Der Automobilkonzern Stellantis trennt sich von seinem Carsharing-Geschäft Free2move. Das Unternehmen wird an den Münchner Finanzinvestor Mutares verkauft. Dieser Schritt markiert eine Neuausrichtung von Stellantis auf sein Kerngeschäft und die Stärkung der Automobilproduktion.
Wichtige Punkte
- Stellantis verkauft Free2move an Mutares.
- Der Verkauf soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
- Stellantis konzentriert sich auf das Kerngeschäft und Kostensenkung.
- Mutares plant, Free2move als eigenständige Mobilitätsplattform weiterzuentwickeln.
- Der deutsche Carsharing-Markt verzeichnet einen leichten Rückgang der Fahrzeugzahlen.
Stellantis fokussiert sich auf Automobilproduktion
Stellantis, einer der größten Automobilhersteller weltweit, veräußert seine Carsharing-Tochter Free2move. Dieser strategische Schritt ist Teil der Konzernstrategie „FaSTLAne 2030“, die eine stärkere Konzentration auf das Kerngeschäft vorsieht. Der neue CEO Antonio Filosa setzt auf eine massive Kostensenkung und Investitionen in moderne Fahrzeugarchitekturen.
Die Entscheidung, Free2move zu verkaufen, spiegelt den Wunsch wider, sich von Aktivitäten zu trennen, die nicht direkt zum Kerngeschäft gehören oder als unrentabel eingestuft werden. Stellantis plant, rund 60 Milliarden Euro in eine neue modulare Fahrzeugarchitektur mit drei Plattformen zu investieren.
„Indem wir uns stärker auf unser Kerngeschäft im Automobilbereich konzentrieren, stärken wir unsere Fähigkeit, langfristig Erfolge zu erzielen“, erklärte Virgilio Cerutti, Head of Business Development & Partnerships bei Stellantis.
Free2move: Eine internationale Carsharing-Flotte
Free2move betreibt eine umfangreiche Carsharing-Flotte in 14 Städten in Europa und den Vereinigten Staaten. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen weltweit über etwa 450.000 Fahrzeuge. In Deutschland ist Free2move vor allem für sein Freefloating-Angebot bekannt, bei dem Nutzer Fahrzeuge flexibel im Stadtgebiet mieten und abstellen können.
Faktencheck Carsharing Deutschland
- Rund 43.000 Carsharing-Fahrzeuge in Deutschland.
- Verfügbar in knapp 1500 Städten und Gemeinden.
- Leichter Rückgang von etwa 2000 Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr.
- Miles führt die größte Flotte an, gefolgt von Stadtmobil und Free2move.
Im Jahr 2022 hatte Free2move den deutschen Carsharing-Pionier Share Now übernommen. Share Now selbst entstand 2019 aus der Fusion der Carsharing-Angebote Car2Go von Mercedes-Benz und DriveNow von BMW. Diese Übernahme sollte ursprünglich eine umfassende europäische Expansion vorantreiben.
Mutares sieht großes Potenzial in Free2move
Der Käufer, der Münchner Finanzinvestor Mutares, plant, Free2move als eigenständige Einheit weiterzuführen. Das Ziel ist es, eine „neue Plattform im Mobilitätssektor“ zu etablieren. Mutares ist bekannt dafür, Unternehmen in Umbruchsituationen zu erwerben, um sie operativ zu verbessern und anschließend profitabel weiterzuverkaufen.
Die Neugestaltung des Managements der internationalen Flotte und die weitere Umstellung auf batterieelektrische Fahrzeuge stehen im Fokus der zukünftigen Strategie von Mutares für Free2move. Dies unterstreicht den Trend zur Elektromobilität auch im Carsharing-Bereich.
„Das Carsharing-Geschäft von Free2move vereint eine starke, international anerkannte Marke mit deutlichem Potenzial für operative Verbesserungen“, sagte Mutares-CIO Johannes Laumann. Er freue sich darauf, „das Unternehmen zu einer unabhängigen führenden Plattform im Mobilitätssektor weiterzuentwickeln.“
Der Mobilitätsmarkt im Wandel
Der Mobilitätsmarkt erlebt eine zunehmende Konzentration. Große Akteure wie Bolt, die neben Mietfahrzeugen auch Fahrdienste anbieten, und der US-Riese Lyft, der nach der Übernahme von Freenow ebenfalls in Deutschland aktiv ist, dominieren zunehmend. Diese Entwicklung zeigt, dass Carsharing-Dienste in einem hart umkämpften Umfeld agieren.
Die Fokussierung auf Kernkompetenzen und die Optimierung der Betriebsabläufe sind entscheidend für den Erfolg in diesem dynamischen Sektor. Kleinere oder weniger profitable Geschäftsbereiche werden oft abgestoßen, um Ressourcen für strategisch wichtigere Felder freizumachen.
Auswirkungen auf den deutschen Carsharing-Markt
Der Verkauf von Free2move könnte auch Auswirkungen auf den deutschen Carsharing-Markt haben. Aktuell sind in Deutschland etwa 43.000 Carsharing-Fahrzeuge in fast 1500 Städten und Gemeinden verfügbar. Im Vergleich zum Vorjahr gab es jedoch einen Rückgang von rund 2000 Fahrzeugen.
Die größten Flotten in Deutschland betreiben derzeit Miles, gefolgt von Stadtmobil und Free2move. Mit Mutares als neuem Eigentümer könnte sich die Position von Free2move im deutschen Markt neu festigen oder verändern, je nachdem, welche strategischen Investitionen und operativen Verbesserungen der Finanzinvestor umsetzen wird.
Die Umstellung auf batterieelektrische Fahrzeuge ist ein wichtiger Aspekt für die Zukunftsfähigkeit von Carsharing-Diensten. Dies ist nicht nur eine Reaktion auf Umweltauflagen, sondern auch ein Weg, um den steigenden Anforderungen der Nutzer an nachhaltige Mobilitätslösungen gerecht zu werden.





