China setzt einen neuen, verbindlichen Sicherheitsstandard für hoch- und vollautomatisiertes Fahren fest. Ab dem 1. Juli 2027 müssen Hersteller strengere Tests und Fahrerkontrollen nachweisen. Diese Maßnahme soll Chinas Position als führende Nation in der Technologie und Regulierung autonomer Fahrzeuge stärken.
Wichtige Punkte
- Neue nationale Sicherheitsstandards für autonomes Fahren in China treten am 1. Juli 2027 in Kraft.
- Die Regeln betreffen Fahrzeuge der Level 3 und 4 in den Kategorien M (Personenbeförderung) und N (Güterbeförderung).
- Hersteller müssen Sicherheitsmechanismen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg verbessern.
- Umfassende Validierungsprogramme mit Simulationen, Testgeländen und realen Fahrversuchen sind vorgeschrieben.
- Fahrerkontrolle und Mensch-Maschine-Schnittstelle erhalten hohe Priorität, besonders bei Level-3-Systemen.
Einheitlicher Rechtsrahmen für autonome Fahrzeuge
Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) hat einen umfassenden nationalen Sicherheitsstandard für autonome Fahrsysteme veröffentlicht. Diese Richtlinie wurde von der Staatsverwaltung für Marktregulierung und der nationalen Standardisierungsbehörde genehmigt.
Sie schafft erstmals einen einheitlichen und gesetzlich bindenden Rahmen für den Serieneinsatz moderner Automatisierungstechnologien im Straßenverkehr Chinas. Damit reagiert Peking auf die rasche Entwicklung in diesem Technologiesektor.
Faktencheck: China und autonomes Fahren
- China ist der größte Automobilmarkt der Welt.
- Das Land investiert massiv in die Forschung und Entwicklung autonomer Fahrtechnologien.
- Die neuen Regeln sollen die Sicherheit erhöhen und das Vertrauen der Öffentlichkeit stärken.
Geltungsbereich der neuen Vorschriften
Die neuen Bestimmungen gelten gezielt für Fahrzeuge der internationalen Kategorien M und N. Das bedeutet, dass sowohl Personenkraftwagen und Busse als auch Nutzfahrzeuge zur Güterbeförderung betroffen sind.
Voraussetzung ist, dass diese Fahrzeuge mit autonomen Fahrsystemen der Level 3 oder Level 4 ausgestattet sind. Automatisierte Parksysteme sind von dieser Richtlinie ausgenommen; sie werden separat geregelt.
Was bedeuten Level 3 und 4?
Level 3 (Hochautomatisiertes Fahren): Das System übernimmt unter bestimmten Bedingungen die Fahrzeugsteuerung. Der Fahrer muss jedoch bereit sein, die Kontrolle bei Bedarf wieder zu übernehmen. Das System fordert den Fahrer zur Übernahme auf.
Level 4 (Vollautomatisiertes Fahren): Das System kann in definierten Betriebsbereichen (ODD – Operational Design Domain) vollständig autonom fahren, ohne dass ein menschliches Eingreifen erforderlich ist. Der Fahrer muss nicht mehr eingreifen.
Sicherheitsmechanismen über den gesamten Lebenszyklus
Ein zentraler Punkt der neuen Vorgaben ist die Verpflichtung für Fahrzeughersteller, die Sicherheitsmechanismen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg kontinuierlich zu verbessern. Dies umfasst alle Phasen von der Entwicklung bis zum Einsatz im Straßenverkehr.
Während der Entwicklungs- und Erprobungsphase schreibt das Regelwerk ein umfassendes Validierungsprogramm vor. Dieses Programm setzt sich aus mehreren Schritten zusammen, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Umfassende Testverfahren
Das Validierungsprogramm beinhaltet detaillierte Computersimulationen, Tests auf abgesperrten Prüfgeländen und praktische Fahrversuche im realen Straßenverkehr. Ziel ist es, die Fähigkeit der Systeme zur eigenständigen Bewältigung dynamischer Fahraufgaben in komplexen Verkehrssituationen nachzuweisen.
Diese dreistufige Teststrategie soll sicherstellen, dass die autonomen Systeme robust und zuverlässig funktionieren, selbst unter schwierigen Bedingungen.
„Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer hat höchste Priorität. Mit diesen neuen Standards schaffen wir eine solide Grundlage für den sicheren Einsatz autonomer Fahrzeuge.“
Mensch-Maschine-Schnittstelle und Fahrerkontrolle
Das MIIT legt großen Wert auf die Gestaltung der Mensch-Maschine-Schnittstelle und die Interaktion mit den Fahrzeuginsassen. Präzise Hinweise und klare Nutzerbenachrichtigungen sollen sicherstellen, dass Fahrer die autonomen Funktionen korrekt bedienen.
Dies soll auch verhindern, dass die Systeme missbraucht oder fehlerhaft eingesetzt werden. Eine klare Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fahrer ist entscheidend für die Sicherheit.
Aktive Überwachung bei Level 3
Für Fahrzeuge mit Level-3-Systemen ist eine aktive Überwachung der Übernahme durch die Person am Lenkrad vorgeschrieben. Das Robo-Auto muss sensorisch erfassen können, ob der Fahrer jederzeit bereit und physisch in der Lage ist, die Steuerung wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Diese Anforderung unterstreicht die Verantwortung des Fahrers bei hochautomatisierten Systemen und die Notwendigkeit einer nahtlosen Übergabe der Kontrolle.
Chinas Rolle im globalen Regulierungswettlauf
Die angekündigten Vorgaben bilden das Fundament für die nächste Phase der chinesischen Automobilpolitik. China will die Marktzugangssteuerung für vernetzte und intelligente Fahrzeuge weiter stärken und die Testverfahren fortlaufend verfeinern.
Das Ziel ist, einen verlässlichen Aufsichtsmechanismus zu etablieren, der hohe Verkehrssicherheit garantiert. Gleichzeitig soll das langfristige, qualitative Wachstum der gesamten Branche für autonomes Fahren nachhaltig gesichert werden.
Vergleich: China und Deutschland
- Deutschland: Seit 2021/2022 existiert ein Rechtsrahmen für Level-4-Fahrzeuge mit Fokus auf „Technische Aufsicht“ und Typgenehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt.
- China: Setzt verstärkt auf verbindliche Mindestanforderungen an Hersteller, Testumgebungen und Fahrerkontrollen flächendeckend im Markt.
Internationale Wettbewerb
Deutschland hat bereits mit Anpassungen des Straßenverkehrsgesetzes und einer zugehörigen Verordnung für die Genehmigung und den Betrieb autonomer Fahrzeuge einen Rechtsrahmen für den Regelbetrieb von Level-4-Fahrzeugen geschaffen. Diese Bestimmungen waren weltweit die ersten ihrer Art.
Der deutsche Gesetzgeber konzentriert sich dabei auf eine zwingend vorgeschriebene „Technische Aufsicht“ als externe menschliche Leitinstanz im Hintergrund und auf die Typgenehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Eine Fernsteuerung von Robo-Autos ist in Deutschland ebenfalls schon rechtlich möglich.
China hingegen setzt mit seiner neuen Richtlinie darauf, verbindliche Mindestanforderungen an Fahrzeughersteller, Testumgebungen und Fahrerkontrollen flächendeckend zu verankern. Dies zeigt den globalen Wettbewerb um die Führung in der Technologie und Regulierung des autonomen Fahrens.
- Technologische Führung: China will nicht nur technologisch, sondern auch regulatorisch eine führende Rolle einnehmen.
- Marktzugang: Stärkere Regulierung des Marktzugangs für intelligente Fahrzeuge wird erwartet.
- Sicheres Wachstum: Ziel ist es, ein sicheres und nachhaltiges Wachstum der Branche zu gewährleisten.





