Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Ungarns Premierminister Péter Magyar haben in Budapest eine Lockerung des geplanten EU-Verbrennerverbots gefordert. Beide Politiker sprachen sich für eine Überarbeitung des Green Deals aus. Sie betonen, dass Neuwagen mit Verbrennungsmotor auch nach 2035 in der EU zugelassen werden sollten.
Wichtige Punkte
- Bayern und Ungarn fordern die Beibehaltung von Verbrennungsmotoren nach 2035.
- Der Green Deal soll korrigiert werden, um wirtschaftliche Kapazitäten in Europa zu sichern.
- Deutschland hatte bereits eine Aufweichung des Verbots vorgeschlagen.
- Hersteller könnten 10% der Flottenemissionen durch E-Fuels oder regenerativen Stahl kompensieren.
- Die Umstellung auf Elektromobilität verläuft langsamer als erwartet.
Gemeinsamer Aufruf aus Budapest
Ministerpräsident Söder (CSU) und sein ungarischer Amtskollege Magyar trafen sich in der ungarischen Hauptstadt. Dort äußerten sie ihre Bedenken bezüglich der aktuellen EU-Pläne. Sie sind sich einig, dass die EU-Verordnungen in Bezug auf Verbrennungsmotoren überdacht werden müssen. Magyar betonte, dass die Fehler des Green Deals korrigiert werden müssen.
Diese Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Automobilindustrie in Europa vor großen Herausforderungen steht. Viele deutsche Hersteller wie Mercedes, Audi und BMW produzieren bereits seit langem in Ungarn. Die enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen Bayern und Ungarn, insbesondere im Automobilsektor, spielt hier eine wichtige Rolle.
Faktencheck
- Ziel der EU: 100% Reduzierung der Flottenemissionen von Neuwagen ab 2035.
- Aufweichung: Hersteller können 10% des Ziels über E-Fuels oder regenerativen Stahl erreichen.
- Kosten: Kompensation durch geringe Stückzahlen wird voraussichtlich teuer.
Deutschlands Position zur Aufweichung des Verbots
Auch Deutschland hatte sich nach intensiven Debatten für eine Lockerung des Verbrennerverbots ausgesprochen. Die Bundesregierung einigte sich auf eine gemeinsame Position. Diese sieht vor, dass die EU-Kommission eine Neuzulassung von Verbrennungsmotoren nach 2035 vorschlägt. Dies wäre eine Abkehr vom ursprünglich vereinbarten Aus.
Das unveränderte Hauptziel bleibt die vollständige Senkung der Flottenemissionen von Neuwagen in der EU ab 2035. Die neue Regelung bietet Herstellern jedoch einen gewissen Spielraum. Sie können dieses Ziel zu 90 Prozent über die Flotte erreichen. Die restlichen 10 Prozent könnten durch den Einsatz von E-Fuels oder regenerativ erzeugtem Stahl kompensiert werden.
„Die Fehler aus dem Green Deal müssten korrigiert werden“, sagte Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar.
Herausforderungen und Kosten der Kompensation
Die Möglichkeit, Verbrennungsmotoren weiterhin zuzulassen, ist an strenge Bedingungen geknüpft. Hersteller, die nach 2035 noch Neuwagen mit Verbrennungsmotor verkaufen möchten, müssen die Emissionen über die genannten Wege ausgleichen. Die Grenzen hierfür sind mit insgesamt 10 Prozent sehr eng gesteckt.
Es wird erwartet, dass die Kompensation durch die kleinen Stückzahlen sehr kostspielig wird. Dies könnte dazu führen, dass neue Verbrenner insgesamt deutlich teurer werden. Sie wären dann voraussichtlich nur noch in einer kleinen Nische des Marktes zu finden. Diese Entwicklung könnte die Attraktivität von Verbrennungsmotoren weiter mindern.
Hintergrund: Der Green Deal
Der Europäische Green Deal ist eine Reihe von politischen Initiativen der Europäischen Kommission. Ziel ist es, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Dazu gehören Maßnahmen zur Reduzierung von Emissionen, Investitionen in grüne Technologien und der Schutz der Artenvielfalt. Das Verbrenner-Aus ist ein zentraler Bestandteil dieser Strategie.
Forderungen nach flexibleren Lösungen
Deutschland fordert unter anderem, dass Fahrzeuge, die ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen oder modernen Biokraftstoffen betrieben werden, als Nullemissionsfahrzeuge angerechnet werden können. Auch Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Reichweitenverstärker sollen nach dem Willen Deutschlands weiterhin möglich sein. Diese Vorschläge haben jedoch nur Aussicht auf Erfolg, wenn weltweit nennenswerte Stückzahlen solcher Fahrzeuge absehbar sind.
Die Transformation hin zur Elektromobilität verläuft derzeit langsamer als ursprünglich prognostiziert. Dennoch ist die mittelfristige Richtung der Antriebswende absehbar. Die Politiker aus Bayern und Ungarn betonen, dass es darum geht, Kapazitäten in Europa zu halten und nicht zu verlieren. Sie sehen Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Entwicklung als Schlüssel.
Zukunft der Automobilindustrie in Europa
Ungarns Premierminister Magyar hob hervor, dass sein Land keine Konkurrenz für Deutschland als Wirtschaftsstandort darstelle. Stattdessen gehe es darum, gemeinsam europäische Kapazitäten zu stärken. Seine Regierung führe kontinuierlich Verhandlungen mit potenziellen Investoren aus Bayern und ganz Deutschland. Dies unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Automobilindustrie.
Die Debatte um das Verbrenner-Aus zeigt die komplexen Herausforderungen. Es geht um den Spagat zwischen Klimaschutz und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit. Die Forderungen aus Bayern und Ungarn könnten neue Impulse für die Diskussionen auf EU-Ebene geben. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des Verbrennungsmotors steht noch aus und wird weitreichende Folgen haben.





