In Deutschland nimmt der Diebstahl von Ladekabeln an öffentlichen Ladestationen zu. Besonders betroffen sind Schnellladestationen, da deren Kabel fest installiert sind. Der Kölner Ladeinfrastrukturdienstleister TankE reagiert nun auf diese Entwicklung mit einem neuen, zweistufigen Schutzsystem, das Diebstähle verhindern und Vandalismus erschweren soll. Die ersten Säulen sind bereits ausgerüstet.
Wichtige Punkte
- TankE rüstet seine Schnellladestationen mit einem neuen Schutzsystem aus.
- Das System besteht aus schnitthemmenden Kabelummantelungen und einem Alarmsystem.
- Der Materialwert des gestohlenen Kupfers ist gering, der Schaden jedoch hoch.
- Die Zahl der Kabeldiebstähle hat sich in Köln im letzten Jahr drastisch erhöht.
- Andere Betreiber nutzen ebenfalls verschiedene Schutzmaßnahmen wie GPS oder spezielle Farbe.
Zweistufiges Schutzkonzept für Ladekabel
TankE hat sich für ein umfassendes Sicherungssystem entschieden. Dieses soll die Anfälligkeit der Ladekabel für Diebstahl und Beschädigung reduzieren. Die Maßnahmen sind darauf ausgelegt, sowohl physischen Schutz als auch eine sofortige Reaktion auf Manipulationen zu gewährleisten. Die Installation erfolgt ohne längere Ausfallzeiten.
Das erste Element des Schutzes ist eine schnitthemmende Ummantelung der Ladekabel. Diese Hülle macht die Kabel deutlich widerstandsfähiger gegen Versuche, sie zu durchtrennen. Damit wird der Zugang zum wertvollen Kupfer im Inneren erschwert und der Diebstahl unattraktiver.
Faktencheck: Kabeldiebstahl
- Materialwert des gestohlenen Kupfers: etwa 50 Euro.
- Schaden pro Diebstahl für Betreiber: 5.000 bis 8.000 Euro.
- In Köln stieg die Zahl der Diebstähle von 5 (2024) auf über 60 (Januar-Oktober 2025).
Akustischer und optischer Alarm
Als zweite Stufe integriert TankE ein Alarmsystem. Sobald eine Manipulation am Kabel erkannt wird, löst dies eine laute Sirene aus. Zusätzlich aktiviert sich ein Blitzlicht, das als optischer Alarm dient. Diese Kombination soll Diebe abschrecken und Umstehende auf den Vorfall aufmerksam machen. Das gewählte System überzeugte TankE sowohl technisch als auch im laufenden Betrieb.
Die Nachrüstung bestehender Ladestationen ist unkompliziert. Dies minimiert die Betriebsunterbrechungen für Elektromobilisten. TankE betont, dass die Sicherheit und Verfügbarkeit der Ladepunkte oberste Priorität haben.
Steigende Zahlen und hohe Kosten
Kabeldiebstähle an Ladestationen sind für die Betreiber ein zunehmendes Problem. Der materielle Wert des entwendeten Kupfers ist relativ gering. Der Automobilclub Verkehr (ACV) schätzt ihn auf rund 50 Euro. Der tatsächlich verursachte Schaden liegt jedoch weitaus höher. Er kann zwischen 5.000 und 8.000 Euro pro Vorfall betragen.
Diese Kosten entstehen durch den Ersatz des Kabels, Reparaturen an der Ladesäule und den Ausfall der Ladestation. Für Elektroautofahrer bedeutet ein beschädigter Ladepunkt oft unnötigen Ärger und die Suche nach einer alternativen Lademöglichkeit. Dies beeinträchtigt das Vertrauen in die Ladeinfrastruktur.
Hintergrund: Warum Schnelllader betroffen sind
Diebstähle betreffen fast ausschließlich Gleichstrom-Schnellladestationen. Der Grund ist, dass bei diesen Stationen die Ladekabel fest an der Säule montiert sind. Bei langsameren Wechselstrom-Ladestationen bringen Nutzer ihre eigenen Kabel mit, die nicht fest verbunden sind und somit nicht gestohlen werden können.
Die Entwicklung der Diebstahlszahlen ist alarmierend. In Köln, wo TankE aktiv ist, wurden laut lokaler Berichterstattung von Januar bis Oktober 2025 etwa 60 Kabel durchtrennt und entwendet. Im gesamten Jahr 2024 waren es lediglich fünf Fälle. Dies entspricht einer Vervielfachung der Vorfälle innerhalb kurzer Zeit.
„Die Zunahme der Kabeldiebstähle ist ein ernstes Problem für die Betreiber und die Elektromobilität insgesamt. Jeder ausgefallene Ladepunkt frustriert die Nutzer und verzögert den Ausbau der Infrastruktur.“
Auch andere große Betreiber sind betroffen. EnBW, Deutschlands größter Schnellladenetzbetreiber, registrierte im Oktober 2025 über 900 Kabeldiebstähle seit Jahresbeginn. EWE Go aus Oldenburg meldete ebenfalls eine hohe zweistellige Zahl von Vorfällen. Eine bundesweite Statistik fehlt bislang, was die Einschätzung des Gesamtumfangs erschwert.
Vielfältige Schutzmaßnahmen anderer Betreiber
TankE ist nicht der einzige Anbieter, der auf die Bedrohung durch Kabeldiebstahl reagiert. Viele Unternehmen suchen nach innovativen Lösungen, um ihre Ladeinfrastruktur zu schützen. Dies zeigt, wie ernst die Branche das Problem nimmt.
- Der britische Betreiber InstaVolt setzt beispielsweise auf GPS-Tracker in den Ladekabeln. Dies ermöglicht es, gestohlene Kabel zu orten und die Täter zu überführen.
- Tesla integriert in seine Kabel eine spezielle, nicht abwaschbare Farbe. Diese spritzt heraus, wenn die Kabelhülle beschädigt wird. Die Farbe markiert sowohl die Diebe als auch die gestohlenen Kabel, was deren Weiterverkauf erschwert.
- Einige Unternehmen installieren Videoüberwachung an besonders gefährdeten Standorten. Kameras sollen Diebe abschrecken und Beweismittel liefern.
- Eine weitere Strategie ist der Austausch von Kupfer durch günstigere Materialien wie Aluminium. Dies reduziert den Anreiz für Diebe, da der Materialwert sinkt. Allerdings kann dies technische Herausforderungen mit sich bringen.
Die Einführung des neuen Schutzsystems durch TankE ist ein wichtiger Schritt. Es soll die Verfügbarkeit der Ladestationen verbessern und einen Beitrag zur Sicherung der Elektromobilität leisten. Die Branche muss weiterhin zusammenarbeiten, um effektive Lösungen gegen Vandalismus und Diebstahl zu finden.





