Immer mehr Autos in Deutschland bestehen die Hauptuntersuchung (HU) nicht auf Anhieb. Aktuelle Daten zeigen, dass mehr als jedes fünfte Fahrzeug wegen erheblicher oder sogar gefährlicher Mängel erneut vorgeführt werden muss. Dieser negative Trend bereitet Experten Sorge.
Wichtige Erkenntnisse
- 21,5 Prozent der Fahrzeuge fielen bei der HU durch.
- Nur 66,1 Prozent der Fahrzeuge waren mängelfrei.
- Das Durchschnittsalter der Pkw steigt kontinuierlich an.
- Ältere Fahrzeuge haben häufiger Mängel.
- E-Autos zeigen spezifische Schwächen, etwa an Achsaufhängungen und Bremsen.
Zunehmende Mängel bei der Hauptuntersuchung
Die Quote der Fahrzeuge mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln hat einen besorgniserregenden Wert erreicht. Laut TÜV-Verband mussten 21,5 Prozent der untersuchten Pkw erneut zur Nachprüfung. Dieser Wert ist der höchste seit dem Jahr 2020 und zeigt einen klaren Rückwärtstrend in der technischen Fahrzeugsicherheit.
Im Untersuchungszeitraum von Juli 2024 bis Juni 2025 waren nur noch 66,1 Prozent der Fahrzeuge mängelfrei. Im Jahr 2022 lag dieser Anteil noch bei fast 73 Prozent. Dies bedeutet, dass innerhalb von zwei Jahren ein signifikanter Rückgang der mängelfreien Fahrzeuge zu verzeichnen ist.
„Der Trend bei der technischen Fahrzeugsicherheit ist eindeutig negativ“, stellte Verbands-Geschäftsführer Joachim Bühler fest. „Die Alterung des Fahrzeugbestands macht technische Fortschritte bei der Sicherheit zunichte.“
Faktencheck HU
- 21,5% Durchfallquote bei der letzten Hauptuntersuchung.
- 66,1% der Fahrzeuge waren mängelfrei.
- Im Jahr 2022 waren noch 73% mängelfrei.
- Die Zahlen basieren auf etwa 9,5 Millionen Hauptuntersuchungen.
Das Alter der Fahrzeuge als Hauptursache
Ein wesentlicher Faktor für die steigende Mängelquote ist das zunehmende Alter der Fahrzeuge. Daten des Kraftfahrt-Bundesamts zeigen, dass das Durchschnittsalter des deutschen Pkw-Bestands kontinuierlich steigt. Im Jahr 2000 lag es noch bei 6,9 Jahren. Mittlerweile hat es sich auf 10,6 Jahre erhöht.
Mehr als jedes vierte Auto in Deutschland ist inzwischen älter als 15 Jahre. Gleichzeitig sind knapp 52 Prozent aller Pkw jünger als zehn Jahre. Diese Verschiebung im Altersdurchschnitt führt dazu, dass mehr Fahrzeuge mit potenziellen Verschleißerscheinungen auf den Straßen unterwegs sind.
Konsequenzen für die Verkehrssicherheit
Ältere Fahrzeuge sind anfälliger für technische Defekte, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen können. Bremsen, Fahrwerk und Beleuchtung sind typische Bereiche, in denen mit zunehmendem Alter Mängel auftreten. Die regelmäßige Hauptuntersuchung soll diese Risiken minimieren, doch die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Handlungsbedarf besteht.
Hintergrund: Die Hauptuntersuchung
Die Hauptuntersuchung (HU), oft umgangssprachlich als „TÜV“ bezeichnet, ist eine gesetzlich vorgeschriebene technische Prüfung von Kraftfahrzeugen in Deutschland. Sie dient der Überprüfung der Verkehrs- und Betriebssicherheit sowie der Umweltverträglichkeit der Fahrzeuge. Die HU muss in der Regel alle zwei Jahre durchgeführt werden.
Neben dem TÜV dürfen auch andere Organisationen wie Dekra, GTÜ und KÜS die Hauptuntersuchung durchführen. Die vom TÜV-Verband veröffentlichten Zahlen gelten als repräsentativ für den gesamten Fahrzeugbestand in Deutschland.
Spezifische Mängel bei Elektroautos
Auch Elektroautos werden immer häufiger bei der Hauptuntersuchung geprüft. Die aktuelle Statistik des TÜV-Verbands umfasst bereits 18 verschiedene E-Modelle. Dabei zeigen sich spezifische Mängel, die direkt mit dem Antriebskonzept zusammenhängen.
Auffällig ist, dass die Achsaufhängungen der Elektrofahrzeuge unter dem hohen Gewicht der Batterien leiden. Dies kann zu erhöhtem Verschleiß und frühzeitigen Defekten führen. Ein weiteres häufiges Problem sind die Bremsen.
Durch die sogenannte Rekuperation – die Energierückgewinnung beim Bremsen – werden die mechanischen Bremsen bei E-Autos seltener und weniger stark beansprucht. Dies führt dazu, dass statt übermäßigem Verschleiß oft Rost an den Bremsscheiben bemängelt wird, da diese nicht ausreichend abgenutzt und gereinigt werden.
Reparaturpflicht bei Mängeln
Wird ein Fahrzeug bei der Hauptuntersuchung mit erheblichen Mängeln beanstandet, muss der Fahrzeughalter den Schaden innerhalb von vier Wochen beheben lassen und das Auto erneut zur Nachprüfung vorstellen. Bei gefährlichen Mängeln ist eine sofortige Reparatur erforderlich. In diesem Fall ist nur noch die direkte Fahrt in die Werkstatt erlaubt.
Ausblick und Empfehlungen
Der negative Trend bei der technischen Fahrzeugsicherheit erfordert Aufmerksamkeit. Fahrzeughalter sind angehalten, ihre Fahrzeuge regelmäßig warten zu lassen, um Mängeln vorzubeugen. Besonders bei älteren Autos oder spezifischen Schwachstellen von E-Autos ist eine vorausschauende Wartung entscheidend.
Die Ergebnisse der Hauptuntersuchung dienen als wichtiger Indikator für den Zustand des deutschen Fahrzeugbestands und unterstreichen die Notwendigkeit, technische Mängel frühzeitig zu erkennen und zu beheben, um die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten.





