
Wichtige Erkenntnisse
- Food-Upcycling reduziert Lebensmittelverschwendung durch die Verwertung von Resten.
- Viele Blattwerke, Schalen und Kerne sind essbar und nährstoffreich.
- Bio-Produkte und saisonale Ware sind aufgrund geringerer Pestizidbelastung die beste Wahl.
- Vorsicht ist geboten bei bestimmten Pflanzenteilen wie grünen Kartoffeln oder Rhabarberblättern.
- Kreativität in der Küche spart Ressourcen und eröffnet neue Geschmackswelten.
Was bedeutet Food-Upcycling genau?
Food-Upcycling ist mehr als nur Resteverwertung. Es geht darum, Teile von Lebensmitteln, die traditionell als Abfall angesehen werden, gezielt in hochwertige neue Produkte umzuwandeln. Dies umfasst alles von Gemüseschalen über Obstkerne bis hin zu Blattwerken, die sonst im Biomüll landen würden. Der Gedanke dahinter ist nicht neu; schon unsere Großeltern nutzten Spargelschalen für Suppen oder Brotreste für Arme Ritter.
Der moderne Ansatz des Food-Upcyclings betont jedoch die kreative und oft auch die ästhetische Komponente. Es geht darum, den vollen Wert eines Lebensmittels zu erkennen und zu nutzen. Dies trägt maßgeblich zur Nachhaltigkeit bei und hilft, die Umweltbelastung durch Lebensmittelproduktion und -entsorgung zu minimieren.
Wussten Sie schon?
In Deutschland werden pro Kopf und Jahr durchschnittlich 78 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. Ein erheblicher Teil davon sind vermeidbare Reste, die durch Food-Upcycling gerettet werden könnten.
Blätter, Strünke und Blattrippen neu entdecken
Viele Gemüsesorten bieten mehr als nur ihre Hauptfrucht. Die Blätter von Kohlrabi, Roter Bete, Möhren, Fenchel oder Sellerie sind nicht nur essbar, sondern oft auch reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Junge, zarte Blätter eignen sich hervorragend roh im Salat, wo sie für eine frische Note und zusätzliche Textur sorgen.
Andere Gemüseteile, wie beispielsweise die Blätter der Roten Bete, lassen sich ähnlich wie Spinat oder Mangold zubereiten. Sie können gedünstet, in Suppen verarbeitet oder als grüne Beilage serviert werden. Sellerieblätter, fein gehackt, sind eine ausgezeichnete Würze für Suppen und Eintöpfe und können sogar eingefroren werden, um immer eine frische Kräuterreserve zur Hand zu haben.
Kreative Ideen für Blattwerk und Strünke
- Pesto aus Radieschenblättern: Statt die Blätter wegzuwerfen, können sie zusammen mit Nüssen, Hartkäse, Öl und Gewürzen zu einem aromatischen Pesto verarbeitet werden.
- Smoothies mit Kohlrabi-Blättern: Die grünen Blätter sind eine nährstoffreiche Ergänzung für jeden grünen Smoothie.
- Gemüsefond aus Brokkoli- und Blumenkohlstrünken: Diese festen Teile eignen sich hervorragend als Basis für kräftige Gemüsebrühen.
„Food-Upcycling ist eine einfache Möglichkeit, im Alltag einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten und gleichzeitig neue Geschmackserlebnisse zu entdecken.“
Obst- und Gemüseschalen clever nutzen
Die Schalen vieler Obst- und Gemüsesorten sind nicht nur essbar, sondern oft auch besonders reich an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Das gilt beispielsweise für Apfel-, Orangen- oder Zitrusschalen, sofern sie aus biologischem Anbau stammen und unbehandelt sind. Ein Klassiker ist die Verwendung von Gemüseschalen für einen aromatischen Gemüsefond.
Dafür sammelt man gut gewaschene Schalen von Zwiebeln, Karotten, Sellerie und anderen Gemüsesorten (außer Kartoffeln) und friert sie ein. Sind genügend Schalen vorhanden, kocht man sie mit Wasser und Gewürzen zu einem Fond ein, der später als Suppenbasis oder für Saucen dient. Auch welker Salat oder die Blätter des Blumenkohls können zu einer cremigen Suppe püriert werden.
Süße und herzhafte Schalen-Ideen
- Infused Water: Obstschalen wie Apfel-, Orangen- oder Wassermelonenschalen verleihen Wasser einen natürlichen, erfrischenden Geschmack.
- Zitronat aus Bio-Zitronenschalen: Dicke Schalen von unbehandelten Zitrusfrüchten lassen sich nach mehrmaligem Aufkochen und Dünsten mit Zucker zu selbstgemachtem Zitronat verarbeiten.
- Knusprige Bananenschalen: Bio-Bananenschalen sind reich an Ballaststoffen, Antioxidantien und Mineralien. Gekocht, paniert und gebraten entwickeln sie ein interessantes Aroma.
Besonders die Schalen von Bio-Bananen sind ein echtes Superfood. Nach gründlichem Waschen und Kochen können sie gewürzt und als Beilage serviert oder frittiert werden, um eine knusprige Textur zu erhalten. Sie enthalten Kalium, Kalzium, Eisen und sogar Serotonin.
Hintergrundinformationen
Die Lebensmittelverschwendung ist ein globales Problem. Schätzungen zufolge gehen weltweit bis zu einem Drittel aller produzierten Lebensmittel verloren oder werden verschwendet. Food-Upcycling ist ein wichtiger Baustein in der Strategie gegen diese Verschwendung.
Kerne nicht vergessen: Ein überraschender Genuss
Auch die Kerne vieler Obst- und Gemüsesorten sind oft essbar und stecken voller Nährstoffe. Kürbis- und Melonenkerne sind hierfür die bekanntesten Beispiele. Nach dem Waschen und Trocknen lassen sie sich leicht in der Pfanne oder im Backofen rösten. Gewürzt mit Salz, Paprika oder Chili werden sie zu einem gesunden Snack oder einer knusprigen Salatbeilage.
Weniger bekannt, aber ebenso vielseitig sind Papayakerne. Geröstet und gemahlen entwickeln sie ein pfeffriges Aroma und können als Gewürz in der Küche eingesetzt werden. Ihr Gehalt an Papain macht sie zudem zu einem natürlichen „Zartmacher“ für Fleisch.
Gesundheitliche Risiken und Vorsichtsmaßnahmen
Nicht alle Lebensmittelreste sind bedenkenlos essbar. Bei Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau können Schalen und Blätter mit Pestiziden belastet sein. Daher ist es ratsam, für das Food-Upcycling bevorzugt Bio-Produkte oder unbehandelte Ware aus eigenem Anbau zu verwenden. Bio-Produkte weisen zudem meist einen niedrigeren Nitratgehalt auf, besonders in Blättern und Strünken.
Es gibt einige Pflanzenteile, die grundsätzlich vermieden werden sollten:
- Grüne Stellen an Kartoffeln und Kartoffelkeime: Enthalten Solanin, ein giftiges Alkaloid.
- Grüne Blätter von Tomaten und Auberginen: Ebenfalls solaninhaltig.
- Rhabarberblätter: Hoher Oxalsäuregehalt kann die Nieren belasten.
- Rohe grüne Bohnen und Holunderbeeren: Enthalten giftige Stoffe wie Phasin oder Sambunigrin, die erst durch Kochen unschädlich gemacht werden.
- Aprikosen- und Pfirsichkerne: Enthalten Blausäure und sind giftig.
- Apfelkerne: In größeren Mengen bedenklich durch Blausäure, besonders wenn sie zerbissen werden.
- Avocadokerne: Enthalten Persin, dessen Wirkung auf den Menschen noch nicht ausreichend erforscht ist. Besser vermeiden.
Bei Unsicherheiten ist es immer ratsam, auf den Verzehr zu verzichten und sich vorab zu informieren. Im Internet finden sich zahlreiche Rezepte und Anleitungen, die beim sicheren Food-Upcycling helfen können. Eine kritische Haltung gegenüber allen Rezepten ist jedoch wichtig, da nicht immer zwischen Genießbarem und Bedenklichem unterschieden wird.





