Aroniabeeren werden oft als „Superfood“ beworben und in Nahrungsergänzungsmitteln für vielfältige gesundheitliche Vorteile angepriesen. Diese reichen von der Stärkung des Immunsystems und der Schönheit bis hin zum Schutz vor Krebs und positiven Effekten auf Herz und Gehirn. Eine genaue Betrachtung der wissenschaftlichen Fakten zeigt jedoch, dass viele dieser Versprechen nicht ausreichend belegt sind. Verbraucher sollten daher die beworbenen Eigenschaften kritisch hinterfragen und auf die Zusammensetzung der Produkte achten.
Wichtige Erkenntnisse
- Werbeaussagen zu Aronia-Produkten sind oft wissenschaftlich nicht belegt.
- Die Zusammensetzung von Aronia-Extrakten in Nahrungsergänzungsmitteln ist meist unklar.
- Aronia enthält Amygdalin, das Blausäure freisetzen kann, und Sorbit, das Verdauungsprobleme verursachen kann.
- Kleine Mengen frischer oder verarbeiteter Aroniabeeren sind unbedenklich und können zur Ernährung beitragen.
- Bei Medikamenteneinnahme oder Eisenmangel ist ärztlicher Rat vor der Einnahme von Aronia-Produkten wichtig.
Aroniabeeren: Was steckt hinter den Gesundheitsversprechen?
Die Aroniabeere, auch Schwarze Apfelbeere genannt, wird als heimisches „Superfood“ vermarktet. Sie soll einen besonders hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen aufweisen. Tatsächlich sind Aroniabeeren reich an Anthocyanen und Polyphenolen. Diese Stoffe werden mit gesundheitsfördernden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Solche Inhaltsstoffe finden sich jedoch auch in anderen Beerenarten wie Holunderbeeren, Heidelbeeren oder Brombeeren.
Behauptungen, Aroniabeeren könnten Schwermetalle wie Amalgam und Quecksilber aus dem Körper ausleiten, sind irreführend. Eine Bindung ist lediglich im Magen-Darm-Trakt möglich. Die Entgiftung des Körpers übernehmen primär Leber und Nieren. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat bereits 2011 festgestellt, dass Werbeaussagen wie „Schutz vor oxidativen Schäden“ oder „Stärkung der Blutgefäße“ wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind. Solche Behauptungen dürfen daher nicht verwendet werden.
Faktencheck: Aronia und Krebs
Das Deutsche Krebsforschungszentrum berichtet von Laborstudien an Zelllinien (Darm-, Brust-, Leukämie- und Gebärmutterhalskrebs), die zeigten, dass isolierte Polyphenole aus Aroniabeeren das Zellwachstum hemmen konnten. Ob Aronia auch beim Menschen vor Krebs schützt, ist jedoch unklar. Dazu fehlen klinische Humanstudien.
Aronia-Produkte und Krankheiten
Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel werden oft für verschiedene Zwecke beworben. Dazu gehören die Stärkung des Immunsystems, die Zellregeneration sowie positive Effekte auf Herz und Gehirn. Ihnen werden antioxidative, antithrombotische und blutdrucksenkende Wirkungen zugeschrieben. Viele dieser Untersuchungen stammen jedoch aus Osteuropa und können interessengeleitet sein, um die Vermarktung von Aronia zu fördern.
Studien, die einen positiven Einfluss von Aroniasaft in Kombination mit Krafttraining auf Prä-Diabetes untersuchen, sind noch nicht abgeschlossen. Auch die Wirkung auf den Fettstoffwechsel, speziell die Senkung von LDL-Cholesterin- oder Triglycerid-Werten, ist nicht abschließend geklärt. Ein dänischer Forschungsbericht aus dem Jahr 2022 zeigte eher keine signifikante Wirkung, möglicherweise aber leichte Verbesserungen des Blutzuckerspiegels.
„Werbeaussagen, die sich auf die Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sind für alle Lebensmittel und somit auch für Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel verboten.“
Eine regelmäßige und abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse und Obst versorgt den Körper in der Regel ausreichend mit sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien. Nahrungsergänzungsmittel sind hier oft nicht notwendig.
Worauf sollte man bei Aronia-Nahrungsergänzungsmitteln achten?
In Nahrungsergänzungsmitteln kommen verschiedene Formen der Aroniabeere zum Einsatz. Dazu gehören Fruchtextrakte, Fruchtpulver, getrocknete Aronia-Trester (Rückstände aus der Saftgewinnung) oder Saftkonzentrate. Bei der Einnahme sollten Verbraucher die Verzehrempfehlung des Herstellers beachten und die Dosis nicht überschreiten.
Es ist wichtig zu wissen, dass die in der Krebsforschung verwendeten isolierten Polyphenole aus Aronia nicht mit den Inhaltsstoffen in handelsüblichen Nahrungsergänzungsmitteln vergleichbar sind. Krebspatienten sollten Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen. Aussagen über die Minderung von Chemotherapie-Nebenwirkungen oder Strahlenschutz können die Wirksamkeit der Behandlung negativ beeinflussen.
Wichtiger Hinweis bei Eisenmangel
Leiden Sie unter Eisenmangel, sollten Sie vor der Einnahme von Aronia-Extrakten ärztlichen Rat einholen. Aronia-Extrakte können größere Mengen an Proanthocyanidinen (OPC) enthalten, die zusätzlich Eisen binden und die Eisenaufnahme im Körper beeinträchtigen können.
Zusatzstoffe und Wechselwirkungen
Die auf Nahrungsergänzungsmitteln angegebenen Vitamine und Mineralstoffe stammen meist nicht oder nur teilweise aus der Aroniabeere selbst. Sie sind in der Regel synthetisch hergestellt und zugesetzt. Dies lässt sich oft an der Zutatenliste erkennen. Zugelassene gesundheitsbezogene Aussagen für Aronia gibt es nicht. Behauptungen zu „normaler Herzfunktion“ oder „normaler Gehirnfunktion“ beziehen sich oft auf andere Produktzutaten wie Omega-3-Fettsäuren. Aussagen zum Immunsystem verweisen meist auf zugesetztes Vitamin C, Vitamin B6, Selen oder Zink.
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte vor der Verwendung von Aronia-Nahrungsergänzungsmitteln Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker halten. Es können Wechselwirkungen mit verordneten Arzneimitteln auftreten, die beachtet werden müssen.
Die Aroniabeere: Herkunft, Inhaltsstoffe und Verarbeitung
Die Aroniabeere, auch (Schwarze) Apfelbeere genannt, ist eine erbsengroße, violett-schwarze Scheinbeere aus der Familie der Rosengewächse. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika, wird aber schon lange, besonders in Osteuropa, angebaut. In Deutschland findet der Anbau hauptsächlich in Brandenburg und Sachsen statt, wobei die Ernte meist im August beginnt.
Durch ihren hohen Gerbsäureanteil hat die Beere einen herb-süß-säuerlichen Geschmack. Dies macht sie eher für die Verarbeitung als für den direkten Frischverzehr geeignet. Frische Beeren können Zähne und Zunge blau färben. Aroniabeeren werden vor allem zu Marmelade, Saft und Püree verarbeitet. Auch als Trockenfrüchte sind sie erhältlich; 100 Gramm Trockenfrüchte enthalten etwa 22 Gramm Zucker. Neben der Lebensmittelproduktion dient Aronia auch als natürliches Färbemittel, beispielsweise in Süßwaren.
Inhaltsstoffe der Aroniabeere
Aroniabeeren sind reich an sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoiden und phenolischen Säuren. Besonders hervorzuheben sind die antioxidativ wirkenden Anthocyane und Proanthocyane. Diese Stoffe sind für die intensive rot-schwarze Farbe der Früchte verantwortlich. Das antioxidative Potenzial, gemessen im Reagenzglas (ORAC-Wert), ist zwar höher als bei Blaubeeren, Cranberrys oder Preiselbeeren, hat aber für den menschlichen Körper keine direkte Relevanz.
Nährwerte pro 100g frische Aronia
- Vitamin C: 13,7 mg
- Folsäure: 20 µg
- Zink: 0,15 mg
- Eisen: 0,9 mg
Anthocyane sind auch in Sauerkirschen, Heidelbeeren, Brombeeren, Fliederbeeren oder Rotkohl enthalten.
Sorbit und Gerbstoffe
Die in Aroniabeeren enthaltenen Gerbstoffe können bei empfindlichen Personen Bauchschmerzen verursachen. Die Verträglichkeit verbessert sich oft, wenn getrocknete Aroniabeeren oder reiner Aroniasaft zu oder nach einer Mahlzeit konsumiert werden.
Aroniasaft kann natürlicherweise bis zu 100 Gramm Sorbit pro Liter enthalten. Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der auch als Zuckeraustauschstoff (E 420) verwendet wird. Bei empfindlichen Personen oder auf nüchternen Magen kann Sorbit zu Verdauungsproblemen wie Durchfall, Blähungen, Übelkeit und Bauchschmerzen führen. Es wird empfohlen, mit kleinen Mengen zu beginnen. Bei getrockneten Aroniabeeren ist der Sorbitgehalt entsprechend höher.
Können Aroniabeeren mit Schadstoffen belastet sein?
In den Kernen der Aroniabeere sind geringe Mengen des sekundären Pflanzenstoffs Amygdalin enthalten. Dieser kann im Körper Blausäure freisetzen. Laut dem Max-Rubner-Institut ist der regelmäßige Verzehr von Aroniaprodukten wie Saft, Konfitüre, Gelee oder getrockneten Früchten hinsichtlich des Blausäuregehaltes jedoch unbedenklich. Auch der Genuss einer kleinen Portion frischer Beeren gilt als sicher.
Eine polnische Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte den Gehalt an Schwermetallen (Arsen, Quecksilber, Cadmium und Blei) sowie Nitrat/Nitrit in Aroniasäften und -pulvern. Es wurden signifikante Unterschiede im Arsengehalt zwischen Säften aus konventionellem und ökologischem Anbau festgestellt. Alle gemessenen Werte lagen jedoch unterhalb der gesetzlichen Höchstmengen. Die Studie empfahl Bio-Säfte und Direktsäfte, die nicht aus Konzentrat hergestellt wurden.
Bei regelmäßigem und längerfristigem Verzehr von Aronia-Pulver (Fasern) wird eine Überwachung des Bleigehalts im Blut empfohlen. Verbraucher sollten gegebenenfalls beim Hersteller nachfragen, ob regelmäßige Kontrollen auf Schwermetalle durchgeführt werden. Zur Pestizidbelastung von Aroniabeeren liegen keine spezifischen Untersuchungen vor. Beeren können jedoch je nach Herkunftsort mit Pestizidrückständen belastet sein. Bio-Produkte schneiden hier in der Regel besser ab.
Tipp für den Eigenanbau
Die Aroniabeere lässt sich gut im eigenen Garten anbauen. Selbstgemachter Saft oder Marmelade aus den eigenen Beeren schmecken besonders gut und bieten volle Kontrolle über die Inhaltsstoffe.





