Porsche steht vor einem tiefgreifenden Umbau seiner Konzern- und Führungsstruktur. Vorstandschef Michael Leiters treibt einen Sanierungskurs voran, der auf sinkende Margen und schwache Verkaufszahlen reagiert. Dieser Umbau könnte sowohl das Management als auch die Strategie und die Belegschaft des Sportwagenbauers betreffen.
Wichtige Punkte
- Porsche-Chef Michael Leiters plant umfassenden Konzernumbau.
- Vorstand könnte verkleinert, Ressorts zusammengelegt werden.
- Schwache Verkaufszahlen in China und Amerika sowie bei Elektroautos sind Gründe.
- Mitarbeiter müssen sich auf weitere Einschnitte einstellen.
- Ziel ist eine operative Marge von 10-15 Prozent bei geringeren Stückzahlen.
Herausforderungen für Porsche
Der Stuttgarter Hersteller von Luxussportwagen sieht sich mit mehreren Problemen konfrontiert. Dazu gehören rückläufige Geschäfte in wichtigen Märkten wie China und Amerika. Auch die Verkäufe von Elektroautos bleiben hinter den Erwartungen zurück, während die Produktionskosten hoch sind.
Im vergangenen Jahr sank die Gewinnmarge des Sportwagenbauers auf lediglich ein Prozent. Zum Vergleich: Drei Jahre zuvor lag sie noch bei 18 Prozent. Auch das erste Quartal des laufenden Jahres zeigte deutliche Rückgänge bei Umsatz, Absatz und Gewinn.
Faktencheck
- Gewinnmarge 2023: 1 Prozent (von 18 Prozent vor drei Jahren).
- Absatz 2025: Rund 280.000 Fahrzeuge (geplant waren 350.000-400.000).
- Mitarbeiterprämie für 2025 gestrichen.
- Geplanter Abbau von rund 1900 Jobs in der Region Stuttgart bis 2029.
Strukturänderungen im Konzern
Anfang Mai kündigte Porsche bereits die Schließung von drei Tochterfirmen an. Ziel ist es, sich wieder stärker auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Von diesem Schritt waren über 500 Mitarbeiter bei der Batteriefirma Cellforce, der eBike Performance GmbH und der Software-Firma Cetitec betroffen.
Zusätzlich wurde das Vorstandsressort für Car-IT aufgelöst. Der bisherige Leiter, Sajjad Khan, musste seinen Posten räumen. Seine Aufgaben wurden von Entwicklungschef Michael Steiner übernommen.
Umbau im Vorstand
Laut Informationen aus Managementkreisen prüft Vorstandschef Leiters eine Verkleinerung des derzeit siebenköpfigen Vorstands. Auch Zusammenlegungen von Ressorts sind denkbar. Diese Maßnahmen sollen die Effizienz steigern und die Strukturen straffen.
„Spekulationen zu Vorstandpersonalien kommentieren wir grundsätzlich nicht.“
– Porsche AG gegenüber dem Handelsblatt
Vertriebschef Matthias Becker gilt demnach als Wackelkandidat, da ihm die schwachen Verkaufszahlen angelastet werden. Entwicklungschef Michael Steiner steht wegen hoher Personalkosten in seinem Ressort ebenfalls in der Kritik. Der Vertrag des Produktionsvorstands Albrecht Reimold läuft zum Jahreswechsel aus.
Für das wichtige Produktionsressort gibt es mehrere Szenarien. Eine Zusammenlegung mit der Beschaffung ist im Gespräch. Auch eine Neubesetzung mit Führungskräften aus dem VW-Konzern ist denkbar. Leiters könnte durch diese Umstrukturierungen seine Position stärken, da viele Manager ihre Karriere dem ehemaligen Porsche-Chef und heutigen VW-Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume verdanken.
Hintergrund: Blumes Expansionskurs
Unter dem ehemaligen Porsche-Chef Oliver Blume, der heute den VW-Konzern leitet, war Porsche auf deutlich höhere Stückzahlen und schnelles Wachstum ausgerichtet. Die Planungen sahen eine Produktion von 350.000 bis 400.000 Fahrzeugen pro Jahr vor. Im Jahr 2025 wurden jedoch nur rund 280.000 Fahrzeuge verkauft, was 30.000 weniger als 2024 sind.
Neue Strategie und Auswirkungen auf die Belegschaft
Michael Leiters will nun vom Expansionskurs seines Vorgängers abrücken. Die Konzernstrukturen sollen so angepasst werden, dass Porsche auch bei einer deutlich geringeren Fahrzeugproduktion gute Gewinne erzielt. Intern wird von einer Produktion von bis zu 200.000 Autos ausgegangen.
Eine operative Marge von zehn bis fünfzehn Prozent soll bis Ende des Jahrzehnts als neue Zielgröße gelten. Unter Blume lag die Zielmarge noch bei 20 Prozent. Der Umbau bei Porsche wird voraussichtlich mindestens „zwei harte Jahre“ in Anspruch nehmen.
Aktuell verhandelt der Vorstandsvorsitzende mit dem Betriebsrat über ein Sparpaket. Das Porsche-Management hat bereits die Mitarbeiterprämie für 2025 gestrichen. Auch der Vorstand erhielt keinen Jahresbonus. Zudem kündigte der Konzern an, bis 2029 rund 1900 Jobs in der Region Stuttgart abzubauen.
Die Belegschaft bei Porsche muss sich auf weitere Einschnitte einstellen. Bis Ende Juli sollen die wesentlichen Eckpunkte des Sparpakets feststehen. Im Herbst will Leiters die neue Strategie bei einem Kapitalmarkttag präsentieren.





