Eine aktuelle Untersuchung des ADAC zeigt erhebliche Energieverluste beim Laden von Elektrofahrzeugen an der Steckdose. Bei einigen Modellen gehen bis zu einem Viertel des Stroms ungenutzt verloren. Diese Ineffizienz hat direkte Auswirkungen auf die Betriebskosten und die Umweltbilanz der Fahrzeuge.
Wichtige Erkenntnisse
- Ladeverluste an der Steckdose können bis zu 25 Prozent betragen.
- Der Mercedes CLA 350 EQ zeigte im Test die höchste Ineffizienz mit 24,2 Prozent Verlust.
- Die Verluste sind bei höheren Ladeleistungen und an Wallboxen deutlich geringer.
- Fahrzeuginterne Komponenten wie Batteriemanagement und Bordladegerät sind Hauptursachen.
- Die Ladeeffizienz beeinflusst sowohl die Kosten als auch die CO2-Emissionen des Elektroautos.
Erhebliche Energieverluste an der Haushaltssteckdose
Die Studie des ADAC hat die Ladeeffizienz von Elektroautos unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist deutlich: Beim Laden an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose, auch Schuko-Steckdose genannt, treten erhebliche Energieverluste auf. Diese Verluste sind nicht unerheblich und können die Attraktivität der Elektromobilität beeinflussen.
Besonders auffällig war der Mercedes CLA 350 EQ, der im Test mit einem Verlust von 24,2 Prozent den Spitzenwert erreichte. Das bedeutet, dass fast ein Viertel des bezahlten Stroms nicht in der Batterie des Fahrzeugs ankommt, sondern als Wärme oder durch ineffiziente Wandlungsprozesse verloren geht. Auch andere Modelle zeigten ähnliche, wenn auch geringere, Verluste.
Die Messungen wurden unter standardisierten Bedingungen durchgeführt, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen. Es zeigt sich, dass die Ladeinfrastruktur und die Fahrzeugtechnologie eng miteinander verbunden sind, wenn es um die Effizienz geht.
Faktencheck Ladeverluste
- Mercedes CLA 350 EQ: 24,2 % Verlust an Schuko-Steckdose
- Durchschnittlicher Verlust: Rund 10-25 % bei 2,3 kW Ladeleistung
- Vergleich AC vs. DC: DC-Laden hat meist höhere Gesamteffizienz
Ursachen für die Ineffizienz
Die Gründe für diese hohen Ladeverluste sind vielfältig. Ein wesentlicher Faktor ist die niedrige Ladeleistung an einer Haushaltssteckdose, die typischerweise bei 2,3 Kilowatt (kW) liegt. Bei so geringer Leistung müssen die fahrzeuginternen Systeme, insbesondere das Bordladegerät und das Batteriemanagementsystem, über einen längeren Zeitraum aktiv sein. Diese Komponenten verbrauchen selbst Strom, auch wenn sie keine Energie in die Batterie leiten.
Ein weiterer Punkt ist die Umwandlung des Wechselstroms (AC) aus dem Netz in Gleichstrom (DC) für die Batterie. Dieser Prozess ist nie zu 100 Prozent effizient. Bei niedrigen Leistungen arbeiten die Wandler oft nicht im optimalen Bereich, was zu höheren Verlusten führt. Auch die Kühlung der Komponenten und die Standby-Verluste des Fahrzeugs tragen dazu bei.
Die Qualität des Ladekabels und der Zustand der Steckdose können ebenfalls eine Rolle spielen, wenngleich dies meist geringere Auswirkungen hat als die fahrzeugseitigen Systeme.
"Die Verluste beim Laden an der Steckdose sind ein wichtiger Aspekt, der bei der Gesamtbetrachtung der Elektromobilität oft übersehen wird. Sie haben direkte Auswirkungen auf die tatsächlichen Kosten und die Umweltbilanz." – Maria Rodriguez, Expertin für Elektromobilität.
Auswirkungen auf Kosten und Umwelt
Die Ladeverluste haben direkte finanzielle Konsequenzen für die Nutzer von Elektroautos. Wenn beispielsweise 20 Prozent des Stroms verloren gehen, bedeutet dies, dass der Kunde für 20 Prozent mehr Energie bezahlt, als tatsächlich im Fahrzeug ankommt. Bei aktuellen Strompreisen kann sich das über die Lebensdauer eines Fahrzeugs zu einer erheblichen Summe addieren.
Nicht nur die Kosten steigen, sondern auch die Umweltbilanz verschlechtert sich. Um eine bestimmte Energiemenge in die Batterie zu bekommen, muss das Stromnetz mehr Energie bereitstellen. Dies führt zu einem höheren CO2-Ausstoß, insbesondere wenn der Strommix noch einen hohen Anteil an fossilen Energieträgern aufweist. Eine höhere Effizienz beim Laden würde also nicht nur den Geldbeutel schonen, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Hintergrundinformationen zum Laden
Das Laden von Elektrofahrzeugen erfolgt in der Regel mit Wechselstrom (AC) oder Gleichstrom (DC). Haushaltssteckdosen und Wallboxen liefern AC, während Schnellladestationen DC bereitstellen. Beim AC-Laden wandelt das Bordladegerät im Fahrzeug den Strom um. Beim DC-Laden erfolgt die Umwandlung bereits in der Ladesäule, was oft effizienter ist und höhere Leistungen ermöglicht.
Effizienteres Laden mit Wallboxen und Schnellladern
Die gute Nachricht ist, dass die Ladeeffizienz bei höheren Ladeleistungen deutlich besser ausfällt. Wer eine private Wallbox installiert, profitiert in der Regel von geringeren Verlusten. Wallboxen bieten höhere Ladeleistungen (z.B. 3,7 kW, 11 kW oder 22 kW) und sind speziell für das Laden von Elektrofahrzeugen konzipiert.
Bei höheren Leistungen arbeiten die Bordladegeräte der Fahrzeuge effizienter. Die Zeit, in der das System im Standby-Modus oder mit geringer Auslastung läuft, wird verkürzt. Auch die Verluste durch die Umwandlung sind im Verhältnis zur tatsächlich geladenen Energiemenge geringer. Der ADAC empfiehlt daher, wenn möglich, eine Wallbox für das regelmäßige Laden zu nutzen.
Noch effizienter ist oft das Laden an öffentlichen Schnellladestationen (DC-Laden). Hier erfolgt die Umwandlung des Stroms bereits in der Ladesäule, was die fahrzeugeigenen Komponenten entlastet und oft zu einer höheren Gesamteffizienz führt. Allerdings sind Schnellladestationen in der Regel teurer in der Nutzung.
- Vorteile Wallbox: Höhere Ladeleistung, bessere Effizienz, sicherer als Schuko.
- Vorteile Schnelllader: Sehr hohe Leistung, schnellere Ladevorgänge, oft hohe Effizienz.
- Nachteile Schuko: Geringe Leistung, hohe Verluste, lange Ladezeiten.
Empfehlungen für Elektroautobesitzer
Um die Ladeeffizienz zu maximieren und Kosten zu sparen, sollten Elektroautobesitzer folgende Punkte beachten:
- Wallbox installieren: Wenn zu Hause eine Lademöglichkeit besteht, ist eine Wallbox die beste Wahl für regelmäßiges Laden. Dies minimiert Verluste und beschleunigt den Ladevorgang.
- Ladeleistung nutzen: Ist eine Wallbox vorhanden, sollte die höchstmögliche Ladeleistung des Fahrzeugs genutzt werden, sofern dies nicht zu einer Überlastung des Hausnetzes führt.
- Ladezustand beachten: Das Laden im mittleren Bereich des Batteriestands (z.B. von 20% auf 80%) ist oft effizienter als das Laden von einem sehr niedrigen auf einen sehr hohen Stand.
- Fahrzeug nicht überladen: Ein ständiges Laden auf 100% kann die Batterie auf Dauer belasten und ist oft nicht notwendig.
- Ladeverluste kennen: Informieren Sie sich über die spezifischen Ladeverluste Ihres Fahrzeugmodells. Diese Informationen können bei der Wahl der Ladestrategie helfen.
Die Erkenntnisse des ADAC sind ein wichtiger Weckruf für Hersteller und Verbraucher. Eine höhere Ladeeffizienz ist entscheidend, um die Elektromobilität noch attraktiver und nachhaltiger zu gestalten. Es zeigt sich, dass nicht nur die Reichweite, sondern auch die Effizienz des Ladevorgangs eine zentrale Rolle spielt.





