Der chinesische Elektroautohersteller BYD hat sein erstes in Brasilien gefertigtes Plug-in-Hybridfahrzeug auf den Markt gebracht. Das Modell, ein BYD Song Pro Super-Hybrid Flex Fuel, ist seit Mittwoch landesweit erhältlich. Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Schritt für BYD in Südamerika.
Wichtige Punkte
- BYD fertigt erstes Plug-in-Hybridfahrzeug in Brasilien.
- Das Modell Song Pro Super-Hybrid Flex Fuel ist flexibel mit Strom, Benzin oder Ethanol betreibbar.
- Das Werk in Camaçari hat ein Investitionsvolumen von 5,5 Milliarden Reais (ca. 928 Millionen Euro).
- BYD plant, bis Januar 2027 über 50 Prozent lokale Komponenten zu verwenden.
- Der Juli war der bisher stärkste Verkaufsmonat für BYD in Brasilien.
BYD setzt auf lokale Produktion und Biosprit
Das neue Hybridfahrzeug, der BYD Song Pro Super-Hybrid Flex Fuel, kann mit Strom, Benzin oder Ethanol betrieben werden. Brasilien ist der weltweit zweitgrößte Produzent von Ethanolkraftstoff. Das Land setzt stark auf Biosprit-Modelle im Automobilbereich.
Alexandre Baldy, Vize-Präsident der BYD-Gruppe in Brasilien, betonte die Bedeutung dieses Projekts. Er erklärte, dass die Zusammenarbeit der Forschungs- und Entwicklungsteams in Brasilien und China zu einem exklusiv für den brasilianischen Markt entwickelten Produkt geführt hat.
Wichtige Fakten
- BYD investierte 5,5 Milliarden Reais (rund 928 Millionen Euro) in das Werk in Camaçari.
- Das Unternehmen strebt an, bis Januar 2027 einen Anteil von mehr als 50 Prozent lokaler Komponenten in allen in Brasilien produzierten Fahrzeugen zu erreichen.
- Geplante Produktion für dieses Jahr: etwa 180.000 Fahrzeuge.
Strategische Bedeutung des Werks in Camaçari
Das neue Modell wird im BYD-Werk in Camaçari im nordöstlichen Bundesstaat Bahia hergestellt. Dieses Werk soll Brasilien als regionales Exportzentrum etablieren. BYD bezieht bereits Teile wie Reifen lokal und plant, auch Batterien in Camaçari zu fertigen.
„Für BYD ist dies ein hochsymbolisches Projekt“, sagte Alexandre Baldy. „Diese erstmalige Zusammenarbeit der Forschungs- und Entwicklungsteams in Brasilien und China hat zu einem exklusiv für den brasilianischen Markt entwickelten Produkt geführt.“
Kontroversen um Arbeitsbedingungen
Die Fabrik in Camaçari geriet bereits während der Bauphase in die Schlagzeilen. Ende 2024 gab es Vorwürfe wegen Arbeitsverstößen und dem Verdacht auf Menschenhandel. Brasilianische Behörden sprachen von „sklavenartigen Bedingungen“ für 163 chinesische Arbeiter. Später wurden weitere 57 Arbeiter in einer ähnlichen Situation entdeckt.
Hintergrund der Vorwürfe
Die brasilianische Arbeitsstaatsanwaltschaft reichte eine Zivilklage gegen BYD ein. Die Anklagepunkte umfassten „internationalen Menschenhandel“ und „der Sklaverei vergleichbare“ Arbeitsbedingungen beim Bau des Werks. Es wurde eine Millionenentschädigung gefordert.
BYD machte einen Subunternehmer für die Missstände verantwortlich. Eine Untersuchung bestätigte jedoch, dass das Unternehmen Menschenrechte beim Bau der Fabrik verletzt hatte. Anfang April wurde BYD in eine „Schwarze Liste“ des Arbeitsministeriums aufgenommen. Dies ist ein nationales Register für Arbeitgeber, denen Verstöße gegen das nationale Arbeitsrecht vorgeworfen werden.
BYD erwirkte umgehend eine gerichtliche Verfügung zur Streichung von der Liste. Diese Entwicklung führte dazu, dass der oberste Arbeitsinspektor Brasiliens seinen Posten verlor. Die brasilianische Regierung sah sich daraufhin dem Vorwurf ausgesetzt, Bedenken hinsichtlich der Arbeitsrechtsverstöße durch BYD zu unterdrücken.
BYD expandiert stark im brasilianischen Markt
Trotz der Kontroversen ist Brasilien für BYD der größte Markt außerhalb Chinas. Der Juli war für den Konzern der bisher stärkste Verkaufsmonat in Brasilien. Der Autobauer setzte 23.465 Fahrzeuge ab. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Juli des Vorjahres, wo 9.680 Einheiten verkauft wurden.
Das meistverkaufte Auto in den ersten sechs Monaten des Jahres in Brasilien war das vollelektrische BYD-Modell Dolphin Mini. Es lag damit weit vor dem Hyundai Creta und dem VW T-Cross. Der neue Hybrid-Plug-in BYD Song folgte bereits auf Platz vier.
Die starke Performance auf dem brasilianischen Markt unterstreicht die Wachstumsstrategie von BYD in Südamerika. Das Unternehmen setzt auf eine Mischung aus Elektro- und Hybridfahrzeugen, um den lokalen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Zukunftsaussichten für BYD in Brasilien
BYD plant, seine Präsenz in Brasilien weiter auszubauen. Die Investitionen in die lokale Produktion und die Anpassung der Modelle an den Markt sind zentrale Elemente dieser Strategie. Die Fertigung von Batterien vor Ort würde die Wertschöpfungskette weiter vertiefen und die Abhängigkeit von Importen reduzieren.
Die Herausforderungen bezüglich der Arbeitsbedingungen bleiben jedoch ein wichtiger Punkt. Die Einhaltung nationaler und internationaler Standards ist entscheidend für den langfristigen Erfolg und das Ansehen des Unternehmens in der Region.
Der brasilianische Markt bietet großes Potenzial für Elektro- und Hybridfahrzeuge, insbesondere durch die Verfügbarkeit von Ethanol. BYD positioniert sich strategisch, um von dieser Entwicklung zu profitieren und seine Marktführerschaft auszubauen.





