BMW, der letzte große deutsche Automobilhersteller ohne ein umfassendes Stellenabbauprogramm, hat nun Pläne bekannt gegeben, weltweit rund 8.000 Arbeitsplätze zu streichen. Der Großteil dieser Maßnahmen wird voraussichtlich Deutschland betreffen. Das Unternehmen reagiert damit auf aktuelle Herausforderungen im globalen Automobilmarkt und die Notwendigkeit, Kosten zu senken.
Wichtige Punkte
- BMW plant den Abbau von 8.000 Stellen weltweit.
- Ein Großteil des Stellenabbaus soll in Deutschland erfolgen.
- Das Programm basiert auf natürlicher Fluktuation und freiwilligen Abfindungen.
- Mitarbeiter außerhalb der direkten Produktion in Deutschland sind betroffen.
- Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf Marktdruck und hohe Entwicklungskosten.
Details zum Stellenabbauprogramm
Der geplante Stellenabbau bei BMW soll nicht durch Entlassungen, sondern über zwei Hauptwege umgesetzt werden: natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm. Dieses Abfindungsprogramm ist speziell für Mitarbeiter in Deutschland konzipiert, die nicht direkt in der Produktion tätig sind. Es soll von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen.
Da über die Hälfte der insgesamt knapp 154.000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt sind – zum Halbjahr waren es gut 84.000 – und das Abfindungsprogramm hier angesiedelt ist, wird erwartet, dass auch mehr als die Hälfte der betroffenen Arbeitsplätze auf Deutschland entfällt. Die genaue Anzahl der in Deutschland wegfallenden Stellen wird noch präzisiert.
Zahlen und Fakten
- 8.000 Stellen: Geplanter weltweiter Abbau bei BMW.
- 154.000 Mitarbeiter: Gesamtbelegschaft von BMW.
- 84.000 Mitarbeiter: Anteil der Belegschaft in Deutschland zur Jahresmitte.
- 2.000 Stellen: Bereits von Mitte 2025 bis Mitte 2026 abgebaut.
Hintergrund der Entscheidung
Die Entscheidung zum Stellenabbau kommt, nachdem BMW-Konzernchef Milan Nedeljković, der erst einen Monat zuvor vom Produktionsvorstand zum Konzernchef aufgestiegen war, eine deutliche Gewinnwarnung aussprechen musste. Das Unternehmen hatte bereits angekündigt, "laufende Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen" zu wollen.
Ein weiterer wesentlicher Grund für die Personalmaßnahmen sind die erheblichen Investitionen in die Entwicklung der Neuen Klasse. BMW hat viel Geld in diesen technologischen Sprung investiert. Die Erwartung ist, dass die Entwicklungskosten nach Abschluss dieser Phase wieder sinken, und dies schließt offenbar auch Personalkosten ein.
"Der Konzern wird die laufenden Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen intensivieren und beschleunigen."
Reaktionen und Gespräche
Der Gesamtbetriebsrat hatte im Juni "unverzügliche und verbindliche" Gespräche mit der Unternehmensleitung gefordert. Diese Gespräche wurden offenbar innerhalb von sechs Wochen abgeschlossen. Es wird erwartet, dass sowohl der Betriebsratsvorsitzende Martin Kimmich als auch Konzernchef Nedeljković bei der Bekanntgabe des Personalstrukturprogramms sprechen werden.
Das Abfindungsprogramm in Deutschland wird dem Vernehmen nach nicht selektiv sein. Es steht allen Mitarbeitern außerhalb der direkten Produktion offen, was Zehntausende Menschen betrifft. Wie hoch die Kosten für BMW für diesen Stellenabbau sein werden, ist noch nicht vollständig klar. Finanzchef Walter Mertl hatte im Juni Einmalbelastungen von rund einer Milliarde Euro im Zuge der Restrukturierung angedeutet, jedoch offengelassen, ob diese Summe vollständig in den Personalabbau fließt.
Marktumfeld und Wettbewerb
Die gesamte deutsche Automobilindustrie steht derzeit unter erheblichem Druck. Der chinesische Markt, einstmals ein Wachstumsmotor, verzeichnet einen Einbruch und einen stark erhöhten Konkurrenz- und Preisdruck. Hinzu kommen US-Zölle, die wachsende chinesische Konkurrenz auf dem Weltmarkt und die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten auf die globale Konjunktur. Auch BMW kann sich diesen Entwicklungen nicht entziehen, obwohl der Konzern zuletzt oft glimpflicher davonzukommen schien als seine direkten Konkurrenten.
Vergleich mit anderen Herstellern
BMW war lange Zeit der letzte große deutsche Autohersteller, der ohne ein umfangreiches Stellenabbauprogramm auskam. Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche hatten bereits im vergangenen Jahr Stellenstreichungen angekündigt, teilweise in weit größerem Umfang. Im Volkswagen-Konzern wird sogar bereits über eine zweite Runde von Streichungen verhandelt, die Zehntausende Arbeitsplätze betreffen könnte. Porsche kündigte erst diese Woche den Wegfall weiterer 5.000 Jobs an. Auch große Zulieferer sind von Personalreduzierungen betroffen.
Ein Rückgang der Belegschaft bei BMW hat bereits vor dem jetzt angekündigten Abbau begonnen. Von Mitte 2025 bis Mitte 2026 sank die Zahl der Mitarbeiter bereits um rund 2.000. Die Jahresprognose für 2026 sah ebenfalls einen leichten Rückgang vor.
Historische Parallelen
Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung ist für BMW nicht beispiellos. Anfang 2008 hatte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer einen Abbau in ähnlicher Dimension angekündigt. Bis Ende 2010 schrumpfte die Belegschaft damals sogar um mehr als 10.000 Mitarbeiter auf 95.000. Danach erfolgte jedoch ein starker Wiederanstieg der Mitarbeiterzahlen. Angesichts der aktuellen Prognosen für die deutsche Autoindustrie erscheint ein solcher schnellen Wiederaufbau unwahrscheinlich.
Die Halbjahreszahlen von BMW werden am Donnerstag veröffentlicht und geben weitere Einblicke in die finanzielle Lage des Konzerns. Die Gewinnwarnung im Juni, sinkende Absatzzahlen und die bereits vorliegenden Ergebnisse der Konkurrenten lassen jedoch wenig Hoffnung auf durchweg positive Nachrichten.





