BMW wird beim kommenden Facelift der 7er-Reihe keine Level-3-Funktionen für hochautomatisiertes Fahren mehr anbieten. Damit folgt der bayerische Automobilhersteller Mercedes-Benz, der diese Option bereits zuvor aus seinem Angebot genommen hatte. Der Fokus verschiebt sich nun auf weiterentwickelte Level-2+-Systeme, die dem Fahrer mehr Unterstützung bieten, die volle Verantwortung jedoch beibehalten.
Wichtige Erkenntnisse
- BMW entfernt Level-3-Autonomie aus der 7er-Reihe.
- Geringe Kundennachfrage und eingeschränkter Nutzen als Hauptgründe.
- Der Fokus liegt nun auf Level-2+-Assistenzsystemen.
- Mercedes-Benz hat Level 3 ebenfalls eingestellt.
- Kosten für Level 3 betrugen bei BMW 6.000 Euro.
Rückzug aus Level 3: BMW folgt Mercedes
Der Schritt von BMW, die Level-3-Autonomie beim 7er einzustellen, kommt nicht unerwartet. Schon Mercedes-Benz hatte bei der Überarbeitung seiner S-Klasse und des EQS angekündigt, den sogenannten „Drive Pilot“ nicht mehr anzubieten. Beide Hersteller nennen ähnliche Gründe für diese Entscheidung.
Für die Kunden bedeutete Level 3, dass sie bei bestimmten Bedingungen, etwa im Stau oder bei zähflüssigem Verkehr auf Autobahnen, die Hände vom Lenkrad nehmen und sich anderen Aktivitäten widmen konnten. In Deutschland ist dies bei Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h, bei Mercedes sogar bis 95 km/h, rechtlich erlaubt.
Ein Sprecher von BMW bestätigte, dass der „Personal Pilot L3“ für die Ende April 2026 erwartete Modellpflege des BMW 7er nicht mehr verfügbar sein wird.
Faktencheck: Level 3 Autonomie
- Definition: Hochautomatisiertes Fahren. Das Fahrzeug übernimmt die Fahraufgabe unter bestimmten Bedingungen vollständig. Der Fahrer muss jedoch jederzeit bereit sein, die Kontrolle zu übernehmen, wenn das System dazu auffordert.
- Einsatzgebiet: Bisher hauptsächlich auf Autobahnen mit baulich getrennten Fahrbahnen und bei niedrigen Geschwindigkeiten (bis 60 km/h, Mercedes bis 95 km/h).
- Erlaubte Nebentätigkeiten: Während das System aktiv ist, darf der Fahrer sich Medieninhalten widmen oder lesen.
Gründe für die Abkehr: Kosten und Kundennutzen
BMW begründet den Rückzug von Level 3 mit dem eingeschränkten Kundennutzen und einer mangelnden Nachfrage. Die Option wurde im März 2024 eingeführt und kostete einen Aufpreis von 6.000 Euro. Für viele Kunden schien der Mehrwert angesichts der hohen Kosten und der begrenzten Einsatzmöglichkeiten nicht ausreichend zu sein.
Mercedes-Benz äußerte sich ähnlich. Auch hier wurde mangelndes Interesse als Grund für die Entfernung der Level-3-Option bei der Modellpflege der S-Klasse genannt. Es scheint, dass die Erwartungen der Kunden an diese Technologie noch nicht mit den aktuellen technischen und rechtlichen Möglichkeiten übereinstimmen.
Hintergrund: Die SAE-Level des autonomen Fahrens
Die Society of Automotive Engineers (SAE) definiert sechs Level des automatisierten Fahrens (Level 0 bis Level 5):
- Level 0: Keine Automatisierung.
- Level 1: Fahrerassistenz (z.B. adaptiver Tempomat).
- Level 2: Teilautomatisierung (z.B. Spurhalteassistent + adaptiver Tempomat, Hände am Lenkrad).
- Level 3: Hochautomatisierung (Fahrzeug übernimmt, Fahrer muss bei Bedarf eingreifen).
- Level 4: Vollautomatisierung (Fahrzeug fährt autonom unter bestimmten Bedingungen, kein Eingreifen des Fahrers nötig).
- Level 5: Komplette Automatisierung (Fahrzeug fährt immer und überall autonom).
Der neue Fokus: Level 2+ Assistenzsysteme
Statt auf Level 3 setzen sowohl BMW als auch Mercedes-Benz nun verstärkt auf Level-2+-Systeme. Diese sind sowohl für die Hersteller als auch für die Kunden kostengünstiger und bieten dennoch einen erheblichen Komfortgewinn. Bei Level 2+ bleibt die volle Verantwortung beim Fahrer, auch wenn das Fahrzeug unterstützende Funktionen übernimmt.
BMW entwickelt beispielsweise den sogenannten Autobahnassistenten weiter. Dieser ermöglicht es dem Fahrer, die Hände bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h vom Lenkrad zu nehmen. Der Fahrer muss jedoch stets aufmerksam bleiben und jederzeit bereit sein, die Kontrolle wieder zu übernehmen. Dieses System kommt unter anderem im BMW iX3 der Neuen Klasse zum Einsatz.
Intelligente Spurwechselassistenz
Ein weiteres Feature ist die assistierte Spurwechselmöglichkeit. Durch einen Blick in den Außenspiegel kann der Fahrer den Spurwechsel initiieren. Das Fahrzeug übernimmt dann die notwendigen Lenkbewegungen und Geschwindigkeitsanpassungen. Diese intuitive Geste ergänzt die bisherige Aktivierung über den Blinkerhebel.
Der Autobahnassistent ist im iX3 als Sonderausstattung „Autobahn- & City-Assistent“ für 1.450 Euro erhältlich. Für den 7er ist ein ähnlicher Aufpreis zu erwarten. Dieses Paket beinhaltet auch den City-Assistenten, der das automatische Anhalten an roten Ampeln und das Wiederanfahren ermöglicht.
Mercedes-Benz mit MB.Drive Assist Pro
Auch Mercedes-Benz hat seine Assistenzsysteme weiterentwickelt. In der überarbeiteten S-Klasse und im neuen CLA bietet der Hersteller optional das System MB.Drive Assist Pro an. Dieses System verbindet eine Assistenz auf SAE-Level 2++ mit einer integrierten Navigation und bietet somit erweiterte Komfortfunktionen, ohne die volle Verantwortung des Fahrers aufzuheben.
Die Hersteller scheinen erkannt zu haben, dass die Akzeptanz für hochautomatisierte Fahrfunktionen bei den Kunden erst dann steigt, wenn diese breiter einsetzbar und die Kosten-Nutzen-Relation attraktiver sind. Bis dahin bleiben Level-2+-Systeme der bevorzugte Weg, um das Fahrerlebnis sicherer und komfortabler zu gestalten.
Interessante Zahl:
Der Aufpreis für die Level-3-Option bei BMW betrug 6.000 Euro. Dies unterstreicht die hohen Entwicklungskosten und den technischen Aufwand, der mit dieser Technologie verbunden ist.
Ausblick: Zukunft des autonomen Fahrens
Der Rückzug aus Level 3 bedeutet keineswegs das Ende des autonomen Fahrens. Vielmehr zeigt es eine pragmatische Anpassung der Strategie der Automobilhersteller. Der Fokus liegt nun auf der Perfektionierung von Systemen, die dem Fahrer eine spürbare Entlastung bieten, ohne die Komplexität und die rechtlichen Herausforderungen von Level 3 zu übernehmen.
Experten gehen davon aus, dass Level 4 und 5, also vollständig autonomes Fahren ohne Eingreifen des Fahrers, noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden, bis sie flächendeckend und sicher eingesetzt werden können. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass der Weg dorthin über inkrementelle Verbesserungen der bestehenden Assistenzsysteme führt.
Die Automobilindustrie investiert weiterhin massiv in die Forschung und Entwicklung von Sensortechnologien, künstlicher Intelligenz und Softwarelösungen, um die Vision des autonomen Fahrens schrittweise Realität werden zu lassen. Die Erfahrungen mit Level 3 liefern wertvolle Erkenntnisse für die nächsten Entwicklungsschritte.





